Totgesagte leben länger
27.01.2026 Meisterschwanden, Region Unterfreiamt, BaugewerbeBaugesuch für Erneuerung der Seebelüftung liegt auf
Seit bereits 40 Jahren wird der See künstlich beatmet. Und das mit Erfolg. Die Belüftung ist ein Faktor von mehreren, welche dafür sorgen, dass sich das einst stark belastete Wasser wieder ...
Baugesuch für Erneuerung der Seebelüftung liegt auf
Seit bereits 40 Jahren wird der See künstlich beatmet. Und das mit Erfolg. Die Belüftung ist ein Faktor von mehreren, welche dafür sorgen, dass sich das einst stark belastete Wasser wieder erholen kann. Damit dies so bleibt, müssen die Komponenten der Belüftung ersetzt werden.
Chregi Hansen
Der Hallwilersee ist heute wieder ein Naturparadies, welches weit über die Region hinaus bekannt ist und zu jeder Jahreszeit viele Menschen anzieht. Die einen tauchen im Sommer ins Wasser, andere umrunden ihn zu Fuss, wieder andere geniessen gemütliche Stunden an einem der vielen schönen Stellen am Ufer. Und die Schifffahrtsgesellschaft lockt mit ihren Fahren viele auf das Wasser.
Das war nicht immer so. In den 80er-Jahren stand der See kurz vor dem Kollaps. Er war komplett überdüngt. Die Folgen: Massenvermehrung von Algen, Verfärbung und Trübung des Wassers, Mangel an Sauerstoff in der Tiefe des Sees sowie periodisches Fischsterben. Erkannt, dass etwas schief läuft, hatte man schon viel früher. Bereits im Jahr 1949 fanden öffentliche Versammlungen unter dem Motto «Rettet den Hallwilersee» statt. Unter anderem auch in Fahrwangen. Und es wurde gehandelt. Ein erster wichtiger Schritt wurde erreicht, indem die Abwässer nicht mehr in den See geleitet wurden. Die Gründung eines Abwasserverbandes und der Bau einer Kläranlage sorgten für eine erste Entlastung. Später folgten auch Einschränkungen und Vorgaben für die Landwirtschaft.
Ökologische Stabilität sichern
Einen wichtigen Beitrag, damit sich der See erholen konnte, leistet seit 40 Jahren die künstliche Seebelüftung. Von Meisterschwanden aus führen sechs Leitungen am Grund zur Seemitte. Dort werden in 45 Metern Tiefe durch sechs Diffusoren je nach Bedarf Druckluft oder Sauerstoff eingetragen. Wurde anfänglich Reinsauerstoff eingesetzt, kommt seit 2016 nur noch Druckluft zum Einsatz. Im Sommer sorgt dieses Vorgehen für mehr Sauerstoff im Wasser, im Winter unterstützt die Anlage mit Druckluft die Durchmischung der verschiedenen Wasserebenen. Die Seebelüftung leistet somit einen entscheidenden Beitrag zur Sanierung des Hallwilersees und seiner ökologischen Stabilität.
Seit 1986 wird der Hallweilersee bereits belüftet. Im Jahr 2003 wurden wesentliche Bestandteile der Anlagen erstmals ersetzt. Zudem werden diese jährlich gereinigt. Da die Effizienz des Sauerstoffeintrages in den letzten Jahren aber abgenommen hat, drängt sich nun eine weitere Erneuerung auf. Die Planungsarbeiten dafür sind abgeschlossen, die Sanierung soll noch in diesem Jahr erfolgen. Aktuell liegt das dafür notwendige Baugesuch auf der Gemeinde Meisterschwanden auf.
Lieferung verzögert sich
Vorgesehen ist der Ersatz aller Diffusoren-Fritten. Darunter versteht man die Röhren, welche den feinen Eintrag von Druckluft oder Sauerstoff an der tiefsten Stelle des Sees erlauben. Auch ersetzt wird das Gestänge, an welchem die 42 Fritten pro Diffusor befestigt sind. Diese zeigen Abnutzungserscheinungen, besonders bei den Gewinden, und müssen daher erneuert werden. Anders sieht es bei den sechs Leitungen aus, die von den Kompressoren an der Landanlage zu den Diffusoren führen. Sie mussten lediglich gründlich gereinigt werden, was bereits erfolgt ist, und benötigen keinen Ersatz.
Die Vergabe der Aufträge für die Lieferung der Fritten an eine Firma in Barcelona ist ebenfalls bereits erfolgt. Allerdings ergeben sich hier Verzögerungen. Anders sieht es bei den übrigen Komponenten aus. Das neue Gestänge kommt von der Josef Muff AG in Sarmenstorf und wird noch diesen Monat nach Meisterschwanden gebracht. Die Lieferung der notwendigen Stahlseile zur Installation ist sogar schon erfolgt. Für die Lagerung des Materials kann der eingezäunte Platz hinter dem Stationsgebäude der Lüftung genutzt werden. Die Gemeinde hat dafür ihr Okay gegeben.
Taucher im Einsatz
Sobald alle Komponenten vor Ort sind, kann mit dem Ersatz gestartet werden. Dazu werden die alten Diffusoren von den Auftriebsbojen abgehängt, nach Meisterschwanden geschleppt und dort demontiert. Die neuen Diffusoren werden anschliessend an Land zusammengesetzt und dann mit einem Arbeitsboot an ihren Standort gebracht. Die neuen Fritten werden erst auf dem See montiert. Danach können die Diffusoren mit den neuen Seilen, dem Ankerstein und den Auftriebsbojen wieder abgesenkt werden. Pro Tag können ein bis zwei Diffusoren ersetzt werden, insgesamt benötigen die Arbeiten also rund eine Woche, in der die Seebelüftung ausgeschaltet bleibt. Bei den Arbeiten kommen auch Taucher zum Einsatz.
Ersatz kommt vermutlich billiger als budgetiert
Die Arbeiten haben keine negativen Auswirkungen auf den See oder den Uferbereich. Die notwendige fischereirechtliche Bewilligung wurde bereits in Aussicht gestellt. Der für die Arbeiten notwendige Kredit wurde vom Regierungsrat bereits im Juni 2023 bewilligt. Die Höhe des Kredits liegt bei 855 000 Franken. Aktuell sieht es danach aus, dass der Kredit deutlich unterschritten wird. Aktuell rechnen die Verantwortlichen mit Ausgaben in der Höhe von 550 000 Franken. Immer noch viel Geld. Aber ein nötiger Beitrag, damit der Hallwilersee auch weiterhin ein landschaftliches Aushängeschild bleibt und als wertvoller Erholungs- und Naturraum erhalten werden kann. Die Unterlagen sind auf der Kanzlei und auch online einsehbar.


