Wundersame Expedition
14.01.2025 Wohlen«Sechs Beine» heisst die neue Eigenproduktion des Sternensaal-Teams: Ein Probenbesuch
Das Publikum soll staunen und schmunzeln. Das hat sich das Sternensaal-Team mit der Theaterproduktion «Sechs Beine» zum Ziel gesetzt. Die Eigenproduktion ist zudem ...
«Sechs Beine» heisst die neue Eigenproduktion des Sternensaal-Teams: Ein Probenbesuch
Das Publikum soll staunen und schmunzeln. Das hat sich das Sternensaal-Team mit der Theaterproduktion «Sechs Beine» zum Ziel gesetzt. Die Eigenproduktion ist zudem eine Expedition in die Welt der Insekten und die Natur. Und das Publikum nimmt auf drehenden Stühlen Platz.
Daniel Marti
«Man muss euch anmerken, was los ist», sagt Regisseur Adi Meyer zu seiner Schauspielertruppe. «Es ist schade, wenn man das nicht sieht, nicht spürt», fügt Choreografin Reut Nahum an. «Ich glaube, wir müssen schon noch ein paar Mal üben», meint dazu Hans Melliger, Schauspieler und Produktionsleiter. Und seine Kolleginnen und Kollegen schmunzeln. Und nicken.
Alle Sinne ansprechen – mit sich drehenden Stühlen
Die Proben für das Stück laufen gut, meist mit Lockerheit und Ernsthaftigkeit. Das bisher Geübte ist auf einem guten Stand. Aber es braucht schon noch Arbeit, so, wie Melliger es ausdrückt. «Bei gewissen Szenen sind wir bereits bei 70 Prozent, bei anderen bei knapp einem Drittel. Es gibt also schon noch Luft nach oben», fasst der Regisseur den aktuellen Zwischenstand zusammen. «Wir haben noch viel Arbeit vor uns, aber es kommt gut.»
Bis zur Premiere am Freitag, 16. Mai, im neuen Kulturwerk Bleichi bleiben noch vier Monate. Viel Zeit also. Und man trifft sich in der Woche gegenwärtig ein- oder zweimal, wenn es nötig ist auch dreimal. Denn das Theaterstück «Sechs Beine» ist mit nichts zu vergleichen, was bisher das Sternensaal-Team aufgeführt hat. «Sechs Beine» ist eine ganz besondere Theaterproduktion. Eine Art Expedition.
Der Entomologische Verein Wohlen beschäftigt sich leidenschaftlich mit Insekten. Entomologen sind Insektenforscher. Und genau das wird auf die Theaterbühne gezaubert. «Sechs Beine» will die Zuschauerinnen und Zuschauer mit allen Sinnen ansprechen und unterhalten. Sie auf eine wundersame Expedition mitnehmen, heisst es im ganz neuen Flyer. Das Sternensaal-Team will das Publikum entdecken, nachdenken, staunen und schmunzeln lassen.
Grosse Ziele – in einem hochinteressanten und fast einzigartigen Umfeld. Denn das Publikum wird bei den Aufführungen in der Mitte der Theaterstätte sein. Und sich das Stück auf drehenden Stühlen zu Gemüte führen. Das Publikum dreht sich auf seinen Stühlen zum jeweiligen Spielort. Das ist schon Herausforderung genug – auch für die Schauspielerinnen, Schauspieler und den Regisseur. Am Probeort im Sternensaal kann das nur simuliert werden. Im Sternensaal wird also fleissig geübt, danach erfolgt der Wechsel in den grossen und sanierten Werkhof, ins Kulturwerk Bleichi. «Wir müssen uns hier im Raum zurechtfinden, die Situation im Sternensaal geht so einigermassen zum Proben», erklärt der Regisseur. «Der Wechsel vom Sternensaal ins Kulturwerk wird dann anspruchsvoll sein.»
Ein Glücksfall und Rollen nahe an den Personen
Und dort wird Bühnenbildbauer Stefan Hegi wirken. «Ein Glücksfall für uns», sagt Adi Meyer. Hegi ist im Sternensaal-Team bestens integriert und im alten Werkhof Bauchef. Eine ideale Kombination. Der Wechsel vom Sternensaal ins Kulturwerk erfolgt dann Mitte März – und somit eine weitere Standortbestimmung.
Jetzt ist noch der Sternensaal das Zentrum von «Sechs Beine». Beim Einblick in eine Probe zeigte sich die Truppe motiviert und lernwillig. «Sechs Beine» ist für alle Neuland. Dafür kennt man sich bestens. Die Schauspielerinnen und Schauspieler kommen zum grössten Teil aus dem Umfeld des Sternensaals. Der Autor des Stücks führte viele Gespräche. Und erst danach erfolgte die Zuteilung der Rollen. «So sind die Rollen noch näher an der eigenen Person als sonst», erklärt Meyer, «so drückt auch die eigene Persönlichkeit durch. Alle Schauspielerinnen und Schauspieler werden somit noch glaubwürdiger.» Die meisten seines Teams kennt der Regisseur sehr gut und sehr lang. Ein Vorteil oder ein Nachteil? «Ganz klar ein Vorteil», sagt Regisseur Meyer, «ich kenne ihre Möglichkeiten und Fähigkeiten. Das macht vieles einfacher.»
Neue Choreografin ist inspirierend
Einzig die Choreografin ist ganz neu. Reut Nahum hat sich jedoch schon bestens einbringen können, das zeigen die Proben eindrücklich. Sie bringt eine spezielle Note in die Theaterexpedition. Wenn sie auf die Bühne tritt, dann hören alle gespannt zu, lassen sich von ihr inspirieren. «Die Arbeit mit Reut Nahum macht die Sache noch spannender und noch interessanter», so Meyer. Erstmals arbeitet der langjährige und so erfahrene Regisseur auch mit Jonas Arnet zusammen, der für die Musik verantwortlich ist. Eigentlich erstaunlich, sind doch beide sehr stark mit Wohlen verbunden. Die Zusammenarbeit mit ihm sei «total anregend. Junge Leute wie er haben oft eine andere Sichtweise.» Das regt an.
«Sechs Beine» ist eben kein herkömmliches Theaterstück. Keine Komödie, kein Drama, kein Konflikt, kein Happy End. Eben, eine Expedition. Mit Vereinsmitgliedern des Entomologischen Vereins mit unterschiedlichen Charakteren. Hochnäsige, Selbstlose, Erfinderische, Gutmütige. Sie alle beschreiben auch die Welt der Insekten. «Wir wollen die Menschen sensibilisieren», umschreibt der Regisseur die Botschaft der Geschichte. Das Theaterstück darf allemal auch informativ sein. Das Publikum soll das Gespür bekommen, «dass in der Natur alles zusammenhängt». «Sechs Beine» soll auch «gwundrig» machen. Die Zuschauerin und der Zuschauer rückt dabei auch in die Beobachterrolle, und so ist die Besucherin und der Besucher dann ein Teil einer Expedition.
Wagnis und Herausforderung
Ein Theaterstück mit sich zum jeweiligen Spielort hindrehenden Stühlen – das wird für die Beteiligten von «Sechs Beine» eine Premiere sein. Nicht ganz für den Regisseur selbst. Genau bei einer Inszenierung mit Drehstühlen war Adi Meyer bisher federführend. Er habe da selbst nur wenig Erfahrung, gibt er zu. «Die Bühne wandert und so wird vieles kompakter», betont er. Und die Schauspielenden sprechen zum Publikum, auch das ist nicht alltäglich. Die neue Eigenproduktion sei aus diesen Gründen «auch ein Wagnis. In diesem Sinne ist es für alle auch eine besondere Herausforderung.»
«Sechs Beine». Premiere am Freitag, 16. Mai, 20.30 Uhr, im Kulturwerk Bleichi. Regie: Adrian Meyer. – Schauspielerinnen und Schauspieler: Yvonne Amsler, Martina Arnet, Samira Bolliger, Irène Christen, Silvia Gygli, Stephan Isler, Thomi Marbach, Hans Melliger, Andreas Weber, Julia Wohler, Fränzi Zulauf. – Start Vorverkauf am Montag, 10. Februar. – Weitere Infos: www.sternensaal-wohlen.ch.