Prophezeiung der Ringerkenner
25.11.2022 Ringen, SportRingen, Nationalliga A, Halbfinal, Rückkampf: RS Kriessern – RS Freiamt (Samstag, 19 Uhr)
Drei Punkte muss die RS Freiamt egalisieren, um Kriessern zu schlagen und vom Final zu träumen. Die beiden Ringerlegenden Hugo Dietsche (Kriessern) und Ludwig Küng ...
Ringen, Nationalliga A, Halbfinal, Rückkampf: RS Kriessern – RS Freiamt (Samstag, 19 Uhr)
Drei Punkte muss die RS Freiamt egalisieren, um Kriessern zu schlagen und vom Final zu träumen. Die beiden Ringerlegenden Hugo Dietsche (Kriessern) und Ludwig Küng (Freiamt) analysieren den Halbfinal und geben eine Zukunftsprognose ab.
Stefan Sprenger
Sie gehören zu den bekanntesten Schweizer Ringern der Geschichte: der Freiämter Ludi Küng und der Ostschweizer Hugo Dietsche. Gemeinsam waren sie an den Olympischen Spielen 1988 (Seoul) und 1992 (Barcelona). «Leonz und Ludi Küng waren meine Weggefährten», sagt Dietsche, der an Olympia 1984 in Los Angeles die Bronzemedaille gewann. Dietsche, Jahrgang 1963, und Küng, Jahrgang 1965, sind nach wie vor ihrem Verein treu. Und natürlich waren sie beim Halbfinalkampf am vergangenen Samstag dabei.
Kriessern ist einen Tick besser, gewinnt mit 17:14. Die Freiämter sind vor dem Rückkampf in der Ostschweiz am Samstag in Rücklage. Dietsche, der Verantwortliche Spitzensport und technische Leiter der Ringerstaffel Kriessern, sagt: «Der Vorsprung ist trügerisch. Wenn wir ein paar Punkte mehr Vorsprung hätten, wäre es mir wohler.» Die Chancen sieht er nach wie vor bei «50 zu 50». «Am vergangenen Samstag zeigten wir eine starke Leistung. Wenn nicht, dann hätten wir auch sehr deutlich verlieren können. Es braucht nochmals eine saubere Leistung von allen.»
Dasselbe sagt Ludi Küng. «Wenn wir die beste Leistung abrufen. Wenn wir noch ein wenig Glück haben. Dann liegt die Wende drin», sagt der Althäuserer, der nach wie vor regelmässig im Training des RS Freiamt dabei ist – und freitags jeweils Stützpunkttraining im Leistungszentrum in Aristau gibt.
Dietsche ist gespannt, wie viel Risiko die RS Freiamt eingeht
Die Niederlage am vergangenen Samstag ordnet Ludi Küng so ein: «Doof. Unnötig. Unglücklich. Bei den Kämpfen von Flurin Meier oder Yves Müllhaupt sind wir klar in Führung und verlieren am Ende noch. Das darf nicht passieren. Auch Randy Vock hätte angriffiger ringen können.» Küng sieht vor dem Rückkampf die Ostschweizer im Vorteil. «Der Stilarten-Wechsel liegt uns zwar, aber Kriessern hat drei Punkte Vorsprung, das ist eine kleine, aber schöne Reserve. Hinzu kommt der Heimvorteil.» Er sieht die Chancen bei «60 für Kriessern, 40 für Freiamt». Es benötige von den Freiämtern nun eine Top-Leistung, «und zwar von allen».
Die Freiämter sind auch immer für eine Überraschung gut. Schwinger-Ringer Nick Alpiger oder Michi Bucher sind zwei Asse im Ärmel von Freiamt-Trainer Marcel Leutert. «Freiamt wird umstellen. Sie haben einige Möglichkeiten zu schieben. Ich bin gespannt, wie viel Risiko sie eingehen. Wir haben nicht so viele Optionen», sagt Dietsche, der am Samstag mit 600 Fans rechnet. Er geht davon aus, dass die drei Punkte Vorsprung seines Teams dringend benötigt werden. «Es geht um jeden Punkt. Es wird sehr spannend. Es ist noch nichts gewonnen.»
Bei Willisau sind sich beide einig
Auch Ludi Küng stellt sich auf einen hochstehenden und engen Kampf ein. «Das wird nochmals ein tolles Duell.» Ganz anders als im anderen Halbfinal, wo Willisau die Einsiedler mit 24:13 bezwungen hat und so gut wie im Final ist. Dietsche und Küng, ihre Herzen schlagen zwar für verschiedene Vereine, aber ihr Ringer-Knowhow ist ähnlich riesig. So sagen beide: «Egal, ob es Kriessern oder Freiamt in den Final schafft, gegen Willisau wird es enorm schwierig. Die haben die absolut stärkste Mannschaft.» Doch beide Teams wollen sich dieser riesigen Herausforderung stellen. Wer gegen Gigant Willisau antreten darf, entscheidet sich am Samstag in Kriessern.
NACHGEFRAGT
«Alles ist offen»
Nicola Küng ist in seiner vierten Saison als Präsident der Ringerstaffel Freiamt. Der 33-Jährige schätzt die Chancen auf die Finalqualifikation als «gut» ein. Er hofft, dass die Freiämter es noch in den Final schaffen und vielleicht dann den Favoriten aus Willisau ärgern können.
Haben Sie Hoffnung, dass es die Freiämter noch in den Final schaffen?
Nicola Küng: Ich bin zuversichtlich. Die Chancen stehen nach wie vor gut, ich würde schätzen bei 50 zu 50.
14:17 hat die RS Freiamt den Halbfinal-Hinkampf gegen Kriessern verloren. Das Team geht mit einem Minus von drei Punkten in den Rückkampf am Samstag in Kriessern. Was gibt Ihnen Hoffnung, dass man dies noch drehen kann?
Im Kampf am Samstag in Muri haben wir unnötig einige Punkte abgegeben, die wir eigentlich holen müssten. Ich glaube, dass wir das viel besser können. Das Minus von drei Punkten ist keine riesige Hypothek, aber es wäre natürlich schöner, wenn wir in Führung wären. Ich denke, es braucht eine starke Leistung, um Kriessern mit mehr als drei Punkten zu bezwingen. Unmöglich ist es aber nicht. Alles ist offen.
2014 holte die Ringerstaffel Freiamt den letzten Schweizer-Meister-Titel. Eine lange Zeit.
(Lacht.) O ja. Meiner Meinung nach wäre es schon lange wieder an der Zeit, dass der Titel ins Freiamt geht. Acht Jahre ist eine lange Zeit. Aber wir geben jede Saison unser Bestes, bislang hat es nicht gereicht, ein paar Mal davon waren wir aber sehr nahe dran.
Willisau stand immer vor der Sonne. So auch diese Saison. Die Luzerner sind klarer Favorit. Wenn es die Freiämter in den Final schaffen, kann man die Willisauer überhaupt besiegen?
Ja. Es bräuchte natürlich eine Top-Leistung. Willisau ist der Topfavorit, aber nicht unschlagbar. Auch hier gilt: Nichts ist unmöglich. --spr