Zufriedener Schwingchef

Fr, 01. Okt. 2021
Stefan Strebel am Kilchberger Schwinget. Er blickt sowohl auf die letzte Saison als auch in die Zukunft mit viel Optimismus. Bild: Freshfocus

Mit Ausnahme einiger weniger kleiner Schwingfeste ist die Saison vorbei. Der Villmerger Stefan Strebel, technischer Leiter des Schwingerverbands, zieht Bilanz über die erste Saison nach dem schwingsportlosen Jahr 2020. Er spricht im Interview über den Kilchberger Schwinget, die Freiämter Eidgenossen Joel Strebel und Andreas Döbeli sowie über das nächste Jahr und darüber, was er vom Schwingklub Freiamt erwartet. --jl


«Weiss, wo meine Wurzeln sind»

Stefan Strebel, Technischer Leiter des Eidgenössischen Schwingerverbands, zieht eine Saisonbilanz

Es war ein bewegtes Jahr für Stefan Strebel und den Schweizer Schwingsport. Nach dem Coronajahr 2020 konnten die Athleten ins Sägemehl zurückkehren und Wettkämpfe bestreiten, mit dem Kilchberger Schwinget als Saisonhöhepunkt. Wie blickt der in Hendschiken wohnhafte Villmerger auf das Jahr eins nach Corona zurück?

Josip Lasic

Die ganze Schwingerschweiz hat dem Kilchberger Schwinget als Saisonhöhepunkt entgegengefiebert. Konnte das Schwingfest den hohen Erwartungen gerecht werden?

Stefan Strebel: Absolut. In dieser Saison konnte wieder geschwungen werden. Durch die Öffnungsschritte in Stufen konnten 99 Prozent aller geplanten Schwingfeste durchgeführt werden. Der Kilchberger Schwinget war der Abschluss und absolute Höhepunkt dieser Saison, in der unser Sport wieder ausgeübt werden konnte.

Und das, obwohl viele grosse Namen wie Armon Orlik oder der amtierende Schwingerkönig Christian Stucki verletzt gefehlt haben?

Das hat die Vorfreude natürlich getrübt. An dieser Stelle wünsche ich auch allen, die das Fest verletzt verpasst haben, gute Besserung. Der Schwinget war aber so spannend, dass das eine Entschädigung für die Ausfälle war.

Es gab viele Diskussionen bezüglich der Einteilung. Unter anderem bezüglich des Schlussgangs zwischen Samuel Giger und Kilian Wenger.

Aus meiner Sicht war das die einzig richtige Einteilung. Das war ja das Duell, das viele im ersten Gang sehen wollten. Dort war es ja auch nicht recht, dass sie nicht aufeinandertrafen (lacht). Da Stucki gefehlt hat, ist Wenger der letzte aktive Schwingerkönig, der teilgenommen hat. Das hat einen speziellen Stellenwert. Und Samuel Giger ist der Saisondominator. Natürlich hätte man auch über Damian Ott diskutieren können. Aber wenn ich mir das Notenblatt von Wenger und Giger ansehe und die Gegner, die sie vor dem Schlussgang hatten, dann passt das so.

Dieser Schlussgang führte dazu, dass es drei Festsieger gab. Wertet das den Erfolg nicht ein wenig ab?

Nein, überhaupt nicht. Das zeigt für mich nur, dass an diesem Tag kein Schwinger eine perfekte Leistung gezeigt hat. Das wertet den Festsieg aber nicht ab.

Es gab in dieser Saison allgemein viele Verletzte. Ist das Zufall oder der einjährigen Coronapause geschuldet?

Das kann man nicht pauschal beantworten. Es ist so, dass viele Schwinger im Winter nur im Kraftraum waren, da anderes Training nicht möglich war. Im Sägemehl konnten sie erst spät mit dem Training anfangen. Und gewisse Bewegungsabläufe kann man beim Krafttraining nicht simulieren. Das hat sicher die Verletzungen begünstigt. Dann kommt hinzu, dass der Zeitplan sehr eng war. Es fanden sehr viele Schwingfeste innerhalb von kurzer Zeit statt. Da kam bei einigen Athleten die Regeneration zu kurz. Es sind mehrere Faktoren, die da mitspielen. Die Gründe für die Verletzungen sind individuell.

Gab es covidbedingte Ausfälle?

Ausser der Infektion von Nick Alpiger ist mir nichts bekannt. Die Schutzkonzepte haben gut funktioniert. Mit dem Testen hat es auch immer geklappt. Ich bin sehr glücklich, dass alle so diszipliniert waren.

Einer der Verletzten ist der Freiämter Joel Strebel. Er hat deswegen Kilchberg verpasst. Ihre Meinung zu seiner Saison?

Das hat mich emotional sehr getroffen, als ich von seiner Verletzung erfahren habe. Seine Saison war sehr gut. Er ist nochmals stärker und reifer geworden. Dass er sich nach so einem ausgezeichneten Jahr kurz vor dem Kilchberger Schwinget verletzt, das ist sehr bitter.

Mit Andreas Döbeli war immerhin ein Freiämter in Kilchberg dabei. Wie bewerten Sie seine Saison?

Er hat den Sieg am Nordwestschweizerischen Schwingfest geholt und damit einen seiner grössten Erfolge gefeiert. Daran ist er gewachsen. Dass er in Kilchberg nur vier Gänge bestreiten konnte, ist schade. Er ist besser, als er abgeschnitten hat. Diesen Schock soll er aber als Motivation nehmen und noch härter an sich arbeiten. In Kilchberg treten die 60 besten Schwinger des Landes an. Andreas gehört da zum vorderen Drittel. Er soll dieses Ergebnis jetzt nicht überbewerten, sondern daran wachsen.

Wer ist in Ihren Augen der bessere Schwinger? Andreas Döbeli oder Joel Strebel?

Schwierige Frage (lacht). Joel Strebel ist derjenige, der eher im Stande ist, einen der Topcracks des Landes zu bezwingen. Andreas Döbeli ist eher der Konstantere der beiden. Strebel ist noch etwas der Härtere von beiden. Er ist allerdings auch noch ein Jahr älter. Aktuell merkt man das noch ein wenig.

Wie würden Sie den Rest des Schwingklubs Freiamt einordnen?

Philipp Joho hat jetzt seinen ersten Kranz geholt. Sein jüngerer Bruder Pascal hat am Eidgenössischen Nachwuchsschwingertag eine gute Leistung gezeigt. Für Philipp gilt es jetzt nachzulegen, weitere Kränze zu holen und eine Selektion für das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest anzuvisieren. Pascal muss sich jetzt bei den Aktiven behaupten. Aber ich mach mir um die zwei keine Sorgen. Die haben eine gute Karriere vor sich und bilden die nächste Generation. Und wenn die Verletzten zum Schwingklub Freiamt zurückkehren, ist der Klub sehr gut aufgestellt.

Wo sehen Sie den Schwingklub Freiamt im nationalen Vergleich?

Weit vorne. Mit Joel Strebel und Andreas Döbeli hat man schliesslich zwei absolute Topschwinger. Sie gehören zu den besten 20 des Landes. Mit ihnen beiden und anderen starken Aktiven wie Reto Leuthard oder Lukas Döbeli ist der Schwingklub Freiamt definitiv einer der stärkeren.

Was erwarten Sie von den Freiämtern in der kommenden Saison?

Einiges. Sie müssen an den Kantonalen, den Teilverbandsschwingfesten und den Bergfesten ihre Leistungen bringen. Und dann geht es um die Selektion für das «Eidgenössische» in Pratteln. Da rechne ich mit vier bis sechs Freiämtern. Bei Joel Strebel und Andreas Döbeli ist das Ziel klar. Sie müssen ihren Kranz bestätigen. Lukas Döbeli ist ein Kandidat für einen Kranz. Und dann gibt es mehrere weitere Kandidaten für eine Selektion. Reto Leuthard und Lukas Schwenkfelder, die beispielsweise schon in Zug dabei waren. Oder eben Philipp Joho. Bei ihm wäre es das Ziel, dass er am zweiten Tag noch weiterschwingen kann.

Was sind weitere Höhepunkte des nächsten Jahres?

Das Aargauer Kantonale in Beinwil im Freiamt. Als Ehrenmitglied des Schwingklubs Freiamt werde ich natürlich vor Ort sein und freue mich riesig darauf. In meinem aktuellen Amt bin ich leider etwas zu weit weg vom Schwingklub Freiamt, als es mir lieb ist. Wenn ich eines Tages nicht mehr Technischer Leiter beim ESV bin, will ich mich wieder stärker beim Verein engagieren. Dann heisst es zurück zur Basis. Ich weiss, wo meine Wurzeln sind.

Wann können wir mit einem Freiämter Schwingerkönig rechnen?

Theoretisch ist das immer machbar. Es ist sicher schwierig. Wenn es ein Nordwestschweizer machen sollte, dann muss er das fast im Alleingang bewerkstelligen. Und es braucht dazu eine fast perfekte Leistung über zwei Tage. Aber wir haben in der Nordwestschweiz Kandidaten dafür. Und zwei davon kommen aus dem Freiamt. Nichts ist unmöglich.

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