Wille ist noch immer da

Di, 28. Jul. 2020
Das Team von «Judo goes Orient» beim Umbau seiner «Oase» (v.l.: Lukas Küchler, Joél Berger, Philipp Schmid, Roger Hofer, Andreas Schmid, Yanik Wechsler). Seit über einem Jahr arbeiten die Judokas an ihrem Projekt. Momentan bremst sie das Coronavirus aus. Bilder: zg

«Judo goes Orient» bleibt vorerst zu Hause

Sechs Wohler Judokas wollten Hilfsgüter nach Bulgarien und Rumänien bringen. Jetzt werden sie zum zweiten Mal durch Corona ausgebremst.

Das Team «Judo goes Orient» wollte im Mai an der Europa-Orient-Rallye starten und zwei Waisenhäusern in Osteuropa Hilfsgüter bringen. Die Coronakrise hat dieser Idee den Garaus gemacht. Jetzt wollten sie sich dennoch mit ihren drei Autos auf den Weg machen, um die Hilfsgüter in die Waisenhäuser zu bringen. Auch das ist ins Wasser gefallen. Schuld ist erneut die Coronakrise. --jl


Gibt es eine dritte Chance?

«Judo goes Orient»: Nach Rallye muss auch Hilfslieferung abgesagt werden

Am Samstag wollte das Team von «Judo goes Orient» auf eine zehntägige Reise Richtung Rumänien und Bulgarien losfahren, um Hilfsgüter in zwei Waisenhäuser zu bringen. Die Lieferung musste wegen der Coronasituation abgesagt werden. Das Team sitzt jetzt auf über drei Tonnen Hilfsgütern.

Josip Lasic

Die sechs Judokas sitzen in ihrer «Oase», ihrem Hauptquartier an der Unteren Farnbühlstrasse 52 in Wohlen. Sie machen Spässchen und versuchen, die Stimmung untereinander aufzuhellen. Wären sie zu Tode betrübt, man könnte ihnen keinen Vorwurf machen. Ursprünglich wollten sie im Mai an der Europa-Orient-Rallye teilnehmen. Mit drei vollbepackten Autos und drei ebenso vollbepackten Anhängern sollte die Reise quer durch 14 Länder gehen. Dabei sollten Hilfsgüter in die Waisenhäuser in Piatra Neamt (Rumänien) und in Tryavna (Bulgarien) gebracht werden. Als die Rallye wegen der Coronakrise abgesagt werden musste, haben die Judokas die Hilfslieferung auf den Sommer verlegt, in der Hoffnung, jetzt fahren zu können. Diese Hoffnung wurde wegen der Coronapandemie jäh zerschlagen. «Die Einreise in die beiden Länder wäre unproblematisch gewesen», erklärt Andreas Schmid, Präsident des Judo- und Aikido-Clubs Wohlen und Captain des Rallye-Teams. «Auf der Rückfahrt wäre das Risiko aber gross gewesen, dass wir in Ungarn für mehrere Tage in Quarantäne oder uns sogar auf Corona testen lassen müssen. Die Gefahr war gross, dass wir nicht rechtzeitig zurückkönnen.»

Abgesehen davon hat sich die Situation bezüglich der neuen Fallzahlen insbesondere in Rumänien deutlich verschärft. Am Samstag, als die ursprüngliche Abfahrt der Judokas geplant gewesen war, wurden in Rumänien 1284 Neuinfektionen mit Covid-19 bestätigt.

Hilfsgüter werden ausgeladen

Das sechsköpfige Team hat mehr als drei Tonnen Hilfsgüter für die beiden Waisenhäuser gesammelt. Diese waren schon auf die drei Anhänger verteilt und bereit zur Abfahrt. Ein Anhänger war in der «Oase», zwei auf einem Bauernhof in Waltenschwil untergebracht. «Das war aber nur eine Übergangslösung, bis wir losfahren», sagt Teammitglied Lukas Küchler. Die drei Tonnen an Esswaren, Spielsachen, Schulmaterialien, Kleidung und Bettwäsche werden jetzt alle von den Lieferwägen runtergeladen und in der «Oase» verstaut. «Glücklicherweise haben wir vor allem Lebensmittel wie Teigwaren und Reis gesammelt, die länger haltbar sind», sagt Teammitglied Roger Hofer.

Die Frage stellt sich, wie lange das Material eingelagert werden muss. Ursprünglich war geplant, im Herbst zu fahren, falls die Hilfslieferung im Sommer nicht klappt. «Wir hoffen, möglichst bald ein Zeitfenster zu finden, wo die Fahrt nach Rumänien und Bulgarien wieder möglich ist», sagt Andreas Schmid. «Leider ist die Coronasituation nicht einschätzbar. Wir hatten jetzt zwei Fehlversuche. Da sind wir nicht mehr blind optimistisch. Wir fahren aber spätestens zum nächsten Rallye-Start am 8. Mai 2021 wieder los.»

Enttäuschung ist gross

Bereits 2016 fuhren sechs Wohler Judokas unter dem Motto «Judo goes Orient» an der Europa-Orient-Rallye mit. Auch damals schon in Verbindung mit einer karitativen Aktion. Bei der ersten Rallye-Teilnahme wurden ein Kinderheim und eine Schule in Albanien unterstützt. Damals bestand das Team aus Roger Hofer, Andreas Schmid, Roland Briner, Benjamin Wey, Fabian Koch und Rafael Zimmermann.

Von der ersten Besetzung sind nur noch Andreas Schmid und Roger Hofer, der damals Präsident des Judound Aikido-Clubs Wohlen und Captain des Rallye-Teams war, mit dabei. Für Philipp Schmid, Joél Berger, Lukas Küchler und Yanik Wechsler wäre es die Premiere gewesen. Dementsprechend ist die Enttäuschung bei ihnen noch grösser. Besonders als Roger Hofer beginnt, Anekdoten von der ersten Reise zu erzählen. Joél Berger: «Der kulturelle Austausch wäre für uns einer der wichtigsten Gründe für die Reise gewesen. Andere Länder, Kulturen und Menschen sehen, erleben und kennenlernen.» Deshalb war es für das Team von «Judo goes Orient» auch keine Option, das Hilfsmaterial mit einem Lastwagen mitzugeben, der in Richtung Rumänien gefahren wäre. «Es wären LKWs gewesen, die irgendwelche Waren nach Osteuropa bringen. Diese fahren normalerweise nicht in die Orte, wo unsere Waisenhäuser stehen. Wir hätten nicht garantieren können, dass das Material wirklich ankommt», erklärt Roger Hofer. «Ausserdem ist es ein ganz besonderes Gefühl, wenn man einem Waisenkind seinen ersten Schulsack überreichen kann und dabei die Freude in seinen Augen sieht.»

Immerhin wurde der Einsatz der Judokas nicht komplett ausgebremst. Das Waisenhaus in Rumänien betreibt eine Suppenküche, die mit einem Transportbus wöchentlich über 100 Familien in den umliegenden Gemeinden mit warmen Mahlzeiten beliefert. Das bisherige Fahrzeug konnte wegen eines Defekts nicht mehr eingesetzt werden. «Judo goes Orient» hat geholfen, einen neuen Transportbus zu finanzieren. «Dieser fährt schon in Rumänien», sagt Andreas Schmid. «Hauptsponsor für diesen Bus war der STV Besenbüren. Wir haben Aufkleber organisiert, mit denen wir das Fahrzeug bekleben wollten, um an den Turnverein zu erinnern, der die Finanzierung ermöglicht hat. Das muss jetzt auch warten.»

Unterstützung noch möglich

Die sechs Judokas haben ihre Ferien geopfert, um ihre Waren zu den Waisenhäusern transportieren zu können. Jetzt müssen sie zu Hause bleiben. Eine kleine Hoffnung besteht, dass sich dieses Jahr noch eine Chance ergibt, doch noch nach Rumänien und Bulgarien zu fahren. Ansonsten müssen die über drei Tonnen Hilfsmaterial in der «Oase» überwintern und können erst zur nächsten Rallye nach Osteuropa gebracht werden. «Unser Startgeld ist immerhin noch für nächstes Jahr gültig», sagt Lukas Küchler lachend.

In der Zwischenzeit sind die Kampfsportler nicht untätig. Aus den Früchten des Pflaumenbaums bei der «Oase» wurde fleissig Konntüre gekocht. Diese verkaufen sie über ihre Homepage, um weiteres Geld für ihre Hilfsprojekte zu sammeln. Es gibt auch weitere Möglichkeiten, wie man das Team noch unterstützen kann. Die Judokas sind nach wie vor über jede Hilfe froh.

Alle Informationen und Möglichkeiten, das Team zu unterstützen, gibt es unter: https://judogoesorient.ch/

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