Schöne Dinge wieder da
27.01.2023 Fussball, SportFussball, Super League: Michael Kempter hat mit dem FC St. Gallen hohe Ziele
Nach langer Verletzungspause hat sich der Freiämter Michael Kempter wieder in die Startformation des FC St. Gallen gekämpft. Der 28-Jährige hat grosse Ziele in der Rückrunde. ...
Fussball, Super League: Michael Kempter hat mit dem FC St. Gallen hohe Ziele
Nach langer Verletzungspause hat sich der Freiämter Michael Kempter wieder in die Startformation des FC St. Gallen gekämpft. Der 28-Jährige hat grosse Ziele in der Rückrunde. Persönlich träumt er gar von einer WM-Teilnahme im Jahr 2026.
Stefan Sprenger
19 200 Fans jubeln ausgelassen im Kybunpark. Jérémy Guillemenot trifft für den FC St. Gallen zur 1:0-Führung gegen den FC Basel. Den Assist gibt Michael Kempter. «Das hat gutgetan», sagt der Rudolfstetter. Die Partie am vergangenen Sonntag endet mit 1:1. Enttäuschend für die Ostschweizer, weil man in der 90. Minute einen Elfmeter verschiesst. Die ganz persönliche Gefühlswelt von Michael Kempter sieht aber seit langer Zeit wieder positiv aus.
Im Mai der letzte Super-League-Einsatz
Er durfte wieder spielen. Endlich. Erstmals in dieser Super-League-Saison. Beim 5:0-Sieg im Schweizer Cup gegen das 2.-Liga-Team Arbedo-Castione im November 2022 stand er auf dem Platz. So auch beim 3:2-Erfolg der zweiten Mannschaft (gegen Carouge) in der Promotion League im Oktober. Aber sein letzter Einsatz in der Super League datiert vom Mai 2022, als er im letzten Spiel der Saison 2021/22 gegen Lausanne (4:0) für 10 Minuten eingewechselt wurde. Der Grund für seine lange Abwesenheit: In der Vorbereitung im Sommer verletzt er sich an den Fussbändern und fällt rund drei Monate aus. Danach ist er zwar wieder im Team dabei, kommt jedoch nie zum Einsatz.
«Mega gut gelaufen»
In den letzten Wochen haben sich die Dinge aber so entwickelt, dass Michael Kempter zum Rückrundenauftakt wieder von Beginn weg auf dem Platz steht. Einerseits, weil er sich zurückgekämpft hat und sich mit starken Leistungen in den Trainings aufdrängte. Andererseits, weil die Leihe des Linksverteidigers Guindo abrupt beendet wurde und dieser zu Red Bull Salzburg zurückmusste. Als sich am Tag vor dem Spiel gegen den FC Basel auch noch dessen Ersatz Isaac Schmidt verletzte, kommt Kempter zum Handkuss.
«Es ist mir mega gut gelaufen», erzählt der Freiämter happy. Und so soll es auch weitergehen, für ihn und für den FC St. Gallen. Er möchte sich einen Stammplatz erkämpfen. Er möchte sich für eine Vertragsverlängerung aufdrängen, «weil es mir hier in St. Gallen sehr gut gefällt und ich glücklich bin».
Kreuzband, Adduktoren, Bänder – alles gerissen
Er möchte mit St. Gallen den Cuptitel holen. Dies, nachdem die Ostschweizer zuletzt zwei Mal hintereinander im Final standen, aber auch zwei Mal verloren haben. «Und wir haben die Klasse, um es unter die besten drei Teams der Schweiz zu schaffen und einen Europaplatz zu ergattern.» Aktuell stehen die St. Galler auf dem 3. Rang, nur einen Punkt hinter dem Tabellenzweiten Lugano.
Viele Ziele. Hohe Ziele. Kempter ist hochmotiviert. Für ihn persönlich ist aber etwas anderes das Wichtigste: «Gesund bleiben.» Denn viele Verletzungen haben ihn in seiner Karriere immer wieder ausgebremst. Kreuzband, Adduktoren, Bänder – alles hat er schonmal gerissen. Immer wieder kam er zurück. «Die letzten Jahre waren nicht immer einfach», sagt er. Doch er liebt seinen Job als Profifussballer und meint: «Verletzungen gehören dazu.» Aufgeben kommt für ihn nicht infrage. Und wenn er dann wieder in der Startformation steht wie am vergangenen Sonntag, ist das für ihn eine grosse Genugtuung für die vielen Entbehrungen. Kempter hofft, dass er auch an diesem Sonntag (16.30 Uhr) im Auswärtsspiel gegen den FC Zürich spielen darf.
FC Mutschellen «eher schwierig»
Apropos FC Zürich. Kempter, der seine Karriere beim FC Rudolfstetten begann, verbrachte den Grossteil seiner Juniorenzeit beim FC Zürich. Dort gab er 2016 auch sein Debüt in der Super League. «Es ist deshalb natürlich ein besonderes Spiel für mich», meint er.
Im Gespräch wirkt Michael Kempter locker, freundlich und beweist, dass ihm seine Heimat nach wie vor wichtig ist. Seine Eltern in Rudolfstetten oder seine Grossmutter, die im Alterszentrum Burkertsmatt in Widen zu Hause ist, besucht er, so oft er kann. Und natürlich weiss er auch, wie es seinem Bruder Kevin Kempter beim FC Mutschellen läuft. «Eher schwierig, würde ich sagen», meint er – und lacht dabei nicht, angesichts von nur einem Sieg und dem letzten Tabellenplatz des FC Mutschellen in der 2. Liga interregional. Kempter wird auch gefragt, wie seine Beziehung zum FC-St.-Gallen-Präsident Matthias Hüppi ist. Denn der Mutschellen ist nicht nur Kempters Heimat, sondern auch die von Hüppi, der mehrere Jahrzehnte in Berikon lebte. «Eine Verbindung ist da, wir haben schon einige Male gesagt, dass wir gemeinsam an ein Spiel des FC Mutschellen gehen. Geklappt hat es aus Zeitgründen aber noch nicht», erzählt Kempter.
Innenarchitektur-Abschluss
Der Fussballprofi, der mit seiner Freundin in der Nähe von Winterthur wohnt, hat sich auch beruflich weitergebildet. Ende 2022 beendete er erfolgreich eine Schule für Innenarchitektur, die er neben dem Profifussball absolvierte. Schöne Dinge mit Stil gefallen dem 28-Jährigen.
Ein «schönes Ding» wäre auch die Weltmeisterschaft 2026 in Nordamerika. Und von dieser träumt Michael Kempter – wenigstens ein bisschen. Er spielte einst für die Schweizer Juniorenauswahl, entschied sich dann aber für die philippinische Nationalmannschaft. «Die Schweiz ist meine Heimat, die Philippinen meine Wurzeln», sagt er dazu.
Gesund und glücklich bleiben
Am 7. Juni 2021 gab er beim WM-Qualifikationsspiel gegen China (0:2) sein Debüt für die Philippinen. Die WM im Jahr 2026 in Nordamerika hält so viele Startplätze bereit wie noch nie. Acht asiatische Teams dürfen von einer Teilnahme träumen. «Unsere Chance ist da», meint Kempter und bezeichnet die WM-Teilnahme «als grosser und noch weit entfernter Traum».
Doch irgendwie würde man es dem verletzungsgebeutelten und sympathischen Mann gönnen, dass er seine Ziele erreicht. Sein nächster, kurzfristiger Plan lautet: «Sieg gegen den FC Zürich.» Und natürlich: Gesund und glücklich bleiben. Die schönen Dinge im Leben sind wieder da für Michael Kempter. Nun will er sie festhalten.

