Verlust im sechsstelligen Bereich
06.02.2026 MutschellenMutschälle Fäscht-Verein erwirtschaftete trotz 30 000 Besuchern ein grosses Minus
Die Frustration im Mutschälle-Fäscht-Verein ist gross: Trotz vier grossartigen Tagen mit sehr vielen Besuchern klafft nach dem Fest von Mitte September ein riesiges finanzielles Loch in der Kasse. Die Veranstalter erläutern die Gründe, und erklären, wie es trotzdem im 2028 eine Fortsetzung geben könnte.
Roger Wetli
«Es war ein grandioses Mutschälle Fäscht – aber mit einem Wermutstropfen», zieht Rafael Hernandez heute Fazit. Der OK-Präsident beteuert zusammen mit OK-Vizepräsident Carlo Ariu, dass sie bei der zweiten Ausgabe des Mutschälle Fäschts im letzten Jahr auf den Erfahrungen aus dem ersten Fest von 2021 gesetzt hatten. «Die Ausgaben waren ziemlich gleich hoch. Wir boten mit denselben Kosten sogar mehr», so Ariu. «Das Genick kostete uns das veränderte Konsumverhalten der Besucher.» Dieses verursachte in der Endabrechnung einen Verlust im tiefen sechsstelligen Bereich.
Deutlich weniger Zeltbesucher und maue Konsumation
Für den Aussenbereich verlangt der Mutschälle-Fäscht-Verein keinen Eintritt. Seine Aufwände deckt er mit dem Geld, das er mit den Ticketverkäufen für das grosse Eventzelt einnimmt, und mit dem, was dort drin konsumiert wird. «Und gerade da lief es für uns sehr schlecht», blickt Rafael Hernandez zurück. Am Donnerstag erwartete das OK in seinem Zelt 600 bis 700 Ticketverkäufe. Es waren aber nur 150. Am Samstag wären für eine «schwarze Null» rund 2000 Ticketverkäufe nötig gewesen. Abgesetzt wurden aber unter 1400 Tickets. «Wir hatten hochkarätige und sehr bekannte DJs engagiert. Wieso diese nicht mehr Leute zogen, ist uns ein Rätsel. Schliesslich war der gleiche Anlass beim letzten Mal mit 2500 Besuchern restlos ausverkauft», so Carlo Ariu. «Für den Donnerstag wurden uns die Band ‹Fründe› als die neue ‹Stubete Gäng› angepriesen. Die Musiker sind super sympathisch und live unglaublich – leider lockten sie nicht so viele Leute an. Mit den fehlenden Eintritten blieben auch die Konsumationen im Zelt deutlich unter den Erwartungen. «Diese gingen generell trotz moderaten Preisen im Vergleich zu 2021 zurück», beobachtet Hernandez.
Er erklärt, dass die Hauptkosten für das Mutschälle Fäscht im Zelt- und Bühnenbau plus in der Bühnentechnik entstehen. Ein unerwarteter Posten waren zusätzliche Stromgeneratoren, die kurzfristig organisiert werden mussten.
Guter Freitag und Sonntag reichten nicht
Zufrieden sind Hernandez und Ariu mit dem Besucheraufkommen im Zelt am Freitag und Sonntag. «Gerade der Freitagabend mit dem Auftritt mit der 80er-Jahre-Coverband war gut besucht. Er erfüllte unsere Erwartungen – aber nicht mehr», so der OK-Präsident. «Wenn jeder Abend so gelaufen wäre, wäre es finanziell gerade so aufgegangen.» Dasselbe gelte auch für den Sonntag, der im Zeichen von Musikformationen wie zum Beispiel den Musikvereinen Berikon und Niederwil stand. «Wir dachten, wir verkaufen das Zelt aus. Es lief aber ‹nur› gut.» Es gab da aber ein neues Problem. «Das schöne Wetter lockte die Besucher in den Pausen aus dem Zelt heraus, wo sie an den Ständen der Vereine und privaten Food-Anbieter konsumierten. Und da verdienten wir nichts», bedauert Carlo Ariu. «Wir verlangten da keine Gewinnbeteiligung, sondern nur eine Standgebühr, welche just unsere Kosten für diese Stände deckten.»
500 statt 2000 Solibändel verkauft
Eine vierte Einnahmequelle neben Zellteintritt, Zeltkonsumation und Standgebühren hatte der Mutschälle-Fäscht-Verein durch den Verkauf von Solidaritätsbändeln. «Die 30 000 Besucher kauften aber nur 500 Bändel. Wir hatten mit rund 2000 gerechnet», bedauert Carlo Ariu. «Teilweise hörten wir gar im Vorfeld und vor Ort Klagen, dass wir überhaupt Eintritt verlangen.» Die beiden OK-Mitglieder führen diese Gratis-Erwartungshaltung der Bevölkerung auf Volksfeste wie das Dietiker Stadtfest, das Zufiker Fäscht und das Leue Fäscht in Bremgarten zurück. «Da war teilweise alles gratis», erinnerst sich Hernandez. «All diese Feste wurden aber stark durch ihre Orte finanziell unterstützt. Wir erhielten zum Glück das Mutschälle-Fäscht-Gelände gratis, eine finanzielle Beteiligung lehnten die Mutscheller Gemeinden aber trotz vorgängiger Anfrage ab.
Defizit über Stiftungen und mit Crowdfunding decken
Das finanzielle Loch liegt dem Fest-OK schwer auf. «Mit unseren Gläubigern sind wir im Gespräch», sagt Rafael Hernandez. «Um das Defizit doch noch zu decken, haben wir eine Arbeitsgruppe gegründet.» Sie versucht nun, über Stiftungen einen Teil des fehlenden Geldes zu erhalten. «Wir sind ein gemeinnütziger Verein, der mit seinem Fest auf dem Mutschellen nachhaltige Begegnungen über alle Generationen und Geschmäcker ermöglichen möchten. Deshalb machten auch verschiedenste Vereine mit», so Ariu. «Wir hoffen, dass das von den Stiftungen gewürdigt wird.»
Bei diesen Anfragen bleibt es aber nicht. Um zusätzlich Geld zu generieren, ist ein Crowdfunding für die breite Öffentlichkeit in Planung. «Den Leuten muss klar werden, dass es kein weiteres Mutschälle Fäscht geben wird, können wir unsere Schulden von 2025 nicht bezahlen», weiss Hernandez. «Deshalb hoffen wir auf grosse Unterstützung.»
Angedacht ist vom OK, dass die Vereine und Foodstände im Zuge des Crowdfundings angegangen werden. «Dies macht es einfacher im Handling für alle und ist vielleicht auch eine zusätzliche Motivation, einen Teil beizutragen und ein Teil der Spendenaktion zu sein, so Hernandez.
Auf der rechtlichen Seite prüfen die Vereinsmitglieder, explizit in die Statuten zu schreiben, dass es sich um eine gemeinnützige Organisation handelt. «Damit hoffen wir, besser Spenden zu generieren. Weil man dann den bezahlten Betrag an den Steuern abziehen kann», so Carlo Ariu. Mit weiteren Abklärungen möchte der Verein evaluieren, welche Vorteile die Umwandlung in eine Stiftung bringen würde. «Das braucht aber Zeit», betont Rafael Hernandez. «Um konstruktive Ratschläge und Unterstützung sind wir sehr dankbar.»
Dritte Ausgabe wäre kleiner
Ob es, wie ursprünglich angedacht, im Jahr 2028 ein drittes Mutschälle Fäscht geben wird, steht zurzeit noch in den Sternen. «Klar ist uns aber, dass wir für eine dritte Ausgabe unser Konzept überarbeiten würden. Ein grosses Zelt gibt es sicher nicht mehr. Weniger wäre wohl dann generell mehr», so Hernandez. Er und Carlo Ariu rufen sich immer wieder die vielen lachenden Gesichter während des Mutschälle Fäschts in Erinnerung. Sie beteuern, dass sie die Kosten für das Fest im Griff hatten, die Ausgaben der Besucher aber zu tief waren. Das OK hofft, alle Schulden in absehbarer Zeit bezahlen zu können. «Das wäre für uns alle eine unglaubliche Erleichterung», betonen Rafael Hernandez und Carlo Ariu.

