Martin Rüfenacht, Jurist und Krimiautor, Aristau.
Die Welt im Kleinen
Seit der Coronapandemie erlebt die Schweiz einen regelrechten Camping-Boom. Das stellte sich als ungünstig für uns heraus, als ...
Martin Rüfenacht, Jurist und Krimiautor, Aristau.
Die Welt im Kleinen
Seit der Coronapandemie erlebt die Schweiz einen regelrechten Camping-Boom. Das stellte sich als ungünstig für uns heraus, als wir Anfang Sommer in den Familienkalender schauten und erfreut feststellten, dass es in den nächsten zwei Monaten tatsächlich ein Wochenende gibt, an dem noch keine Termine eingetragen sind. Völlig geflasht von dieser wundersamen Erkenntnis machten wir uns sogleich daran, einen Campingplatz zu suchen, den wir mit unserem mobilen Heim besuchen konnten.
Die Ernüchterung folgte auf dem Fusse: Es liess sich einfach nichts Passendes finden. Entweder waren unsere Ansprüche zu hoch – ja, es darf durchaus eine Einzelkabine in der Dusche sein – oder alle anderen waren beim Buchen schneller als wir.
Nach ein paar Tagen und etlichen Versuchen klappte es dann doch noch: In Interlaken war noch etwas frei. Warum nicht, sagten wir uns: Etwas frische Luft in den Bergen konnte schliesslich nicht schaden. Der Platz lag natürlich nicht am schönen Brienzer- oder Thunersee, sondern etwas abseits zwischen Fluss und Steilwand. Ansonsten gab aber nichts zu Klagen Anlass.
Auf Campingplätzen kennen wir uns aus und wir haben schon vieles gesehen. Aber ein derart internationales Publikum hatten wir noch nie. Von Ost bis West war gefühlt jedes Land irgendwie vertreten. Interessant waren auch die unterschiedlichen Ansichten, wie Camping zu funktionieren habe. Das begann bei der Entsorgung (nein, die Glasflaschen gehören nicht in den Hausmüll) über das Geschirrspülen (vielleicht benutzen Sie besser nicht den Chemie-Toiletten-Ausguss für Ihren Abwasch) bis hin zur Organisation des persönlichen Lagerraums (bitte lassen Sie den Kindern den Tischtennistisch doch zum Spielen, Ihre Isomatte trocknen Sie lieber woanders).
Ja, es gab kleine Auseinandersetzungen und Meinungsverschiedenheiten, aber alle haben den Rank mit etwas Verständnis und ein bisschen Aufeinanderzugehen leicht gefunden.
Es war ein schönes und friedliches Wochenende. Und bei mir reifte die Erkenntnis, dass man den Campingplatz doch als Modell für unseren Planeten nehmen könnte. Dann besteht immer noch Hoffnung auf ein friedliches Zusammenleben. Es geht doch!