Zwischen Sins, Mailand und Ambri
30.01.2026 Eishockey, SportEishockeypromi aus Sins
Lars Weibel über seine Wahlheimat und den Sport
Seit rund 16 Jahren wohnt Lars Weibel mit seiner Familie in Meienberg in der Gemeinde Sins. Während er früher als Eishockey-Goalie sein Geld verdiente, ist er ...
Eishockeypromi aus Sins
Lars Weibel über seine Wahlheimat und den Sport
Seit rund 16 Jahren wohnt Lars Weibel mit seiner Familie in Meienberg in der Gemeinde Sins. Während er früher als Eishockey-Goalie sein Geld verdiente, ist er mittlerweile als Funktionär tätig. Die Olympischen Spiele und die Heim-Weltmeisterschaft warten auf seinen Einsatz als Director Sport des Schweizer Eishockeyverbands. Danach wechselt er als Sportdirektor zum HC Ambri-Piotta. Das Leben im Freiamt gibt er dafür aber nicht auf. --jl
Lars Weibel vor seinen letzten Turnieren als Director Sport des Nationalteams
Der ehemalige Eishockey-Goalie Lars Weibel lebt in Meienberg in der Gemeinde Sins. Nach der Heim-WM übernimmt er den Posten als Sportdirektor bei Ambri-Piotta, nachdem er zuvor mit dem Nationalteam an den Olympischen Spielen und an der Heim-WM im Mai teilgenommen hat.
Josip Lasic
Er war Schweizer Meister, Spengler-Cup-Sieger und Olympiateilnehmer. Lars Weibel war schon als Goalie ein grosser Name im Schweizer Eishockey. Nach dem Karriereende 2010 blieb er dem Sport treu: zunächst beim EV Zug, dann als Director Sport beim Schweizer Eishockeyverband SIHF, wo er seit sieben Jahren tätig ist. Trotz seiner Rolle in der Öffentlichkeit ist wenig bekannt, dass das Freiamt seit 16 Jahren seine Wahlheimat ist. Er wohnt mit seiner Familie in Meienberg in der Gemeinde Sins. «Ich sehe mich ehrlich gesagt nicht wirklich als prominente Person», sagt der 51-Jährige. «Diese Anonymität und die Ruhe sind etwas, das ich am Freiamt besonders schätze.»
Der Umzug nach Sins war eher ein Zufall. Von 2004 bis 2009 spielte der Goalie für den EV Zug. «Wir wohnten zunächst in Lindencham. Die Immobilienpreise im Kanton Zug waren aber enorm hoch. Also haben wir uns auch ausserhalb umgesehen und sind auf Meienberg gestossen. Es war damals deutlich günstiger, aber sehr schön und auch nah an Zug.» Mittlerweile möchten er und seine Familie die Region nicht missen. «In Meienberg fühle ich mich so, als wäre ich irgendwo in Irland. Weit ab vom Schuss, in der Natur und einer schönen Umgebung. Gleichzeitig bin ich aber in wenigen Minuten in der Zivilisation. Wir leben im Herzen der Schweiz. Jede grössere Stadt ist schnell erreichbar.»
Pendeln vom Freiamt ins Tessin
Auch der Wechsel zu Ambri-Piotta wird an Weibels Wohnort nichts ändern. «Meine Frau arbeitet als Kindergärtnerin in Sins, unsere Kinder studieren und leben noch bei uns – ein Umzug kommt daher nicht infrage», erklärt er. «Ich werde mir ein Zimmer in der Nähe von Ambri suchen, wo ich bei Bedarf übernachten kann», erklärt Weibel. «Ansonsten ist telefonieren ein sehr grosser Teil meiner Arbeit. Ob ich das im Büro erledige oder im Auto über die Freisprechanlage, spielt keine Rolle. Dadurch wird das Pendeln für mich kein Problem.»
Auf die neue Aufgabe freut sich der Wahlfreiämter enorm. «Ich bin wieder näher am Sport. Die Arbeit im Verband war wichtig und lehrreich, brachte aber auch viele administrative oder sportpolitische Aufgaben mit sich. Jetzt kann ich das Gelernte in einem Clubumfeld anwenden – und der Schritt vom Verband zum Club ist einfacher als umgekehrt.» Ambri-Piotta erlebt in den letzten Jahren ein sportliches Tief. 2019 standen die Tessiner zuletzt in den Play-offs. Diese Saison droht dem Club sogar der Gang in die Play-outs. Von dieser Situation lässt sich Weibel allerdings nicht beunruhigen. «Ich bin als Goalie zu Lugano gegangen, als sie im hinteren Bereich der Tabelle waren, und habe den Verein als Schweizer Meister verlassen. Dasselbe bei Davos. Auch das Nationalteam war bei meinem Start nur die Nummer acht der Welt und ist aktuell die Nummer zwei. Ich mag die Herausforderung und möchte mit einem funktionierenden Team etwas bewegen.»
Zwei letzte Tänze mit der Nati
Noch ist es aber nicht so weit. Bevor Weibel im Sommer zu Ambri-Piotta wechselt, stehen mit dem Nationalteam noch zwei grosse Aufgaben an: die Olympischen Spiele in Cortina und Mailand sowie die Heim-WM in der Schweiz. Seit 2019 ist er als Director Sport tätig. Er ist unter anderem verantwortlich für alle Nationalteams der Frauen und Männer sowie für den Nachwuchs. Zu seinen Aufgaben gehören unter anderem die Wahl und Abberufung aller Coaches sämtlicher Nationalmannschaften, die Planung des Spielplans und der Termine sowie die Entwicklung der Nachwuchsstrategie im Talentbereich. «Natürlich mache ich das nicht allein», betont er. «Ich habe das Glück, im Verband mit vielen ausgezeichneten und engagierten Mitarbeitenden zusammenzuarbeiten, die mich ausgezeichnet unterstützen. Zugleich vertrete ich die Organisation auf nationaler und internationaler Ebene und leite die gesamte Abteilung mit allen Senior Managers.»
Bis dato hat Weibel in diesem Amt fünf Weltmeisterschaften und ein Olympiaturnier erlebt. Besonders die letzten beiden WMs waren mit je einer Silbermedaille ein grosser Erfolg. Die Olympischen Spiele in Peking hingegen waren von der Coronapandemie und den strengen Massnahmen in China geprägt – eine Herausforderung für das gesamte Staff-Team. «Ich bin aber sehr dankbar für diese Erfahrung», erklärt er, der 2002 selbst als Spieler in Salt Lake City dabei war. «Wir waren von Anfang an im Krisenmanagementmodus in Peking. Ich konnte dabei extrem viel lernen.» Dass die Spiele in Mailand und Cortina seine ersten in Europa sind, ist für ihn nebensächlich. «Wir sind nicht mit dem Fotoapparat als Touristen dort, sondern um zu arbeiten und zu performen. Der Staff tritt dann in Erscheinung, wenn etwas nicht funktioniert. Es geht darum, den Spielern die besten Bedingungen zu schaffen. Schön ist einfach, dass diesmal auch Leute aus dem eigenen Umfeld dabei sein können.»
Dass der Staff meist nur dann auffällt, wenn etwas schiefläuft, stört Weibel nicht: «Das weiss man, wenn man diesen Job übernimmt. Ich hatte ausserdem das Glück, Olympia auch als Spieler zu erleben. Aber im Nationalteam herrscht ohnehin eine unglaubliche Wertschätzung untereinander. Egal ob Spieler oder Staff: Alle fühlen sich als Teil des Ganzen.» Und so will das Team auch bei Weibels letzten beiden Turnieren auftreten. Die Weltmeisterschaft in der Schweiz wird für ihn etwas Besonderes. «Nach zweimaligem Silber geht man nicht als Aussenseiter ins Turnier. Wir sind überzeugt, dass wir gut Eishockey spielen können, und werden mit dieser Überzeugung auch ins Turnier gehen.» Bei Olympia wird es schwieriger, weil alle Topstars dabei sein werden. Doch auch dort bleibt er kämpferisch. «Ich würde es dem ganzen Land gönnen, wenn unsere kleine Schweiz mal bei so einem Anlass ganz vorne stehen könnte.» Wenn er sich vor dem Wechsel zu Ambri-Piotta noch eine Goldmedaille von der Heim-Weltmeisterschaft und vielleicht noch eine Olympiamedaille in sein Haus in Meienberg hängen könnte, wäre das der perfekte Abschluss seiner Zeit im Verband.
Lars Weibels Spielerkarriere
1989–1992 Rapperswil-Jona
1992–1993 EHC Biel
1993–2000 HC Lugano
2000–2004 HC Davos
2004–2009 EV Zug
2009–2010 Kölner Haie
Lars Weibel war über 20 Jahre lang Profi-Torhüter. 1994 wurde er von den Chicago Blackhawks in der 10. Runde gedraftet. Während seiner aktiven Zeit bestritt er 44 Spiele für die Schweizer Nationalmannschaft. Er wurde 1999 mit dem HC Lugano und 2002 mit dem HC Davos Schweizer Meister. Mit Davos gewann er zudem zweimal den Spengler-Cup. Dreimal erhielt er die Jacques-Plante-Trophy als bester Torhüter der Nationalliga.


