CHLOSCHTERGEISCHT
23.01.2026 Muri, KolumneDass der Strassenverkehr eine der grossen Herausforderungen in Muri ist, wird jeden Tag zu den Stosszeiten deutlich spürbar. Vor allem im Zentrum, bei den vier Zufahrten zum Kreisel. Nun erheben sich Stimmen aus dem Hasli und betonen, dass auch dort der Strassenverkehr ein grosses ...
Dass der Strassenverkehr eine der grossen Herausforderungen in Muri ist, wird jeden Tag zu den Stosszeiten deutlich spürbar. Vor allem im Zentrum, bei den vier Zufahrten zum Kreisel. Nun erheben sich Stimmen aus dem Hasli und betonen, dass auch dort der Strassenverkehr ein grosses Problem sei. «Mit der Sanierung der SBB-Unterführung erst recht an der Zürcherstrasse. Es herrscht das absolute Desaster», halten sie im offenen Brief an den Murianer Gemeinderat fest. Noch mehr Automobilisten weichen via Weiler aus. Ein Besuch vor Ort zeigts deutlich. Um ein Bild zu schiessen, auf dem die Autos aneinander vorbeizwängen und fürs Queren ausweichen müssen, muss man keine einzige Minute warten. Eines der E-Mails von Christine Meyer erreicht die Redaktion schon um 5.27 Uhr. «Ich bin schon wach. Vorbeibrausende Autos haben mich geweckt.»
Auf dem Sagenweg in Waltenschwil bestiegen Interessierte mit Historiker Josef Kunz die Zeitmaschine. Über 300 Jahre ging es zurück – in die Zeit der Villmerger Kriege, in die Zeit, als die Menschen wegen der Religion zu den Waffen griffen. Natürlich ging Kunz in seinen Erläuterungen noch weiter zurück. Bis zu Heinrich Bullinger, der 1504 in Bremgarten geboren wurde. «Einer der grössten Reformatoren der Schweiz», weiss Kunz. Und Sohn eines katholischen Pfarrers. «Ja, das gabs schon damals.» Bullinger ist der grosse Nachfolger Zwinglis. Über 12 000 Briefe schrieb er an die Herrscher in ganz Europa, 7000 seiner Predigten sind noch heute erhalten.
Kunz nahm das Publikum nicht nur mit in die Geschichte der Region, des Glaubens, sondern baute auch Spannendes zur Sprachherkunft ein. Woher das Wort Plunder kommt? Von Plünderungen. «Die Protestanten nahmen bei ihrem Rückzug nach dem kurzen ersten Villmerger Krieg alles mit, was ihnen in die Hände kam. Auch Wertloses.» So ist aus Plünderung Plunder entstanden. Spannend.
Aufregung gabs am Wochenende in Buttwil. Auf dem Briefkasten von SVP-Grossrätin Nicole Heggli-Boder war ein Flugblatt deponiert, das «Halal am Mittagstisch – für uns alle» fordert. Natürlich stiess diese Forderung bei Heggli-Boder auf wenig Verständnis und löste grosse Verärgerung aus. «Jetzt reichts aber», kommentierte sie das Flugblatt. Nach wenigen Tagen ist klar, dass es eine reine Provokation war. Dahinter stecken Jugendliche, die anonym bleiben wollen. Sie trafen sich bei jemandem zu Hause und sahen Hegglis TikTok-Beitrag zu einem Halal-Fitnessstudio. «Wir wollten provozieren», sagt einer der Jugendlichen am Telefon. Dass sich die Grossrätin auch auf TikTok über den angeblichen Halal-Mittagstisch aufregt, das ist zwar nicht geglückt. Aber Wellen hat es geworfen. Die Jugendlichen betonen übrigens, dass sie weder einer Partei angehören, noch sonst politisch aktiv seien. Viele lachen über die Aktion. Die Provozierte selbst findet es weniger lustig.
Annemarie Keusch

