Für ein noch besseres Kinoerlebnis
28.02.2025 Region Oberfreiamt, SinsKino Sins vor dem Neustart
Lichter aus am bisherigen Standort am Sonntag
Diese Woche bietet sich die letzte Gelegenheit, im Cinepol an der Bahnhofstrasse einen Film zu schauen.
Wehmut verspüre er zu keiner Sekunde, sagt Bruno ...
Kino Sins vor dem Neustart
Lichter aus am bisherigen Standort am Sonntag
Diese Woche bietet sich die letzte Gelegenheit, im Cinepol an der Bahnhofstrasse einen Film zu schauen.
Wehmut verspüre er zu keiner Sekunde, sagt Bruno Arnold. Zu gross ist die Vorfreude auf das neue Kino im Kulturbau Küngsmatt. Ein Projekt, mit dem er sich schon seit sechs Jahren beschäftigt, erst visuell und virtuell, mittlerweile auch ganz direkt mit den Händen. Im Innenausbau macht der gelernte Schreiner nämlich so viel wie möglich selbst. Bis Ende April soll alles fertig sein – und vieles besser als am bestehenden Standort. --tst
Cinepol in Sins nutzt den Umzug in den Kulturbau, um bezüglich Bild, Klang und Zusatzangebot aufzurüsten
Ende April soll er losgehen, der Kinobetrieb im neuen Kulturbau Küngsmatt. Bis dahin bleibt noch einiges zu tun. Die Cineasten der Region dürfen sich auf grosse Weiterentwicklungen freuen.
Thomas Stöckli
Am Sonntag bietet sich die letzte Gelegenheit, im Cinepol an der Bahnhofstrasse einen Film anzuschauen. Dann schliesst das Kino. Um zwei Monate später im Kulturbau Küngsmatt neben dem Gemeindehaus wiedereröffnet zu werden. Dort läuft inzwischen der Innenausbau auf Hochtouren. Im kleinsten Saal sind die Wände und die Decke bereits bespannt. Es fehlen nur noch Lautsprecher und Leinwand sowie Teppich und Bestuhlung. Bevor der Ausbau weitergeht, sind hier erstmal alle Stühle eingelagert. 330 sind es – ein Drittel mehr als am bisherigen Standort. Neu wird jeder Saal in einer anderen Farbe bestuhlt.
Die beiden kleineren der insgesamt vier Säle sind auf das Flat-Bildformat ausgerichtet, in welchem üblicherweise Dokumentationen gedreht werden, die beiden grossen in Cinemascope. Bezüglich Ton ist alles bereit für Dolby Atmos, das sich mit einem besonders immersiven und dreidimensionalen Klangerlebnis auszeichnet, allerdings auch 40 000 Franken mehr kostet. Deshalb könne es gut sein, dass dieses Upgrade noch um ein Jahr verschoben wird. «Wir haben uns noch nicht definitiv entschieden», so Kinobetreiber Bruno Arnold.
Beeindruckende Akustik
Über 128 Sitzplätze verfügt der grösste Saal B. Das sind 27 mehr als im grössten Saal am bisherigen Standort. Weshalb nicht noch grösser? «Ein 250er-Saal wäre super cool», sagt Arnold, relativiert aber sogleich: «Wenn da mal nur zehn Leute drinsitzen, wirkt das wie tot.» Schliesslich gehöre das Gruppen-Feeling zum Kinoerlebnis dazu. Und der Bereich von 50 bis 130 Sitzen sei für ein Landkino ideal. «Wenn das Kino voll ist, dann sagen wir ‹Juhe!› und zeigen den Film gerne nochmals», so der Kinobetreiber. Und wenn ein Film mit besonderer Anziehungskraft anstehe, könne man diesen auch in verschiedenen Sälen zeigen. «Wenn ‹James Bond› anläuft, interessiert sonst nichts», weiss Arnold aus Erfahrung. In so einem Fall könne man den gleichen Film auch zeitversetzt in allen vier Sälen laufen lassen.
Beim Besuch dieser Zeitung laufen die Arbeiten grad im Saal A, der mit 80 Sitzplätzen der zweitgrösste wird. «Noch heute Abend werden hier die Wände weiss sein», sagt Bruno Arnold. Will heissen: Die feuerhemmenden Akustikvliese werden montiert sein. Für eine präzise Akustik ist es wichtig, dass im Kinosaal kein Echo zurückgeworfen wird, also die Schallwellen direkt vom Lautsprecher aufs Ohr gehen und ansonsten von der Wand geschluckt werden. Anschliessend kommt die schwarze Bespannung darüber, welche im verdunkelten Saal auch optische Reize schluckt und so voll ins Filmgeschehen eintauchen lässt.
Bau nach Tagesprogramm
Die Kinogänger werden das Cinepol künftig durch den südseitigen Haupteingang betreten. Dann geht es die Treppe hinunter zur Lounge – «sehen und gesehen werden ist nach wie vor wichtig» – und zu den Bezahl-Terminals. Mit einem Inhouse-Zahlungssystem sollen die teuren Kosten der Finanzdienstleister wie Twint reduziert werden. «Mit dem Geld, das wir da sparen, können wir einen Studi als zusätzlichen Mitarbeiter einstellen», so Arnold. Links schliesst sich dann die Treppe an, die zu den Sälen – links A und B, rechts C und D – sowie einem Eventbereich für 20, 30 Leute hinaufführt, rechts folgen die sanitären Anlagen und der Barbereich. Zu diesem gehört eine eigene Popcorn-Küche mit Industriemaschine. «Wir müssen die Kapazität auf die erhöhte Anzahl Sitzplätze anpassen», so Arnold. Der Bartresen ist eine Cinepol-Eigenkonstruktion – zumindest im Sichtbereich.
Am letzten April-Wochenende will das Sinser Kino den Betrieb am neuen Standort aufnehmen. «Vielleicht wird es auch Mai», nimmt Bruno Arnold den Druck raus. An Arbeit wird es bis dahin nicht mangeln, die kontinuierlichen Fortschritte stimmen ihn dennoch zuversichtlich. Schon jetzt wird bei jeder Gelegenheit in den Sälen geschuftet, ab dem 4. März bis zur Eröffnung herrscht dann täglich Vollbetrieb. Abends hängt der gelernte Schreiner noch eine Stunde in den Vorräumen an.
Abends sei er jeweils schon kaputt, gibt Bruno Arnold unumwunden zu. «Müde, aber auch zufrieden», präzisiert er. Als Voraussetzung für die Zufriedenheit nennt er die Tagesplanung mit erreichbaren Zielen, die Erfolgserlebnisse ermöglicht, die Kräfte nicht überbeansprucht und doch kontinuierlich der Fertigstellung entgegenführt.
Bob Dylan zum Abschluss
Anfang nächster Woche kommt der Treppenbauer für die Verbindung zwischen Kassenterminals und Sälen, Ende Woche dann der Plättlileger für die Sanitären Anlagen. Bis Ende März sollen die Säle so weit sein, dass nur noch die Bodenbeläge und Stühle fehlen. Auf die Böden kommen Teppich-Vlies-Platten, wie sie in der Elbphilharmonie in Hamburg verbaut wurden. Im Premium-Saal C, dem kleinsten, der für die Cineasten mit besonderen Annehmlichkeiten wie doppelten Armlehnen ausgestattet wird, ist ein besonders feiner Teppich vorgesehen. «Das fühlt sich so wie zu Hause an, dass die Leute ihre Schuhe ausziehen werden», sagt Arnold und grinst.
Ab Anfang April wirken dann die Techniker. Alle Steuerungen müssen neu aufgesetzt werden. «Das ist sehr komplex und wird noch einiges an Arbeit geben, bis alles richtig miteinander kommuniziert.» Dafür wird das Cinepol dann technisch auf dem modernsten Stand sein. Das ermöglicht etwa, künftig auch alternative Inhalte auf die Leinwand zu bringen. Zum Beispiel könne man so Regisseure für eine Fragerunde auf die Leinwand zuschalten. «Das gibt einen komplett neuen Zugang zum Film», so Bruno Arnold.
An der Bahnhofstrasse endet derweil ein Stück Oberfreiämter Kinogeschichte. Wobei Bruno Arnold dem bisherigen Standort keine Träne nachweint: «Ein Kino muss sich immer weiterentwickeln und den Publikumswünschen anpassen», ist er überzeugt.Und doch hat auch für ihn der letzte Film, der gezeigt wird, eine besondere Bedeutung. Am Sonntag um 17.30 Uhr läuft im Saal 2 nämlich «Like A Complete Unknown», die Filmbiografie über den kometenhaften Aufstieg des legendären US-Folksängers Bob Dylan, der in den 1960ern zu einer weltweiten Sensation avancierte. «Diesen unglaublich schönen Film hätten wir eigentlich gerne zum Start am neuen Ort gezeigt», so Bruno Anold, «er eignet sich aber auch perfekt als Abschluss.»
Open-Air-Kino und andere Pläne
«Ein Kino zu bauen ist interessanter, als ein Kino zu betreiben», sagt Bruno Arnold. Mit dem Umzug an den neuen Standort erfahren er und Jsabelle Arnold Entlastung in ihrer Funktion als Geschäftsführung. Will heissen: Es kommt mit Matthias Hunziker noch eine dritte Person dazu. Dadurch entstehe auch Freiraum, Projekte zu verfolgen, die seit Jahren in der Schublade lagern.
«Stillstand ist Rückschritt», haben sich Arnolds zum Leitspruch gemacht. Neu wird das Cinepol ab kommendem Sommer auch ein Open-Air-Kino betreiben. Auf der Wiese am östlichen Seitenausgang des Kulturbaus werden 150 bis 200 Leute Platz finden. Im Stil einer «Silent Disco» geht der Ton dort direkt auf Kopfhörer. Das entlastet nicht nur die Anwohner von Lärmemissionen, sondern schirmt auch den Strassenlärm ab. Bei schlechtem Wetter könne man den Film dann auch einfach drinnen zeigen.
In zwei Jahren planen die Kinobetreiber, ihren zweiten Standort in Stans abzugeben. Und mittelfristig schwebt Bruno Arnold vor, die Expertise aus seinem früheren Job als Fotojournalist in den Cinepol-Betrieb einfliessen zu lassen. Dies in Form von Reise-Dokumentationen als Tonbildschau für die grosse Leinwand.