Weltpremiere in der Turnhalle
14.01.2025 Aristau, Region OberfreiamtDer Männerchor Aristau überzeugt mit einer Uraufführung und humorvoller Inszenierung
Schon bei der nachmittäglichen Premiere ist die Turnhalle voll am Konzert mit Theater des Männerchors Aristau. Die Sänger begeistern mit einem breiten ...
Der Männerchor Aristau überzeugt mit einer Uraufführung und humorvoller Inszenierung
Schon bei der nachmittäglichen Premiere ist die Turnhalle voll am Konzert mit Theater des Männerchors Aristau. Die Sänger begeistern mit einem breiten Repertoire und die Theatergruppe unterhält mit einem lustigen Verwirrspiel.
Thomas Stöckli
«Eine Weltpremiere» kündigt Ueli Schweizer gegen Ende des Liedprogramms an. Und das Publikum zeigt sich denn auch begeistert von der Eigenkomposition von Hans Stüssi, Heimweh-Glarner aus Villmergen, der seit gut zehn Jahren als Bass im Männerchor Aristau mitsingt und darüber hinaus als Vizedirigent amtet. «Gletscherchalts Alpätal – z Chlüntal im Winter» heisst das Stück. Es ist eine Liebeserklärung an ein Tal, das im Winter drei Monate lang keinen einzigen Sonnenstrahl sieht. Umso schöner entfalte sich dafür der Zauber des Mondscheins, heisst es im Lied, das Dirigent Florian Steidle – wie alle vorgetragenen Stücke – für den Chor arrangiert hat und zu dem der routinierte Ansager Ueli Schweizer dem Publikum eigens einen kurzen Glarnerdeutsch-Sprachkurs offeriert.
Gesang von Liebe, Sehnsucht und Bergromantik
Schon mit dem ersten Auftritt haben die Sänger ihr Publikum gepackt. Den Rücken zum Publikum, bauten sie sich auf der Bühne auf, um dann den Refrain zum «Kiosk» von «Rumpelstilz» voller Empörung vorzutragen. Spätestens als sich zur Liedzeile «loht d Wimpere la klimpere» die Hälfte der Sänger eine Langhaar-Perücke aufsetzt und sich in beschriebenes «Frölein» verwandelt, wird im Saal gejubelt. Gut kommt auch der Spencer-Williams-Hit «Just a Gigolo» an. Ein Highlight, wie Florian Steidle am Klavier als Sprechgesangs-Solist mit dem Chor interagiert. «Noch so einen!», fordert ein Zwischenrufer spontan.
Dazwischen reihen sich Lieder über Sehnsucht und Liebe, vom dramatischen Appell in «Torna a Surriento» über das locker-leichte, verliebt-beschwingte «Amor, Amor, Amor» von Gabriel Ruiz, das Julio Iglesias in diversen Sprachen gecovert hat, bis hin zum typischen Chorlied «Bajazzo». Es folgt der DDR-kritische Udo-Jürgens-Klassiker «Sonderzug nach Pankow».
Und zum Abschluss erhält mit «La Pastorella» und der Zugabe «So es schöns Panorama» der Mundartband ChueLee auch die Bergweltromantik noch Raum. «Alls, was du zum Läbe bruchsch, staht für di vor de Tür», singen die Männer auf der Bühne, derweil die Zuhörer im Publikum mitzuschunkeln beginnen. Es ist ein bunter Mix an Chorklassikern und schalkhaften Überraschungen, mit welchem die Sänger ihr Publikum bei Laune halten. Dazu passen die Ansagen von Ueli Schweizer, der spannende Hintergründe liefert, aber auch viel Witz und sogar Poesie einstreut.
Zweiakter mit kultverdächtiger Fensterszene
Den zweiten Teil des Unterhaltungsprogramms in der Turnhalle Aristau gestaltet die Theatergruppe. «Alles uf Chrankeschiin» heisst der Zweiakter von Ray Cooney, den die vier Darstellerinnen und sechs Darsteller eingeübt haben. So viel vorweg: Das Geschlechter-Ungleichgewicht wird sich auf der Bühne noch verschieben.
Wie der Titel erahnen lässt, spielt die Mundartkomödie im Krankenhaus, genauer: in einem Ärztezimmer. Der Oberarzt Leo Leu (Bruno Villiger) soll nämlich an einem Neurologen-Kongress die Hauptrede halten. Seine Chefin, Spitaldirektorin Amalie Schumacher (Daniela Lang-Birrer) stellt ihm den Chefarzt-Posten in Aussicht, falls er reüssiert. Doch auch eine ehemalige Krankenschwester mit unehelichem Kind sowie die Kollegen, die das Weihnachtsspiel planen, fordern Aufmerksamkeit.
Es entwickelt sich ein Verwirrspiel, in welches nebst Leu auch dessen Assistent Balz Bättler, verkörpert durch Männerchor-Präsident Martin Küng höchstpersönlich, immer stärker involviert wird. Die Protagonisten verstricken sich mehr und mehr in den Widersprüchen ihrer Notlügen, derweil sich ein Patient (Roland Aeberli) einen Spass daraus macht, die Eskalation voranzutreiben. Es geht um bissige Hunde, Krankheiten und Todesfälle, gesundheitliche und geistliche Interventionen, die schliesslich in einer Fensterszene gipfeln, die zwar weniger romantisch, aber genauso kultverdächtig wirkt wie die Balkonszene von Shakespeares «Romeo und Julia».
Weitere Vorführungen am Freitag und Samstag
Schaffen es die beiden Ärzte, dieses Tohuwabohu unbeschadet zu überstehen? Das soll an dieser Stelle noch nicht verraten werden. Schliesslich bietet sich auch am kommenden Wochenende nochmals Gelegenheit, das Theater anzuschauen – und natürlich das Konzert anzuhören: am Freitag, 17. Januar, und Samstag, 18. Januar, um 20 Uhr in der Turnhalle Aristau.