CHLOSCHTERGEISCHT
09.01.2026 Muri, KolumneTrotz blauem Himmel war es kalt am Apéro zum Jahresanfang vor der Murianer Klosterkirche. Die Sonne hatte sich bereits hinter den Fassaden des Alterswohnheims St. Martin und des Egenterhauses ennet der Marktstrasse abgesenkt. Was die Idee zur Sprache brachte, die beiden Bauten im ...
Trotz blauem Himmel war es kalt am Apéro zum Jahresanfang vor der Murianer Klosterkirche. Die Sonne hatte sich bereits hinter den Fassaden des Alterswohnheims St. Martin und des Egenterhauses ennet der Marktstrasse abgesenkt. Was die Idee zur Sprache brachte, die beiden Bauten im Sinne einer optimalen Besonnung rechtzeitig vor dem nächsten Neujahrsapéro abzureissen. Und bevor sich jetzt Entsetzen verbreitet: Der Vorschlag war natürlich nicht ernst gemeint, sondern sollte der allgemeinen Erheiterung dienen. Ziel erreicht.
Nicht zu viel sagen – so weit der Vorsatz von Gemeindepräsident Hans-Peter Budmiger. Drei Themen habe er in seiner Rede zum Jahresbeginn ursprünglich ansprechen wollen. Neun seien es schliesslich geworden. «Differänz sächs», würde Gottfried «Göpf» Egg, 2010 verstorbene Jass-Koryphäe des Schweizer Fernsehens, trocken bilanzieren. Oder: Grenzwert um 200 Prozent überschritten. Budmiger findet nochmals einen anderen mathematischen Ansatz: Statt über neun – «das tönt nach viel» –, referierte er deshalb «nur» über 3 x 3 Themen. Und tatsächlich gestaltete sich die Ansprache kurzweilig.
Früher sprach man von Waschweibern, die alles über das Dorf wussten. Doch hört man dem scheidenden Präsidenten der Steuerkommission zu, musste, wer zu früheren Zeiten Mitglied in der Steuerkommission war, auch solche Qualitäten haben. Denn wie Stierli erklärt, wurde damals Steuererklärung für Steuererklärung durchgearbeitet und eingeschätzt: Passt der Lebensstil zur eingereichten Steuererklärung?
Dafür musste man notabene die Bewohner kennen. Ob es damals auch so zu- und herging wie im Bundesrat, es durften nicht alle aus der gleichen Ecke kommen. Man musste ja das ganze Gemeindegebiet abdecken. Und noch eines ist anders als bei den Waschweibern, die Mitglieder waren verschwiegen.
Den Jahreswechsel nehmen nicht wenige Leute zum Anlass, mal auszumisten. Am Neujahrsapéro Boswil wurde klar, dass das nicht alle tun – aus unterschiedlichen Gründen. Gemeindeammann Michael Weber ist ein Sammler, von «Asterix und Obelix»-Büchern bis zu Unterlagsscheiben. Vor seiner Sammellust scheint kaum etwas sicher zu sein. Und auch die «Merry Sisters» greifen gerne in die Antiquitäten-Kiste. Der Chor aus Zufikon sorgte am Neujahrsapéro für die musikalische Unterhaltung. Und mit seinen bunten und schrillen Kostümen für den Farbklecks. Präsidentin Monika Benz meinte spontan: «Dürfen wir Ihre Adresse wissen, Herr Gemeindeammann?» Wenn Requisiten für das Bühnenbild fehlten, würden sie bei ihm sicher fündig.
Die «Merry Sisters» holten das Boswiler Publikum mit bekannten Melodien («Io senza te») und mit viel Humor ab. Für Lacher sorgte aber auch der Gemeindeammann. Und nicht nur wegen seiner aussergewöhnlichen Sammelleidenschaften. «Zwölf Blätter à 30 Sekunden», kündigte er an. So lange daure seine Neujahrsansprache. Eine Angabe, um die vor allem die Sängerinnen froh waren. «Weil sie auch schon 30 Minuten auf der Bühne stehen mussten, als jemand eine Ansprache hielt. Das passiert heute sicher nicht.» Weber sollte recht behalten, sodass es nach seiner Ansprache und dem «Merry Sisters»-Gesang zeitig zum Anstossen überging. --tst, vaw, ake
