Probefahrt mit Wasserstoff-Auto

Fr, 26. Mär. 2021
Viele Vorteile, ein grosser Nachteil: Redaktor Stefan Sprenger ging auf Probefahrt mit Toyota Mirai. Bilder: spr/zg

Alle Testfahrten bei der Garage Dubler AG in Wohlen mit dem Toyota Mirai waren am letzten Wochenende ausgebucht. Diese Zeitung ging auf Spritztour mit dem besonderen Wasserstoff-Auto. --spr


«Was für ein geiles Ding»

Auf Probefahrt mit dem Wasserstoffauto Toyota Mirai – Eine Neuheit, die Zukunft haben sollte

Alle Termine ausgebucht. Viele Menschen wollten am letzten Wochenende den Toyota Mirai bei der Garage Dubler AG Probe fahren. «So etwas wie dieses Auto hat es noch nie gegeben», sagt Geschäftsführer Urs Dubler. Wir haben das Auto ausprobiert.

Stefan Sprenger

Lautlos gleitet der blaue Wagen über den «Niederwiler». Kaum das Gaspedal berührt, reagiert das Wasserstoffauto mit impulsivem Antritt. Von 0 auf 100 gehts in neun Sekunden, bei rund 180 PS. Im Cockpit fühlt man sich futuristisch. Und dieses Auto sollte eigentlich auch die Zukunft sein. Eine 10-minütige Probefahrt von der Garage Dubler AG nach Fischbach-Göslikon und zurück genügt, um den Schreiber dieser Zeilen zu überzeugen: Diese Technologie ist einzigartig. Das Fahrvergnügen ist riesig. Das Beste am Ganzen: Indem man herumfährt, tut man der Umwelt etwas Gutes. Während andere Benzin-Autos die Umwelt belasten, reinigt der Mirai die Luft.

Es reinigt die Luft

Auf der Spritztour sitzt Experte Pascal Dubler auf dem Beifahrersitz. Der Mitarbeiter der Garage Dubler kriegt das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht – und das erkennt man trotz Hygienemaske. Er erzählt, dass der Toyota Mirai ein sogenanntes «Minus-Emissions-Auto» ist. Heisst konkret: Das Fahrzeug stösst keine Schadstoffe aus, sondern reinigt die Luft. Was nach Science-Fiction klingt, ist Realität. Der Toyota Mirai stösst hinten nur gefilterte Luft und reines Wasser in Form von Dampf aus. Im digitalen und futuristischen Cockpit wird angezeigt, wie viel Luft das Auto bereits gereinigt hat. Am letzten Wochenende, wo man den Toyota Mirai ausprobieren konnte, wurde die Atemluft (also der CO2-Ausstoss) für ein Jahr von über 10 Menschen gereinigt. Faszinierend. Man stelle sich vor, wie Grossstädte ihr Smog-Problem lösen könnten, indem dieses Auto auf den Strassen die Luft nicht verpestet, sondern reinigt.

Was die Garage Dubler spürte am Probefahrt-Wochenende: «Das Interesse an dieser neuen Technologie ist riesig», wie Geschäftsführer Urs Dubler erklärt. Die Rückmeldungen sind alle positiv. «Die Menschen sind begeistert.» Einen Probefahrer konnte man gleich zu einem Kauf eines Toyota Mirai überzeugen. In der Grundausstattung belaufen sich die Kosten für das Fahrzeug auf 60 000 Franken.

Skepsis gegenüber unbekanntem Wasserstoff

Die Vorteile sind gross – besonders für die Umwelt. Wasserstoff kann sauber produziert werden. «Mit Strom geht das nur bedingt», so Urs Dubler. Wasserstoff ist zudem gut transportierbar, lange haltbar und weniger explosiv als Benzin. Er spürt aber eine gewisse Skepsis der Leute gegenüber Wasserstoff. «Wir alle sind mit Benzin aufgewachsen und wissen, was das ist. Wasserstoff ist etwas Neues, daran müssen wir uns erst gewöhnen», meint er.

Wasserstoff ist eine Quelle, die viel Power hat. Ein Kilogramm Wasserstoff enthält ungefähr dreimal so viel Energie wie ein Kilogramm Erdöl. Es werden beim Verbrauch keinerlei Kohlenstoffdioxide oder Stickoxide freigesetzt. Wie es grob gesagt funktioniert: Im Fahrzeug erzeugt eine Brennstoffzelle aus Wasserstoff und Sauerstoff Strom und Wärme und treibt damit den Elektromotor an.

2014 wurde der erste Toyota Mirai eingeführt und 2017 auch auf dem Schweizer Markt lanciert. Nun ist die zweite Generation startklar. Und der neue Mirai ist einiges besser. Im Internet ist zu lesen: «Der Brennstoffzellen-Stack ist um etwa ein Drittel kompakter und findet neu unter der Fronthaube statt im Fahrzeugboden Platz, der Elektromotor für den Antrieb ist nun an der Hinterachse, die drei Wasserstofftanks sind tief im Fahrzeugboden verteilt und fassen insgesamt 5,6 Kilogramm Wasserstoff statt 4,6 wie bisher. Die Reichweite steigt um fast 30 Prozent auf 650 Kilometer.»

Pascal Dubler: «Wir wurden ausgelacht»

Bei der Probefahrt erzählt Pascal Dubler, wie er 2004 am Autosalon in Genf stand und Toyota die ersten Hybridmotoren präsentierte. «Wir wurden ausgelacht. Es hiess, das wird sich nicht durchsetzen.» Doch es kam zum Glück anders und die Elektroautos, wo auch der Mirai dazugehört, sind im Vormarsch. Alle grossen Hersteller sind mittlerweile unter Hochdruck am Wasserstoff-Thema dran.

Ein grosses Problem hat die Wasserstofftechnologie. Es gibt nur wenige Wasserstofftankstellen. In Deutschland sind es Ende 2019 rund 80 Tankmöglichkeiten, in den USA gut 40, in der Schweiz sind es 6. Die nächste ist in Hunzenschwil. «Das ist ein Problem», erklärt Geschäftsführer Urs Dubler. «Aber eine Umsattelung ist im Gange.» Eine Vereinigung unter anderem um Shell und Avia zusammen mit den Grossverteilern Coop und Migros plant, das Netz an Wasserstofftankstellen rasch und systematisch aufzubauen. Dubler selbst fuhr am vergangenen Wochenende zum Tanken nach Hunzenschwil. Für 50 Franken hat er vollgetankt und der Mirai kommt so rund 500 Kilometer weit. «Günstiger als ein Benziner. Und ich musste nicht warten wie bei einem Elektroauto.»

Bevor diese Zeitung zur Probefahrt in den Mirai einsteigt, geht ein anderer Toyota-Händler der Region auf Spritztour. Er steigt aus und scheint beeindruckt zu sein. Das Urteil: «Das Auto hat Power. Dazu nutzt es saubere Energie. Was für ein geiles Ding.» Urs Dubler meint: «Auch für uns ist das faszinierend. So etwas wie dieses Auto hat es noch nie gegeben. Es ist ein Riesenschritt in eine andere Richtung. Das muss kommen, es hat so viele Vorteile und wäre enorm erfreulich für unsere Umwelt.»

Es braucht mehr Tankstellen

Ob sich das Wasserstoffauto durchsetzen kann, ist allerdings von mehreren Faktoren abhängig. Das Tankstellennetz ist da mitentscheidend. Denn wenn man erst kilometerweit fahren muss, um zu tanken, ist der Toyota Mirai nur wenig attraktiv für die breite Masse. Oder anders gesagt: Solange das Netz von Wasserstofftankstellen derart dünn ist, wird die geringe Nachfrage der Kunden keine rentable Serienproduktion dieser Brennstoffzellenautos ermöglichen. Und solange kaum Wasserstoffautos auf den Strassen fahren, werden die Betreiber ihr Tanknetz nur zögerlich ausbauen. «Wir werden sehen, was geht», meint Dubler. Eine Schweizer Erfindung könnte dieses Problem des Tankens lösen. Gashersteller Messer und die ETH Lausanne arbeiten an einer – quasi – Wasserstofftankstelle für daheim. «Das wäre ein Ding», meint Urs Dubler.

Passend gewählt wurde der Name des Wasserstoffautos. «Mirai» bedeutet auf Japanisch Zukunft. Und dieses Auto sollte sich eigentlich durchsetzen, wenn dem Menschen die Umwelt wichtig ist.

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