«Wir können Weichen stellen»
21.01.2025 Wohlen«Frauen machen Politik» – eine Austauschplattform für Frauen – feierte eine gelungene Premiere
Bei den Wahlen im Herbst wollen die Frauen gestärkt auftreten. Dieses Ziel wurde mit dem Anlass «Frauen machen Politik» lanciert. Sechs ...
«Frauen machen Politik» – eine Austauschplattform für Frauen – feierte eine gelungene Premiere
Bei den Wahlen im Herbst wollen die Frauen gestärkt auftreten. Dieses Ziel wurde mit dem Anlass «Frauen machen Politik» lanciert. Sechs wichtige Themen wurden dabei analysiert. Die Mandatsträgerinnen sammelten Eindrücke und Verbesserungsvorschläge. Und das Interesse an dieser Premiere war recht gross.
Daniel Marti
«Wir machen das nicht etwa für die Parteien. Wir machen das für Wohlen», sagte Gemeinderätin Ariane Gregor. Und sie stellte damit klar, dass es beim Anlass «Frauen machen Politik» keine Abgrenzung zwischen den Parteien gibt. Die Frauen aus Gemeinderat und Einwohnerrat pflegen schon lange ein Miteinander, nun wurde daraus ein gezielter Anlass. Eine Austauschplattform, ein weiteres Zusammenrücken. Denn die Wohler Politik wird nach wie vor von Männern geprägt. Ein höherer Frauenanteil wäre wünschenswert.
«Frauen machen Politik» führte die Gemeinderätinnen Ariane Gregor (Mitte) und Denise Strasser (FDP) sowie neun Einwohnerrätinnen zusammen: Franziska Matter (Grüne), Simone Allenspach, Laura Pascolin, Martina Arnet (alle SP), Stefanie Dietrich, Sonja Isler-Rüttimann, Aline Knoblauch (alle Mitte), Julia Frischknecht (Grünliberale) und Beate Zimmermann (EVP). Einzig eine SVP-Vertretung fehlte. Schade. Erfreulich war dagegen, dass sich rund drei Dutzend Besucherinnen für die Frauenpolitik interessierten.
Was bewegt, was stört die Frauen von Wohlen?
Natürlich, die Premiere des Frauentreffs sei Richtung Wahlen 2025 gerichtet, gab Ariane Gregor zu. Man wolle bei Gemeinderats- und Einwohnerratswahlen bewusst die Frauenkarte spielen, sagte sie noch. Das scheint auch anzukommen, denn der kleine Saal im Chappelehof war praktisch ausverkauft, das Interesse der Wohler Frauen also recht gross.
«Wir wollen wissen, was die Frauen in Wohlen bewegt und was sie stört», erklärte Denise Strasser zu Beginn. Es gehe ums Mitmachen, ums Mitwirken, betonte Stefanie Dietrich, «und zwar von rechts bis links».
Und Julia Frischknecht, Vizepräsidentin des Einwohnerrates, erklärte den Parlamentsbetrieb. «Eigentlich geht es immer ums Geld. Um die Verteilung und um die Prioritäten, wo und wie das Geld ausgegeben wird», so Frischknecht. «Im Einwohnerrat kann man nicht die ganze Welt bewegen, aber wir können die Weichen stellen.» Je mehr Frauen in Parlament und Regierung vertreten sind, desto stärker hat ihre Meinung Gewicht. Und die Schweiz habe ja ein tolles System, «jede einzelne Person kann mitbestimmen», so Frischknecht weiter.
Franziska Matter ergänzte, dass man über Kommissionen Ideen einbringen könne. «So ist die Finanz- und Geschäftsprüfungskommission in Wohlen die wichtigste Kommission, denn sie prüft alle Geschäfte genau.» Letztlich könne so der Gemeinderat auch bei der Stadtentwicklung beraten werden. «Sorry, bei der Dorfentwicklung.»
Gratis-Ortsbus für Schülerinnen und Schüler?
Gegen 40 Frauen interessierten sich für das Thema «Frauen machen Politik» – und ein Teil davon will vielleicht selbst den Einstieg in die Lokalpolitik wagen. Die Mandatsträgerinnen gaben mit sechs Themen schon mal einen tiefen Einblick. Sicherheit, Begegnungsräume, Kultur und Freizeit, Schule und Bildung, Gesundheit und Betreuung sowie öffentlicher Verkehr sind allgemeine Brennpunkte. Auch in Wohlen. Gemeinderätinnen und Einwohnerrätinnen führten in die sechs Themen ein, nahmen Inputs und Anregungen entgegen. «Letztlich gab es einen regen Austausch», fasste Martina Arnet die Arbeit an den sechs Posten zusammen.
Für die Politikerinnen und die Besucherinnen war «Frauen machen Politik» mehr als ein Austausch. Wünsche und Meinungen wurden eingebracht und der Ist-Zustand analysiert. «Wir wollen ja die Lebensqualität in Wohlen verbessern», so Franziska Matter. Und dort zielen alle Politinteressierten hin.
Wie denn die Verkehrssituation und der ÖV in Wohlen verbessert werden können? Diese Frage versuchte Laura Pascolin zusammen mit den Besucherinnen zu erörtern. Die Vorschläge: Das Busangebot ausbauen, die Anschlüsse verbessern, die Velowege sicherer machen, mehr Parkplätze bei den Geschäften im Zentrum, das Nacht-Taxi-Angebot erweitern. «Oder das Ortsbusangebot für Wohler Schülerinnen und Schüler soll gratis ausgestaltet werden, zusammen mit einem finanziellen Zustupf aus einem Topf des Kantons», nannte Pascolin einen interessanten Vorschlag aus der Runde der Gäste.
Was fehlt: Kinderärzte, Begegnungsräume, Fussgängerzone
Dass der Gemeinde manchmal die Hände gebunden sind, zeigt das aktuelle Thema Gesundheit und Betreuung. Es gibt zu wenige Ärzte und Kinderärzte in Wohlen. Das knappe Angebot wird oft kritisiert. Letztlich kann hier möglichen Interessenten, wenn es sie dann gibt, nur Unterstützung geleistet werden.
Was in Wohlen ebenfalls fehlt, ist ein Raum für junge Menschen zwischen 18 und 25 Jahren. «Um Gleichaltrige zu treffen», präzisiert Julia Frischknecht. Auch der Wunsch nach einer Fussgängerzone wurde geäussert. «Ein schwieriges Thema», so Frischknecht, aber sie wisse, dass auch ein niederschwelliges Angebot ohne Konsumationszwang oft gewünscht werde. Begegnungsräume gibt es in Wohlen etliche, aber nicht jede Nische betreffend Bedürfnisse ist besetzt.
Sicherheitsgefühl ist besser als allgemein erwartet
Dann kam es noch zur grossen Überraschung des Abends. Simone Allenspach thematisierte und analysierte zusammen mit Gemeinderätin Denise Strasser die Sicherheit in Wohlen. «Wir führten spannende Diskussionen und es gab ganz verschiedene Wahrnehmungen. Und wir sind positiv überrascht», so Allenspach. «Ein grosser Teil der Frauen in Wohlen fühlt sich sehr sicher.» Das Thema Bahnhof mit etwas weniger Sicherheit sei allen bekannt, trotzdem sei die Sicherheit gemäss den Besucherinnen gegeben, sagte Allenspach.
Spannend ist auch ein Spagat in der Wahrnehmung der Polizeipräsenz. Für ältere Frauen bedeutet grössere Polizeipräsenz mehr Sicherheit. Jüngere Frauen fragen rasch, warum es denn mehr Polizei-Einsätze benötigt, so Simone Allenspach, die versprochen hat, dass sie das Sicherheitsthema mitnehmen werde ins Dorfparlament. «Wir werden das dann hauptsächlich mit männlichen Einwohnerräten besprechen», betonte sie mit einem Augenzwinkern.
Denn 14 Frauen stehen im Einwohnerrat aktuell 26 Männern gegenüber. Und dieses Verhältnis soll bei den Wahlen im kommenden November verbessert werden – zugunsten der Frauen. Der gelungene Anlass «Frauen machen Politik» soll ein erster Schritt in diese Richtung sein. Und in eine Zukunft mit mehr Frauen im Dorfparlament führen. Ganz nach dem Wunsch von Gemeinderätin Gregor: Es gehe ja um Wohlen. «Wenn wir Frauen keine Niederlagen an der Urne kassieren wollen, müssen wir den Frauenanteil stärken.»
Vielfältige Gründe
Die Ablehnung der Schulraumkredite
Ende November wurden zwei Projektierungskredite für zwei neue Schulhäuser an der Urne abgelehnt. Mit rund 62 Prozent fiel der Nein-Anteil recht deutlich aus, gesamthaft wurden drei Millionen Franken für die beiden Kredite deutlich verworfen.
Die Angst vor steigendem Steuerfuss
Welches waren die Gründe, die zu diesem Resultat bei der Referendumsabstimmung führten, wollten Gemeinderätin Ariane Gregor und Einwohnerrätin Franziska Matter an ihrem Themenposten wissen. Die Angaben der Besucherinnen waren ziemlich vielfältig. Es waren Luxusbauten geplant und die Kredite waren zu teuer, lauteten zwei Gründe. Die Angst vor drohenden steigenden Steuern, wurde ebenfalls genannt. So wie auch der fehlende Draht zur Schule. Und man solle doch das Friedhofgebäude als gutes Beispiel für den Schulraum nehmen, meinte eine Besucherin. Damals wurde ein teurer Neubau geplant und an der Urne verworfen, die Sanierung des bestehenden Gebäudes sei dann viel günstiger ausgefallen. Und erst noch besser als der projektierte Neubau.
Die Volksschule wurde auch allgemein unter die Lupe genommen. Es gibt viele Fragezeichen bei der integrativen Schule, lautete eine Kritik. Weitere Probleme: Viele Schülerinnen und Schüler seien ohne Schweizer Pass, es habe an den Schulen zu wenig Rückzugsmöglichkeiten und zu wenig ausgebildete Lehrkräfte. Die Information an die Eltern sei auch verbesserungsfähig. Da kam also einiges zusammen. Sie werde die erfassten Gründe für das Schulraum-Nein und die geäusserten Probleme der Volksschule gerne mitnehmen in den Gemeinderat, versprach Ariane Gregor, Verantwortliche des Ressorts Volksschule. --dm