Wenn der Ball nicht reinwill
10.03.2026 Sport, Fussball1. Liga classic: FC Wohlen – Zug 94 1:1 (1:1)
Der FC Wohlen macht gegen Zug sehr viel richtig. Belohnen können sich die Freiämter dafür nicht. Eine Unachtsamkeit in der Abwehr und zahlreiche verpasste Torchancen führen dazu, dass es nur einen ...
1. Liga classic: FC Wohlen – Zug 94 1:1 (1:1)
Der FC Wohlen macht gegen Zug sehr viel richtig. Belohnen können sich die Freiämter dafür nicht. Eine Unachtsamkeit in der Abwehr und zahlreiche verpasste Torchancen führen dazu, dass es nur einen Punkt für den FCW gibt.
Josip Lasic
Mit der letzten Aktion des Spiels kommt Wohlens Noel Romano noch einmal zum Abschluss. Der Ball landet genau in den Armen von Zug-Goalie Matthias Grob. Ein passendes Ende für die Partie. Die Gastgeber hatten unzählige Möglichkeiten. Torwart, Abwehrspieler, Pfosten, Latte oder das eigene Unvermögen – stets verhinderte etwas, dass das Runde ins Eckige geht. Mit Ausnahme der 14. Minute. Nach einem Foul an Bijan Dalvand verwandelt Goalgetter Dramane Sissoko einen Penalty zur Wohler Führung. Und selbst dieser Ball steht irgendwie symbolisch für das ganze Spiel. Grob ist an Sissokos Schuss dran, ehe dieser mit Müh und Not noch ins Tor kullert.
Dieser Treffer hätte aber reichen können, wenn der FCW nicht gleich im Gegenzug den Ausgleich kassiert hätte. «Wir sind da unkonzentriert», sagt Mittelfeld-Routinier Nicola Peter. «Es ist ihre erste und bis zum Spielende auch fast einzige Torchance. Und wir kassieren das 1:1. Danach probieren wir es immer wieder. Aber es gelingt uns einfach nicht mehr, ein Tor zu erzielen.» Peter ist wie seine Teamkollegen nach dem Spiel frustriert. Der 31-Jährige ist sich bewusst, dass Wohlen insgesamt das bessere Team war. «Das waren wir vor einer Woche bei der Niederlage gegen Münsingen auch. Was bringt uns das, wenn wir keine Punkte holen? Wir müssen mehr Tore erzielen und vor allem auch nicht so einfache Gegentreffer zulassen.» Im Gegensatz zum Münsingen-Spiel konnte der FCW diesmal zumindest ein Unentschieden mitnehmen. Zug wurde zwar selten aus dem Spiel heraus gefährlich, hatte aber gegen Ende der Partie einige Standard-Situationen, nach denen ein Lucky Punch hätte fallen können. «Ja, natürlich ist ein Punkt besser als gar keiner. Aber jetzt hatten wir ein Heimspiel. Und gemessen daran und wie das Ganze lief, können wir damit nicht zufrieden sein.»
Mehr als nur ein schlechter Tag
Der Frust der Wohler ist nachvollziehbar. Denn insgesamt hat die Mannschaft keinen schlechten Eindruck hinterlassen. Kampfgeist und Laufbereitschaft waren da. Besonders herausgestochen ist da in der ersten Halbzeit Winterneuzugang Pren Gjini. Der 20-Jährige, der von Kosova Zürich kam, spielte auf dem rechten Flügel, ging giftig in die Zweikämpfe und deutete defensiv wie offensiv Qualitäten an. Spielerisch konnten sich die Wohler zahlreiche Torchancen erarbeiten. Defensiv erledigte das Innenverteidiger-Duo Noah Jappert und Santiago Brunner in Abwesenheit von Captain Alban Pnishi einen guten Job. Nach den Auswechslungen, die Trainer Piu vornahm, war auch kein Leistungsabfall zu sehen. Und von all dem kann sich die Mannschaft am Ende nichts kaufen, weil die Tore fehlten.
Selbst Stürmer Dramane Sissoko, der seine Torjägerqualitäten im FCW-Dress schon mehrfach bewiesen hat, tat sich ausserordentlich schwer. Ein Distanzschuss in der ersten Hälfte verpasste knapp das Tor. Kurz vor der Pause erwischte er den Ball mit dem Kopf nicht richtig. Und zu Beginn der zweiten Hälfte hatte er seine wohl aussichtsreichste Möglichkeit. Der Ball landete im Strafraum bei ihm. Sissoko konnte ihn sich mit der Brust zurechtlegen – und beförderte den Abschluss dann neben das Tor. War es vielleicht einfach ein schlechter Tag der Wohler? «Das ist mir als Erklärung zu einfach», sagt Peter. «Denn es ist nicht das erste Mal, dass wir Probleme im Abschluss haben. Ich glaube, wir müssen im Training anfangen, stärker an der Entschlossenheit im Abschluss zu arbeiten. Und zwar alle Spieler, nicht nur der Stürmer. Flügel, Mittelfeldspieler, wir sind alle gefragt. Der Wille muss da sein, den Ball ins Tor zu bringen.»
So bleiben aus Wohler Sicht gemischte Gefühle zurück nach dem Spiel. Die Mannschaft hat sehr viel richtig gemacht und gezeigt, dass Potenzial vorhanden ist. Doch ohne Tore ist es schwierig, Punkte einzufahren. Ändert sich das in den nächsten Spielen zum Besseren, können die Freiämter nach wie vor eine gute Saison spielen. Andernfalls drohen weitere Spiele, die ein «Was wäre, wenn»-Gefühl hinterlassen. Am nächsten Samstag, 17 Uhr, im Heimspiel gegen Besa Biel, bietet sich die nächste Gelegenheit, mehr Effizienz zu beweisen.
«Selbst kann ich die Tore nicht mehr machen»
Trainer und Sportchef balancieren zwischen Frust und Optimismus
Eigentlich hätte Wohlen-Trainer Piu viel Gutes über den Auftritt seiner Mannschaft zu sagen. Doch der Ärger über die mangelhafte Chancenausbeute und den verpassten Sieg überwiegt. «Es sind zwei verlorene Punkte. Ich bin frustriert.» Der ehemalige Stürmer ergänzt: «Selbst kann ich die Tore nicht mehr machen. Vielleicht müssen wir darauf hoffen, dass der Gegner Eigentore erzielt. Wir hatten in diesem Spiel so viele Chancen wie vermutlich in keiner anderen Partie dieser Saison. Und wir treffen nur einmal und holen nur ein Unentschieden. Direkt nach so einem Spiel fehlen mir die Worte. Der Frust ist zu gross.» Danach versucht der Trainer trotzdem die positiven Dinge hervorzuheben. «Vergangene Woche gegen Münsingen haben wir ein Spiel verloren, in dem wir kaum eine Torchance hatten. Dort habe ich mich in erster Linie darüber geärgert, dass wir keinen richtigen Fussball gespielt haben. Das war jetzt eine deutliche Steigerung. Spielerisch war das gut.
Der Einsatz hat auch gepasst. Wir haben letzte Woche im Training gut gearbeitet und arbeiten jetzt genauso weiter. Und dann hoffen wir, dass wir gegen Besa Biel den Ball wieder über die Linie bringen.»
Auch Sportchef Sergio Colacino versucht den Fokus auf das Positive zu rücken. «Es war okay. Es war ein gutes Spiel von uns. Wir waren die aktivere Mannschaft. Es gibt Tage, da will der Ball einfach nicht ins Tor», sagt er. «Da ärgert mich eine Niederlage wie gegen Münsingen mehr, weil dort der Gesamteindruck von uns nicht der beste war. Auf dem jetzt lässt sich aufbauen.» Für Wohlen scheint es vernünftig, den Mittelweg zu gehen, den Trainer und Sportchef einschlagen. Der Frust ist berechtigt. Mit der Tor- und Punktausbeute dürfen die Freiämter nicht zufrieden sein. Ärger allein bringt die Mannschaft aber nicht weiter. Sie sollten das Positive mitnehmen und an den Dingen, die nicht funktionieren, weiterarbeiten. --jl

