TRIBÜNENGEFLÜSTER
13.02.2026 Sport, Kolumne«Fühlt den Rhythmus, fühlt die Musik, dieser Bob fährt uns zum Sieg.» Der Film «Cool Runnings» ist Kult. Darin wird die (wahre) Geschichte der jamaikanischen Bobteams an den Olympischen Spielen 1988 in Calgary erzählt. 2026 in Cortina ist Jamaika wieder ...
«Fühlt den Rhythmus, fühlt die Musik, dieser Bob fährt uns zum Sieg.» Der Film «Cool Runnings» ist Kult. Darin wird die (wahre) Geschichte der jamaikanischen Bobteams an den Olympischen Spielen 1988 in Calgary erzählt. 2026 in Cortina ist Jamaika wieder mit dabei, hat sich Startplätze im Frauen-Monobob sowie im Zweier- und Viererbob der Männer gesichert. Der internationale Bobverband attestiert Jamaika, «eine der konstantesten tropischen Nationen im Wintersport» zu sein. Auch wenn jetzt viele lächeln, diese Jamaikaner sind gar nicht mal so schlecht. Schon 2014, 2018 und 2022 waren sie an Olympia dabei. Der ikonische Satz aus dem Film: «Das geht über eure Vorstellungskraft, Jamaika hat eine Bob-Mannschaft», ist also veraltet. Und: Die Saison 2025/2026 ist für den Karibikstaat historisch. Der Viererbob von Jamaika feierte in Whistler den ersten Sieg für das Land überhaupt beim North American Cup. Seitdem standen sie siebenmal auf dem Podium. Die Freiämter Bobpilotin Melanie Hasler hat ebenfalls Wurzeln in der Karibik (ihre Mutter stammt aus der Dominikanischen Republik). Im Monobob-Wettkampf (am Sonntag und Montag) träumt die Berikerin von einer Medaille. In jenem Wettbewerb startet auch die Jamaikanerin Mica Moore. Hasler sagt zu diesem Thema: «Der Film ‹Cool Runnings› hat mir sehr gefallen. Und es ist sehr cool, dass die Jamaikaner an den Olympischen Winterspielen dabei sind.» Die Sportredaktion drückt der Jamaikanerin und Melanie Hasler die Daumen.
Olympia schreibt viele Geschichten von tollen Siegen und emotionalen Medaillengewinnen. Doch es gibt auch viele Nebenschauplätze bei diesem Weltereignis. Oft spielt die politische Weltlage dabei eine Rolle. Beispiel 1: Hunter Hess, ein Ski-Freestyler aus den USA, sagte an einer Pressekonferenz: «Es erzeugt in mir gemischte Gefühle, die USA aktuell zu vertreten. Nur weil ich die US-Flagge trage, bedeutet das nicht, dass ich für alles stehe, was gerade in den USA passiert.» Die Antwort eines (Trump-nahen) US-Politikers kam sofort in den sozialen Medien: «Sei still und geh im Schnee spielen.» Beispiel 2: Der ukrainische Athlet Wladislaw Heraskewytsch ist wegen eines Gedenkhelms mit Porträts von im Krieg getöteten Sportlern seines Landes von den Olympischen Winterspielen disqualifiziert worden. IOC-Präsidentin Kirsty Coventry suchte noch persönlich das Gespräch mit dem Athleten – ohne Erfolg. Der Ukrainer beharrte auf seinem Entscheid und wollte den Helm tragen. Das IOC sah darin einen Verstoss gegen die olympische Charta, die Meinungsäusserungen unter anderem auf dem Spielfeld untersagt. «Die Herausforderung bestand darin, eine Lösung für den Wettkampfbereich zu finden. Leider ist es uns nicht gelungen, diese Lösung zu finden», erklärte Coventry, die mit den Tränen kämpfte.
Ein amüsantes Beispiel eines Nebenschauplatzes liefert der norwegische Biathlet Sturla Holm Lægreid. Live, vor laufenden Kameras, erklärte er, dass er vor drei Monaten seine Freundin (mit der er vor sechs Monaten zusammenkam) betrogen hat. Der Seitensprung sei besonders tragisch, weil es sich bei der von ihm Hintergangenen um «die Liebe meines Lebens» handele, wie er erklärt. Sie sei der «schönste und wunderbarste Mensch der Welt». Ob es nun spannend ist, zu wissen, wer mit wem in der Langlaufloipe rummacht, darf jeder für sich entscheiden.
Stefan Sprenger
