Zum Jubiläum ein neues Outfit
30.01.2026 Wohlen, Fasnacht, MusikDie Wohler Guggenmusik Nordfäger ist seit 50 Jahren an der Fasnacht unterwegs
Einst gab es in Wohlen drei verschiedene Guggen. Heute existieren von ihnen nur noch die Nordfäger. Auch sie wurden schon totgesagt. Doch Aufhören kommt nicht infrage. «Wir ...
Die Wohler Guggenmusik Nordfäger ist seit 50 Jahren an der Fasnacht unterwegs
Einst gab es in Wohlen drei verschiedene Guggen. Heute existieren von ihnen nur noch die Nordfäger. Auch sie wurden schon totgesagt. Doch Aufhören kommt nicht infrage. «Wir haben einfach Freude an dem, was wir machen», betont Präsident Jörg Bachmann.
Chregi Hansen
Am Schluss des Gesprächs werden sie schon etwas nachdenklich. «Es braucht in Zukunft neue Mitglieder. Denn es wird nach dieser Fasnacht den einen oder anderen Abgang geben», sagt Präsident Jörg Bachmann. Und das betrifft nicht nur die Gugge, sondern auch den Vorstand. «Es braucht auch hier Verstärkung. Die Arbeit lastet auf wenigen Schultern», ergänzt Vizepräsident Dani Vögeli. Und diejenigen, die vorangehen, werden nicht jünger.
Die beiden wissen, wovon sie reden. Jörg Bachmann startet in seine 28. Saison und ist damit der «Dienstälteste» in der Wohler Gugge. Dani Vögeli wiederum ist mit seinen 61 Jahren das älteste Mitglied der Nordfäger. «Ich bin vor sechs Jahren per Zufall hier gelandet. Ein Kollege meinte: ‹Komm doch mal mit zu einer Probe›», schaut er auf seine Anfänge zurück. Obwohl eigentlich unmusikalisch («Ich hatte einst Blockflötenunterricht»), war er sofort fasziniert von den Nordfägern und schlägt heute hier die Pauke. Anders sieht es bei Bachmann aus. «Ich wollte schon als Kind in einer Gugge mitmachen. Das hat mich immer fasziniert», sagt der 51-Jährige. Inzwischen spielt er mehr als das halbe Leben bei den Nordfägern mit. «Ich bin eben etwas fanatisch. Oder gestört. Je nachdem, wie man es sieht», schmunzelt er.
Der Gugge etwas zurückgeben
Doch Bachmann ist nicht nur Mitglied, er ist seit vielen Jahren auch noch Präsident. «Die Gruppe hat mir viel Halt gegeben, als es mir im Leben schlecht ging. Jetzt will ich ihr etwas zurückgeben», erklärt er. Anderen Halt geben, das gehöre zur Philosophie der Nordfäger. Darum dürfen bei ihr auch Menschen mit einem Handicap mitmachen. Auch wenn das die musikalischen Möglichkeiten einschränkt. «Zu sehen, mit welcher Freude sie dabei sind und wie sie immer mehr Fortschritte machen, das ist einfach schön», sagt Vögeli. Und dass es ab und zu mal schräg klingt, das nehme man in Kauf. Das gelebte Miteinander, das ist bei den Nordfägern eben mehr als eine Floskel.
Bachman und Vögeli investieren viel Zeit und Energie in das Weiterbestehen der Gruppe. «Ich bin der Motor, Dani das Hirn», beschreibt der Präsident die Arbeitsaufteilung. Dani Vögeli kümmert sich um viel Organisatorisches, etwa die Guggen-Party oder die Sponsoren. Jörg Bachmann hält den «Laden» am Laufen. «Wir hatten in den letzten Jahren einige Abgänger, aber der Kern ist geblieben», sagt er. Aber ja, die Nordfäger sind kleiner als andere Guggen. Und gehen darum oft etwas vergessen. Gerade auch in Wohlen selber. «An anderen Orten schätzt man uns aber. Werden wir Jahr für Jahr wieder eingeladen», freut sich der Vizepräsident. Der Tourplan jedenfalls ist kaum kleiner als der von grossen Formationen. Und ja, beide nehmen in diesen Tagen Ferien, damit sie die närrische Zeit wirklich in vollen Zügen geniessen können.
Angefangen hat alles vor 50 Jahren in Wohlen. Aufzeichnungen gebe es keine, aber Jörg Bachmann erinnert sich an die Geschichten der Gründung, die ihm bei seinem Eintritt erzählt wurden. «Es gab offenbar eine Gruppe von 15 Freunden, die jedes Jahr am 11.11. zur Fasnachtseröffnung nach Deutschland reiste. Doch einmal konnten nicht alle mit. Da sagte sie sich: Entweder gehen alle oder keiner. Also blieben sie zu Hause. Und organisierten eine eigene Eröffnung», erzählt er. Und weil die Gruppe Stammgast war im legendären Café Nord, war der Name schnell gefunden. Das Café gibt es nicht mehr, die Nordfäger aber schon. «In meinem ersten Jahr haben wir noch im Café Nord gespielt. Nachher ging es zu», so Bachmann.
Am 7. Februar geht im Casino die Post ab
Seit ihrer Gründung eröffnen die Nordfäger am 11.11. um 11.11 Uhr die Fasnacht. Früher mit einem Sternmarsch durch die Gemeinde, später mit einem Auftritt auf der Treppe vor dem Bären. Inzwischen wurde die Eröffnung auf den Platz vor der heutigen UBS verlegt. «Der ist besser geeignet, da erreichen wir mehr Menschen», sagt Vögeli. Früher gab es am gleichen Tag später noch den Nordfäger-Ball. Weil viele aber keine Lust haben auf Fasnacht im November, wurde dieser vor einigen Jahren in die eigentliche Fasnachtszeit verlegt. Aus dem Ball wurde eine Guggen-Party im Casino. «Wir schauen, dass wir diese immer vor dem Schmudo durchführen können. Dann können wir nachher die ganze Fasnacht unbelastet feiern», verraten der Präsi und sein Vize.
In diesem Jahr soll die Party noch grösser als sonst ausfallen, schliesslich feiert man einen runden Geburtstag. Der Jubiläumsanlass mit sechs Gastguggen und DJ findet am 7. Februar im Casino statt. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. «Wir haben alle Ehemaligen eingeladen und hoffen, dass möglichst viele von ihnen kommen», erklärt Vögeli. Er ist Chef des kleinen OK, welches die Party organisiert. Auch hier wird spürbar, dass die Nordfäger eine kleine Gruppe sind und nicht alle grosse Verantwortung übernehmen können. «Der Aufwand ist gross. Aber für uns ist es eine wichtige Möglichkeit, uns im Dorf präsentieren zu können und zu beweisen, zu was eine kleine Gugge fähig ist», sagt Bachmann.
Altes bewahren, Neues wagen
Präsentiert wird zum Jubiläum ein neues Kostüm. Auch hier unterscheiden sich die Nordfäger von anderen. Es gibt kein einheitliches Outfit. «Wir haben nur den Stoff und die Farben bestimmt. Was die Einzelnen damit machen, ist ihnen überlassen», erklärt der Präsident. Das Vorgehen lasse allen die Möglichkeit, sich kreativ zu betätigen. Und trotzdem erscheine man als Einheit. Man wolle an Traditionen festhalten und immer wieder Neues wagen, betonen die beiden. «Neue Ideen bringen Schwung», ergänzt Vögeli. Das gelte auch bei der Musik. Wer Menschen mit Handicap aufnehme, könne nicht jedes Jahr sein Repertoire verändern. «Unser Ziel ist es, zwei bis drei neue Lieder einzulernen pro Jahr. Dazu bringen wir die älteren Stücke, die schon sitzen», so Bachmann. Da merke man auch immer die Fortschritte der Mitglieder. Nur eines sei nicht verhandelbar. «Monja» wird bei jedem Auftritt gespielt. «Das würde in Wohlen niemand verstehen, wenn der Song fehlt», lacht Bachmann.
Wenig Verständnis für die Verkürzung des Umzugs
Früher gab es in Wohlen mehrere Guggen. Etwa die Sport-Schränzer. Oder die Hirsche-Schnupfer. Sie alle sind verschwunden, die Nordfäger sind geblieben. Sie gehören zu Wohlen, auch wenn nur weniger Mitglieder hier wohnen. «Das macht es manchmal schwieriger, wir sind weniger vernetzt», sagt Vögeli, der selber in Wettingen lebt. Trotzdem haben sich die Nordfäger und speziell auch Jörg Bachmann immer für die gesamte Wohler Fasnacht engagiert, gehört er doch etliche Jahre dem früheren OK Wohler Fasnacht an. Damit ist der Murianer auch ein wenig Wohler Kulturpreisträger. Die Nordfäger eröffnen zudem traditionell den Strauschnitt und laufen am grossen Umzug meistens zuvorderst. So auch dieses Jahr auf der verkürzten Route. Eine Änderung, die sie wie viele andere auch, nicht verstehen. «Ich arbeite in Hochdorf. Da weiss jeder, dass man am Fasnachtsdienstag mit dem Auto nicht durchkommt», weiss er zu berichten.
Die Vorfreude auf die närrischen Tage ist bei allen Nordfägern gross. Auch bei Jörg Bachmann und Dani Vögeli. «Wir haben einfach Spass daran. Und wir sind eine lässige Gruppe», betonen sie. Und die vielen Komplimente, die sie nach Auftritten erhalten, spornen sie an, weiterzumachen. Für die Gruppe. Und für die Menschen mit einem Handicap. «Zu sehen, mit wie viel Freude sie bei uns mitmachen, das spornt an», sagt Dani Vögeli. Dafür haben die Nordfäger Respekt verdient.



