Spezieller Einsatz

Fr, 20. Nov. 2020
Auf den Tag genau vor 50 Jahren: So hat der «Wohler Anzeiger» am Freitag, 20. November 1970, über den Einsatz und Aktivdienst des Freiämter Bataillons berichtet. Auf dem Bild vorne rechts Kommandant Fritz Isler. Bilder: zg/dm

Freiämter Bataillon im November 1970

Vor 50 Jahren herrschte in der Schweiz Terrorgefahr. Der Wohler Fritz Isler war als Kommandant mittendrin. Nun studiert Isler die Titelseite einer alten Zeitung und betrachtet da sein Freiämter Bataillon 46 auf einem Bild. Vorne vor der Kompanie steht der Hauptmann. Das ist Fritz Isler selber. Der Kommandant des legendären Freiämter Bataillons. Die Titelseite stammt vom «Wohler Anzeiger» vom Freitag, 20. November 1970. Der spezielle Einsatz war also genau vor einem halben Jahrhundert. --dm


Charaktertest fürs Leben

Aktivdienst vor genau 50 Jahren am Flughafen Zürich-Kloten: Der damalige Kommandant Fritz Isler erinnert sich

Die Schweiz hielt damals den Atem an. Terrorgefahr rund um den Flughafen Zürich. Auch das Freiämter Bataillon leistete Dienst. Es war wohl der wertvollste Einsatz der legendären Kompanie. Das Kommando und die Verantwortung lagen beim Wohler Fritz Isler.

Daniel Marti

Es waren historische Ereignisse, und es wurde vor einem halben Jahrhundert Geschichte geschrieben. Das Freiämter Bataillon war massgeblich daran beteiligt. Damals leisteten Schweizer Soldaten den ersten Aktivdienst nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Freiämter bewachten und beschützten das Gelände des Flughafens Zürich-Kloten. Kommandant Fritz Isler – damals Hauptmann, später Major – und seine Kompanie sorgten für die Sicherheit des Vaterlands.

Vor 50 Jahren auf der Titelseite

Es ist Freitag, 20. November 1970. Auf der Titelseite des «Wohler Anzeigers» ist das Füsilierbataillon 46, das Freiämter Bataillon, abgebildet. Es leistet den Schwur bei der Vereidigung auf dem Flughafen Zürich-Kloten. Auf den Tag genau vor 50 Jahren war das. Auf dem Bild ganz vorne steht Kommandant Fritz Isler, die Persönlichkeit aus Wohlen. Ein halbes Jahrhundert ist es nun her, dass Freiämter Aktivdienst leisteten. Das Freiämter Bataillon trat gegen die Terrorgefahr an, zum Schutz der Schweiz.

Und Fritz Isler, mittlerweile 84 Jahre alt, erinnert sich an die ereignisreiche Zeit im November 1970. Die ganze Schweiz schaute damals auf den Flughafen, fieberte mit. Die Terrorgefahr (siehe Artikel unten) war in den Köpfen der Menschen allgegenwärtig. Und was denkt Isler heute, wenn er das Titelbild von 1970 betrachtet? Mit «einem gewissen Stolz» blickt er auf jene Tage zurück. «Und ich studiere heute noch oft an diesem Einsatz herum. Es war eine ernsthafte Probe, mit diesen jungen Männern im Aktivdienst zu stehen. Alle haben dabei eine Art Lebensschule erfahren. Das war äusserst wertvoll.»

Von Villmergen nach Bülach und in einer Nacht voller Sorgen

Und in einem militärischen Buch, das den Einsatz zusammengefasst hat, wird Fritz Isler folgendermassen zitiert: «Die Vereidigung ging jedem unter die Haut. Das bewirkte zusätzlich eine gute Truppenmoral und Einsatzbereitschaft mit ausgezeichnetem Pflichtgefühl für den täglichen Auftrag. Weil sich jeder bewusst war, wie wichtig sein Einsatz zum Schutze von Leben, Einrichtungen und Material war und dass er für einen ernsthaften, wichtigen Dienst gebraucht wurde, gab es auch keinerlei disziplinarische Vergehen.»

Der Kadervorkurs und das Einrücken fanden in Villmergen statt. Auf dem Gelände des Wohler Motocross wurden Nahkampfübungen ausgeführt. Und am 18. November startete das Aargauer Infanterieregiment 24 seinen Einsatz, zu Beginn mit dem Freiämter Bataillon 46. Fritz Isler kommandierte damals rund 130 Männer, alles junge Freiämter.

Alles verlief bestens. Bis auf eine Nacht mit Flughafenalarm. Ein niedergetretener Drahtzaun liess auf Saboteure schliessen. Es wurde die Gefährdung des Flugsicherungssystems vermutet. Der Flughafen wurde sofort geschlossen, das Gelände die ganze Nacht lang durchforstet. «Die Wehrmänner haben eindrücklich und hautnah erfahren, wie brisant Bewachung und Überwachung im Ernstfall sein können», wurde damals Isler zitiert. Alle hatten in dieser Nacht dieselben Ängste, Sorgen, und am Morgen, als der Alarmzustand aufgehoben wurde, waren es dieselben Freuden. «Die Gewehre waren geladen und damals hat jeder gewusst: Jetzt gilt es ernst. Das hat grossen Eindruck gemacht.» Aber in jener Nacht, so Isler heute, habe er viel Charakter, Mut und Selbstvertrauen seiner Truppe erfahren.

Stationiert war seine Kompanie direkt neben dem Flughafen, in Bülach. Der Tag selber war eingeteilt in je acht Stunden Top-Bereitschaft, Aktiv-Dienst und Ruhe. Er selber war oft im Jeep unterwegs, mit der Polizei oder von Wachturm zu Wachturm. Das Ende des Aktivdienstes war dann wieder in Villmergen, im «Rössli» wurde das gefeiert. «Wir dankten dem Herrgott, dass wir die Sache gut gemacht haben», betont Fritz Isler, der jedoch sofort klarstellt, dass er damit nicht angeben möchte.

Stärke, Stolz, Glück

Der Aktivdienst, der wichtige Einsatz fürs Vaterland war natürlich ein ständiger Begleiter – für den Kommandanten des Freiämter Bataillons wie auch für die Soldaten. «Im Militär lernt man viele Menschen kennen», so Isler, «aber die Begegnungen mit den alten Kameraden von damals waren und sind immer besonders.»

Und wie denkt er heute über die November-Tage vor 50 Jahren? Fritz Isler: «Dieser Einsatz hat jeden Menschen gestärkt und stolz gemacht. Und dieser Aktivdienst hat den Charakter geformt. Jeder konnte beweisen, wozu er fähig ist.» Eben eine Lebensschule.

Dann denkt Fritz Isler an die damalige Terrorgefahr, welche die Schweiz erfasst hatte, zurück. Und er vergleicht mit den letzten 50 Jahren und dem Heute. «Wir Schweizer haben so viel Glück, dass wir praktisch nie in Konflikte hineingezogen wurden und werden.» Und wenn es doch passieren sollte, dann ist das Erlebte vor einem halben Jahrhundert wegweisend. «Wir müssen immer bestrebt sein und den Willen haben, die Schweizer Bevölkerung zu schützen.» Genau wie damals auf dem Flughafen Zürich-Kloten, als die Freiämter Wertvolles für ihr Land leisteten.


Freiämter gegen die Terrorgefahr

Spezielle Situation am Flughafen Zürich Kloten im November 1970

Was hat vor 50 Jahren dazu geführt, dass die Gefahrenlage in der Schweiz und im Speziellen die Terrorgefahr rund um den Flughafen Zürich so ausgeprägt waren? Die Lage war dermassen angespannt, dass Aktivdienst geleistet werden musste (siehe Artikel oben).

Der Anfang der schwierigen Zeit geht auf Februar 1969 zurück. Da wurde der Flughafen Zürich-Kloten von einem Anschlag auf eine Boeing der israelischen Fluggesellschaft El-AL betroffen. Vier palästinensische Terroristen waren die Urheber, einer wurde von israelischen Sicherheitsleuten erschossen, drei inhaftiert.

Genau ein Jahr später ereignete sich der nächste Terrorakt. Am 21. Februar 1970 wurde ein Flugzeug der damaligen Swissair durch eine Paketbombe zum Absturz gebracht. 47 Menschen starben bei Würenlingen. Und am 6. September 1970 wurde ein «Jumbo Jet» nach Kairo entführt und gesprengt. Gleichentags wurde eine DC-8 der Swissair nach dem jordanischen Zerqa entführt. Das Swissair-Flugzeug befand sich auf dem legendären Flug SR 100 nach New York. Das Ziel der Entführer: Freilassung der inhaftierten Mitstreiter für einen palästinensischen Staat. Die Terroristen befanden sich in den USA, in Grossbritannien und in der Schweiz in Haft. Jene in der Schweiz aufgrund des Attentats in Zürich-Kloten. Am 12. September 1970 wurden die Flugzeuge in Zerqa in die Luft gesprengt.

Diese Ereignisse führten zur Intervention durch die Politik. Am 25. September 1970 bewilligte der Bundesrat, geeignete Truppen zum Flughafen zu entsenden zur Bewachung und Verteidigung des Flughafengeländes. Das eidgenössische Militärdepartement griff dabei auf Wiederholungskurs-Truppen zurück. Deshalb wurden die Bataillone nacheinander einge s et z t . D ie Fr ei ä mt er Füsilierkompanie II/46 stand ab 18. November 1970 für drei Wochen im Einsatz. Dieser Einsatz zählte als Aktivdienst. Hauptmann und Kommandant der Füsilierkompanie II/46 war damals der Wohler Fritz Isler.

Vor dem effektiven Bewachungseinsatz wurde Nahkampf trainiert, um gegen eventuelle Terroristen bestehen zu können. Und bei der Übernahme des Bewachungsdispositivs wurden die Truppen vereidigt. Erst im September 1971 wurden die letzten Truppen vom Flughafen abgezogen. --dm

Category: 

Neuen Kommentar schreiben

Die Emailadresse wird nicht veröffentlicht oder an dritte weitergegeben. Sie wird nur zu Kontaktzwecken im Zusammenhang mit diesem Kommentar verwendet.
CAPTCHA
Diese Frage hat den Zweck zu testen, ob Sie ein menschlicher Benutzer sind und automatisiertem Spam vorzubeugen.

Kommende Events

Stellen

Immobilien

Diverses

Trending

1

Des Sammlers grösster Schatz

Mit einer Vernissage wurde die neue Weihnachtsausstellung im Museum Kloster Muri eröffnet

Die Königsberger Krippe ist sehr selten. Bei der Ausschaffung der Sudetendeutschen in den 1940er-Jahren überlebten nur wenige. Eine hat Alfred Dünnenberger und er leiht sie dem Museum Kloster Muri aus.

Annemarie Keusch

Die Miniaturfiguren sind teilweise nur wenige Millimeter gross. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Tradition gepflegt im Raum Königsberg. Vor allem war...