Sein Sport auf der grössten Bühne
26.07.2024 MuriQuasi auf dem Olymp
Der Murianer Chris Räber ist Co-Kommentator der BMX-Wettkämpfe in Paris
Er war Profi, heute designt er Pumptracks. Der Freestyle-Sport ist Chris Räbers grosse Leidenschaft. Nun lebt er sich auch hinter dem ...
Quasi auf dem Olymp
Der Murianer Chris Räber ist Co-Kommentator der BMX-Wettkämpfe in Paris
Er war Profi, heute designt er Pumptracks. Der Freestyle-Sport ist Chris Räbers grosse Leidenschaft. Nun lebt er sich auch hinter dem Mikrofon aus.
Annemarie Keusch
Heute Freitag starten die Olympischen Spiele. Sportlich wird die Region durch Tim Roth (Rudern) und Michelle Andres (Madison) vertreten. Und durch Chris Räber, co-kommentierend am Mikrofon. «Ich freue mich riesig», sagt der Murianer. Drei Tage wird er in Paris verbringen, mit Fokus auf die BMX-Wettkämpfe. Räber ist Co-Kommentator bei SRF, bringt seine grosse Leidenschaft für den Freestyle-Sport also in ganz viele Wohnzimmer.
«Erzählen» sei dabei seine Hauptaufgabe. Räber soll dem nicht-fachmännischen Publikum erklären, welche Tricks die Fahrerinnen und Fahrer in kürzester Zeit aneinanderreihen. «Ja, dafür ist etwas Erfahrung in dieser Sportart sicher nicht schlecht», meint er schmunzelnd. Dabei ist Räber kein BMX-Fahrer, seine Leidenschaft gilt dem Freestyle-Mountainbike – mit den grösseren Rädern. Die Tricks seien aber die gleichen.
Und Räber hat sich in den letzten Jahren stark in die BMX-Szene eingearbeitet. Seit 2022 ist er Co-Kommentator bei SRF, hatte Einsätze an der EM und der WM. Es mache ihm sehr viel Freude, seine grosse Leidenschaft einem breiten Publikum näherzubringen. Denn einst begann sein Freestyle-Weg oft ganz alleine in einem Murianer Wäldchen, ohne grosse Szene. Nun seine Sportart, seine Leidenschaft auf dem Olymp in Paris zu präsentieren, darauf freue er sich enorm.
Heute Freitag starten die Olympischen Spiele – am Mikrofon dabei ist der Murianer Chris Räber
Schon bei der letzten EM und WM war er Co-Kommentator. Jetzt beschreibt Chris Räber am SRF-Mikrofon, was die BMX-Fahrerinnen und -Fahrer an den Olympischen Spielen präsentieren. Der einstige Freestyle-Mountainbike-Profi freut sich riesig. «Ich hoffe, die Schweiz holt eine BMX-Medaille», sagt er.
Annemarie Keusch
Eigentlich sah er diesen Weg für sich selbst nicht. Obwohl er damit liebäugelte, es seinem Vorbild Cam McCaul gleichzutun. McCaul war erfolgreicher Freestyle-Mountainbiker und später moderierte er grosse Events. «Ich dachte, mein Lampenfieber wäre zu gross», sagt Chris Räber. Doch als am Vortag der BMX-Schweizer-Meisterschaften in Winterthur der Moderator ausfiel und er angefragt wurde, sagte er einfach zu. «Keine Ahnung warum. Es war ein Sprung ins eiskalte Wasser, aber es hat riesig viel Spass gemacht», sagt der Murianer. Schlecht habe er es zudem wohl auch nicht wirklich gemacht. Eine klassische Untertreibung. Noch am Anlass in Winterthur wurde für den nächsten Event, einen Stop der «Ride Further Tour» gebucht. Mittlerweile ist das Moderieren von Freestyle-Events zu einem seiner Berufe geworden.
Und er bringt ihn an die Olympischen Spiele. Über Umwege kam eine Anfrage von SRF für einen BMX-Co-Kommentator an ihn. «Warum?» Chris Räber lacht. Er hat sich wohl in den letzten Jahren einen Namen gemacht in der Szene. Nachdem er dies bereits als Athlet tat, nun eben auch als Moderator. Sein Markenzeichen: Er fährt die Shows mit und moderiert via Headset gleichzeitig. «Ja, das geht. Wenn man sich alles gut einteilt.» Wann atmen, wann sprechen. «Kopfüber in der Luft geht es zum Beispiel ganz gut.» Bei jedem einzelnen Anlass ist das Ziel gleich: «Ich will zeigen, dass wir nicht einfach Verrückte sind, sondern akribisch einen Sport betreiben, wie es andere auch tun.»
Viel breiteres Publikum
Genau das tut er seit 2022 auch am SRF-Mikrofon. Überhaupt erst zum Thema wurde dies wegen Nikita Ducarroz. 2021 gewann sie Bronze an den Olympischen Spielen in Tokio. BMX tauchte im Programm des Schweizer Fernsehens auf. Vor zwei Jahren die Europameisterschaften, letztes Jahr die Weltmeisterschaften, nun die Olympischen Spiele. «Ich werde ganz sicher nochmals nervöser sein», sagt der Ex-Murianer, der seit Anfang Jahr in Zürich lebt. Viel sei jedoch nicht anders. Räber kommentiert an der Seite von Adrian Arnet. «Wir sind ein gutes Team.» Und seine Aufgabe ist es, dem Publikum zu erklären, was die BMX- Fahrerinnen und -Fahrer machen. «Gerade an den Olympischen Spielen werden viele einschalten, die diesen Sport sonst selten verfolgen», weiss Räber.
Sich viele Videos anschauen, Resultate analysieren, Podcasts hören. Seit Räber für SRF tätig ist, ist er tief in die BMX-Szene eingetaucht. Und das, obwohl er selbst eine andere Sportart betrieb, Freestyle-Mountainbike. «Aber ich habe mir als Folge dieser Aufgabe auch selbst ein BMX gekauft und finde es mittlerweile genauso cool wie Mountainbike», erzählt er grinsend. Die Szene in der Schweiz sei sehr aktiv, wachse schnell. Chris Räber ist ein Teil von ihr. Der Teil, der die Szene dem grösstmöglichen Publikum näherbringt. Das mache ihm Spass, das sei mittlerweile eine Leidenschaft geworden. Entsprechend freut sich der Murianer auf seine Einsätze in Paris. Vor allem, weil er erstmals vor Ort sein kann. «Nervös macht mich das nicht. Schliesslich ist es weiterhin ein Studio, ob dieses nun in Zürich oder in Paris steht.»
Traut Ducarroz nächste Medaille zu
Trotzdem, olympische Luft wird er auch als Co-Kommentator schnuppern können. «Darauf freue ich mich. Unser Sport ist auf der grössten Bühne der Welt und ich darf ihn mit in die Schweizer Wohnzimmer bringen.» Am 30. Juli stehen die Qualifikationen an, am 31. Juli die Finals. Der Fokus liegt klar auf dem Frauen-Wettkampf, weil jener der Männer ohne Schweizer Beteiligung stattfinden wird. «Dort fehlt noch ein bisschen», sagt Räber. Einen wahrlichen Hype erfahre die Sportart auch erst, seit sie 2021 erstmals olympisch war. «Seit da sind Sportschulen auch für BMXler möglich. Andere Länder sind uns da ein wenig voraus, gerade auch China und Japan haben in den letzten Jahren extrem Gas gegeben. Entsprechend brauchen wir noch ein paar Jahre.» Bei den Frauen dreht sich vieles um Ausnahmekönnerin Nikita Ducarroz. «Ich traue ihr erneut eine Medaille zu», sagt Räber. Er sei sich sicher, dass sie noch Tricks in petto habe, die sie noch nie an Wettkämpfen zeigte.
Teil der Olympischen Spiele zu sein. Hatte Chris Räber diesen Traum auch als kleiner Bub? «Nein. Freestyle-Sport war damals auf dieser Bühne noch kein Thema.» Und ihn interessierte nicht Fussball, sondern eben Freestyle-Sport. Die ersten Jahre skatete er. «Weil ich darin nie besonders gut war und ein Freund bereits sehr gut auf dem Freestyle-Mountainbike war, versuchte ich das auch.» Seine ersten Tricks lernte er im kleinen Wäldchen an der Bünz, zwischen ARA und Badi. «Dort trainierte ich oft stundenlang, ganz alleine.» Mit 18 Jahren zog es ihm den Ärmel richtig rein. Fünf Jahre lang reiste Räber mehr oder weniger als Profi weltweit an Wettkämpfe, verbrachte viel Zeit in Boston – um zu trainieren und um zu unterrichten; Zweiteres tut er noch heute jährlich. Bis auf die zweithöchste Stufe schaffte er es. «Dass dies noch möglich war, obwohl ich so spät wirklich anfing, hätte ich nie zu träumen gewagt.» Es war eine schwere Verletzung, die ihn schliesslich zum Karriereende zwang. Nach einem Sturz musste sein Handgelenk mit 16 Schrauben und drei Platten wieder hergerichtet werden.
Designt hauptberuflich Pumptracks
Dass Freestyle-Mountainbike nicht olympisch ist und er darum nie die Chance hatte, an den Spielen teilzunehmen, wurmt den 33-Jährigen überhaupt nicht. «Es ist alles gut, so wie es war», sagt er. Dass er als einer der ersten Schweizer Freestyle-Mountainbike-Profis daran mitwirken konnte, weshalb die Szene im Land so richtig Fuss fasste, dass er miterlebte, wie die Sportart wuchs, wie junge Leute auch dank Pumptracks wie er sie heute hauptberuflich und selbstständig designt mit dem Freestyle-Sport angefixt wurden, dass er nach wie vor ein Teil der Szene ist – das reicht Chris Räber völlig.
Und als Co-Kommentator des Schweizer Fernsehens an den Olympischen Spielen in Paris hilft er mit, dass der Hype um die Freestyle-Sportarten ganz sicher nicht abbricht.