«Zur Stadt Paris» – eine Schönheit
14.04.2026 WohlenWie das wunderbare Gebäude «Zur Stadt Paris» dem heutigen «Manor» weichen musste
Am liebsten würde man sich das Warenhaus «Zur Stadt Paris» zurückwünschen. Es war einst der Blickfang an der Zentralstrasse – und ...
Wie das wunderbare Gebäude «Zur Stadt Paris» dem heutigen «Manor» weichen musste
Am liebsten würde man sich das Warenhaus «Zur Stadt Paris» zurückwünschen. Es war einst der Blickfang an der Zentralstrasse – und musste 1960 nach kurzer Lebensdauer wieder weichen.
Daniel Marti
«Manor» schliesst im ersten Quartal 2027, 21 Mitarbeitende sind davon betroffen. Diese Meldung stammt vom vergangenen März. «Manor», die grösste Warenhausgruppe der Schweiz und über 120 Jahre alt, verlässt also Wohlen. Diese Nachricht nahm man in der grössten Freiämter Gemeinde nicht so gerne zur Kenntnis. Allerdings kommen da rasch auch andere Gedanken auf. Das «Manor»-Gebäude an der Zentralstrasse gilt als nicht besonders ansehnlich, es ist ein Zweckbau aus den 60er-Jahren. Bei der Entstehung mag die Liegenschaft einigermassen modern gewesen sein, heute ist es ein Komplex ohne jeglichen Charme.
Nicht einmal 50 Jahre lang ein Blickfang
Und genau das war früher ganz anders. Beim heutigen «Manor»-Standort stand einst das Warenhaus «Zur Stadt Paris». Eben, ein Haus mit unendlich viel Charme, ein Blickfang an der Zentralstrasse. Wohlerinnen und Wohler, die sich ans Haus «Zur Stadt Paris» erinnern, wünschten sich dieses Gebäude am liebsten wieder zurück.
Das Erstaunliche: Das Warenhaus «Zur Stadt Paris» prägte das Wohler Zentrum nicht einmal 50 Jahre lang. Es war ein markantes Haus, ein mächtiges vierstöckiges Gebäude. Daneben stand das einstöckige Schuhhaus Haeny. Und gegenüber das Firmengebäude der Firma Paul Walser, heute bekannt als Streba-Haus.
Zurück zu den Anfängen des Hauses «Zur Stadt Paris»: Im Jahr 1911 wurde das Lüthy-Haus im Unterdorf (die obere Zentralstrasse hiess früher Unterdorfstrasse) an die Firma Lienhard Bernheim aus Luzern verkauft. Und die Firma Lienhard Bernheim liess dort das Warenhaus «Zur Stadt Paris» bauen. Legendär war beispielsweise auch der erste Lift in Wohlen, eben in der Liegenschaft «Zur Stadt Paris».
Für damalige Verhältnisse war es etwas Besonderes, ein grosses Sortiment unter einem Dach anbieten zu können – ähnlich wie Globus, und das in Wohlen. Kaufhäuser mit dem Namen «Zur Stadt Paris» gab es übrigens in einigen Schweizer Orten – beispielsweise in Aarau, Luzern, Brig, Interlaken und Wohlen.
Plötzlich zu klein
Dann kam die verheerende Wende. Das grosse und imposante Warenhaus «Zur Stadt Paris» war zu klein geworden. Und wurde im Jahr 1960 abgebrochen. Ein neues Hochhaus musste es sein. Der Wohler Architekt Richard Beriger plante auf dem Platz ein Haus, das noch viel grösser sein sollte als die «Stadt Paris», zudem sollten viele Wohnungen im neuen Haus Platz haben.
Die Mieter der obersten Wohnungen sollten eine Aussicht weit über Wohlen hinaus haben.
Und tatsächlich: «Das Gebäude galt damals als modern und zeitgemäss», erinnert sich Lokalhistoriker Daniel Güntert. Deswegen erhielt das neue Warenhaus auch den Namen «Modern». «Heute schätzen wir das etwas anders ein», sagt Lokalhistoriker Güntert.
Ende 1970er-Jahre wurde aus dem «Modern» der «Vilan». 1994 wurde aus «Vilan» der «Manor». Das heutige «Manor»-Gebäude sei ein typisches Beispiel der funktionalistischen Nachkriegsmoderne im ländlich-urbanen Kontext», erklärt Güntert noch. Mit Schönheit hat das heutige Gebäude nichts (mehr) zu tun. Die Schönheit und der Charme der Liegenschaft «Zur Stadt Paris» bleiben an dieser Stelle an der Zentralstrasse unerreicht – zumindest in Gedanken und auf alten Bildern.



