Wertvolle Tipps und ein Wunder
10.03.2026 Wohlen, Bildung14. Elternbildungstag Freiamt im bbz: Bei neun Kursen wurde ganz viel Wissen vermittelt
Kinder sind ein Geschenk. Das ist die Ausgangslage. Aber die Realität sieht oft anders aus. Probleme, fehlende Zeit und Orientierung, zu wenig Halt, Pubertät bestimmen das ...
14. Elternbildungstag Freiamt im bbz: Bei neun Kursen wurde ganz viel Wissen vermittelt
Kinder sind ein Geschenk. Das ist die Ausgangslage. Aber die Realität sieht oft anders aus. Probleme, fehlende Zeit und Orientierung, zu wenig Halt, Pubertät bestimmen das ganz normale Leben. Darum ist der Elternbildungstag immer wieder ein wertvoller Ratgeber.
Daniel Marti
Es habe wohl für viele Teilnehmende einen Extra-Effort benötigt, um sich diesen einen Elternbildungstag freizuhalten, sagte OK-Präsidentin Belinda Lowe. Im Wissen, dass Eltern sich ihre Freiräume eben suchen müssen. Ähnlich sah es für die OK-Mitglieder des 14. Elternbildungstages aus. Im letzten Moment musste noch improvisiert und umgestellt werden. Ein Kurs, Cybercrime im Familienalltag, fiel sehr kurzfristig aus. Trotzdem: Die 14. Ausgabe des Elternbildungstages Freiamt war erneut ein Erfolg. Einerseits begeisterte Erziehungsberater Jan-Uwe Rogge mit seinem Referat, andererseits war das Angebot praktisch ausverkauft.
Positives Fazit, breites Spektrum
Das OK mit Alessandra Loher, Christina Meier, Immanuel Schäbe, Sylvie Nuc und Präsidentin Belinda Lowe hat also ganze Arbeit geleistet. «Die Stimmung war erneut sehr gut», konnte Sylvie Nuc, Verantwortliche für Presse und Kommunikation, bilanzieren. Auch die Personen an den verschiedenen Ständen sowie die Suchtprävention Aargau kamen zu diesem positiven Fazit.
Das Spektrum der Kurse war umfassend. Es reichte von «Orientierung geben» bis zu «Abschied, Trauer und Tröstliches» mit Trauerbegleiterin Katharina Keel. Es brauche wohl ein wenig Mut, um diesen Kurs zu besuchen, sagte Keel selbst. Eigentlich wäre sie früher gerne Hebamme geworden, hat sie gleich am Anfang verraten. Nun sei sie eben mit ihrer Beratung am anderen Ende des Lebens gelandet. Trauerbegleitung sei in den letzten Jahren immer wichtiger geworden und es ist ein ernst zu nehmendes Thema. Letztlich wolle sie einfach Hilfe und Unterstützung leisten, so Katharina Keel. Auch die Nachfrage nach einem reinen Vaterkurs war vorhanden. Die Enttäuschung, dass er diesmal ausgefallen ist, war ziemlich gross. Dies so zu hören, sei dagegen erfreulich, so Sylvie Nuc.
Interesse der Männer ist steigend
Das OK wertete die Bedürfnisse bereits einen Tag später aus: Der Wunsch nach Kursen zu Pubertät und kleinen Kindern ist immer vorhanden. Gefolgt von den Themen Mobbing, Social Media, Hochsensibilität, Jugendlohn, Umgang mit Ängsten. Orientierung geben (Katharina Hardegger) und Pubertät (Jan Uwe Rogge) waren denn auch die beliebtesten Kurse.
Noch etwas war bei der 14. Austragung erstaunlich: Noch nie waren so viele gemeinsame Paare (20), die in einem Haushalt leben, dabei. Und die Anzahl Männer (26) war rekordverdächtig. «Diese Entwicklung freut uns sehr», so Sylivie Nuc. Dies bestätigt auch die Mütter- und Väterberatung: Immer mehr Männer bringen sich im Erziehungsalltag ein. Der Trend nach Teilzeitarbeit bei den Männern nimmt weiter zu. Die jüngeren Eltern zeichnen sich heutzutage immer mehr durch eine andere Denkweise aus. Erziehung ist eine gemeinsame Angelegenheit.
Alltag erleichtern, den Austausch verstärken
Der Elternbildungstag entspricht also weiterhin einem grossen Bedürfnis. Das zeigen auch die Buchungen. Beim Start der Ausschreibung waren innerhalb von 90 Minuten über 50 Prozent der Plätze belegt. Nach 14 Tagen gab es nur noch wenige freie Plätze. Und die Teilnehmerinnen und Teilnehmer stammen aus dem ganzen Freiamt – von Wohlen bis nach Sins. OK-Präsidentin Belinda Lowe lag also genau richtig: «Hier kann man wertvolle Tipps abholen, damit der Alltag leichter wird.» Wichtig ist dabei auch der Austausch unter den Eltern. Zu sehen, dass man mit den Problemen nicht alleine dasteht, tut wohl allen gut. «Der Austausch ist an einem solchen Tag ein zentraler Punkt», wissen alle OK-Mitglieder.
Vor allem die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und wie Kindererziehung (noch) besser ermöglicht werden kann, «ohne dass Eltern auf dem Zahnfleisch laufen». Das sind wesentliche Diskussionspunkte. Es könnte auch durchwegs ein Ziel sein, «dass der Kanton Aargau solche Angebote stärker fördert und finanziell unterstützt», so Sylvie Nuc. Eltern benötigen oft Unterstützung, darum wäre eine bessere Vernetzung nur förderlich. Erziehung ist also auch ein gesellschaftspolitisches Thema.
«Gemeinsame Zeit bewirkt Wunder»
Und die Kommunikationsverantwortliche hat auch einen persönlichen Tipp an alle Eltern. Sie nennt den Film «Eine Million Minuten» nach einer wahren Begebenheit. Der Film zeigt ein materiell gut gestelltes Elternpaar aus Berlin, das sich mit den beiden Kindern auf eine fast zweijährige Reise begibt. «Manchmal braucht es einfach nur Zeit und Musse, sich mit den Kindern zu beschäftigen und keine grossen Therapien, Workshops, unzähligen Beschäftigungen. Gemeinsame Zeit wirkt Wunder», sagt Sylvie Nuc.
Der Faktor Zeit gilt auch für die OK-Mitglieder Alessandra Loher, Christina Meier, Immanuel Schäbe, Sylvie Nuc und Präsidentin Belinda Lowe. Im OK wird immer wieder viel Energie aufgewendet, um den Elternbildungstag zu organisieren. «Nur, unsere Energien im OK neigen sich auch dem Ende zu», so Sylvie Nuc. Es sei enorm schwierig, weitere Freiwillige zu finden. Trotzdem lebt die Hoffnung, dass das OK weitere Verstärkung erfahren wird. «Wir organisieren den Elternbildungstag Hand in Hand. Jedes Mitglied bringt seine Talente ein», erklärt Präsidentin Lowe. «Aber es müssen eben viele Mosaiksteinchen zusammenpassen».
Die Erfolgsgeschichte geht weiter
Im nächsten Jahr steht die 15. Austragung des Elternbildungstages Freiamt an. Belinda Lowe war schon bei der Premiere dabei. Darum wird sie auch das kleine Jubiläum an vorderster Stelle weiterhin begleiten. «Weil sich der Elternbildungstag zu einer Erfolgsgeschichte entwickelt hat, und weil wir im bbz in Wohlen einfach die besten Bedingungen haben», betont sie. Und dies zum Vorteil von über 100 Eltern, die viel Wissen vermittelt bekommen. Mal mit Humor, mal mit Ernsthaftigkeit.


