100 Eier verbinden Kulturen
23.04.2025 MuriWeil der Austausch allen hilft
Freiwillige organisierten in Muri ein Eierfärben mit Bewohnenden der GOPS
Ob mit Zwiebelschalen, Krepppapier oder speziellen Stiften, GOPS-Bewohnende färbten mit Freiwilligen hundert Eier.
...Weil der Austausch allen hilft
Freiwillige organisierten in Muri ein Eierfärben mit Bewohnenden der GOPS
Ob mit Zwiebelschalen, Krepppapier oder speziellen Stiften, GOPS-Bewohnende färbten mit Freiwilligen hundert Eier.
Annemarie Keusch
Es sind ausschliesslich Familien und alleinreisende Frauen. Ihr temporäres Zuhause ist die Geschützte Operationsstelle im Untergrund des Spitals Muri. Sie sind unter anderem aus dem Iran, aus Afghanistan, aus Syrien, der Türkei oder der Ukraine in die Schweiz gekommen. «Wir erhalten tiefe Einblicke in ihr Leben. Sehen, wie sich die langen Verfahren negativ auswirken. Depressionen sind keine Seltenheit», sagt Marianne Kürsteiner. Die Murianerin ist eine von verschiedenen Freiwilligen, die Abwechslung ins Leben der GOPS-Bewohnerinnen bringen. «Ein toller Austausch, bei dem schon viele Freundschaften entstanden sind.»
Ursula Rey koordiniert die diesbezügliche Freiwilligenarbeit im Bezirk Muri. Noch ist diese der Repla angegliedert, bald geht sie in die neu gegründete Regionale Integrationsfachstelle über. Sie weiss, wie wichtig der Austausch zwischen den Kulturen ist. «Nur so funktioniert Integration», ist sie überzeugt. Das ist auch an diesem Nachmittag im Gemeindesaal der reformierten Kirche in Muri zu sehen. Kinder und Erwachsene färben Ostereier – mit verschiedenen Techniken. «Indem Einheimische und Geflüchtete einander begegnen, kann ein Miteinander entstehen», sind Kürsteiner und Rey überzeugt.
Geflüchtete Familien und Kinder färben Ostereier – dank Engagement Freiwilliger
Sie leben in der Geschützten Operationsstelle des Spitals Muri. Sind geflüchtet, aus dem Iran, aus Afghanistan. Freiwillige bringen Abwechslung in ihren Alltag – unter anderem mit einem Eierfärben. «Indem wir ihnen unsere Kultur zeigen, wollen wir sie willkommen heissen», betonte Marianne Kürsteiner.
Annemarie Keusch
Warten. Das liegt kleinen Kindern nicht. Das ist hier nicht anders als in den Ländern, wo die Familien herkommen, die sich an diesem Nachmittag im Gemeindesaal der Reformierten Kirche Muri einfinden. Ein kleines Mädchen hat bereits zu einem Ei gegriffen und die speziellen Eiermalstifte vor sich aufgereiht. Der Deckel des gelben ist bereits entfernt. «Warten», sagt Marianne Kürsteiner. Das Mädchen lächelt. Nachdem die Familien und Kinder eingetroffen sind, geht es sofort los. Schliesslich sollen hundert Eier gefärbt werden. Ihr ist es trotzdem fast ein wenig zu langsam.
«Die Idee dazu kam im Gespräch», sagt Marianne Kürsteiner. Sie engagiert sich freiwillig im Bereich der Integration. Etwa wanderte sie monatlich mit den allein reisenden Männern, die einst in der GOPS untergebracht waren. Mit den Familien und allein reisenden Frauen, die nun dort leben, macht sie Spaziergänge zu Spielplätzen. Sie ist Teil des Teams, das Deutschunterricht anbietet. Sie organisierte den interkulturellen Austausch, bei dem Frauen Einblick in ihre Geschichten, die Kulturen und Traditionen gewährten. «Wir könnten so viel voneinander lernen», ist Kürsteiner überzeugt. «Wenn wir unsere Kulturen zeigen und sie ihre, erst dann können Verbindungen entstehen.» Vor Weihnachten buk sie mit den Geflüchteten Guetzli. «So lag die Idee des Eierfärbens zu Ostern eigentlich nahe.»
Drei Generationen helfen mit
An einem Tisch liegen Strümpfe bereit. Und Kräuter: Klee, Löwenzahn und vieles mehr. Es ist der Tisch, der am längsten leer bleibt. Die Stifte sind selbsterklärender. Das Krepppapier ebenfalls. Sind die Eier nass gemacht und das farbige Papier aufgelegt, ist das Resultat schon kurze Zeit später zu sehen. Bunt sind sie alle. Die traditionelle Technik mit Kräutern und dem Kochen der Eier in Zwiebelschalen braucht mehr Erklärung, ist vielen fremd. Eine Frau wagt sich als Erste daran. Ursula Rey hat extra am Vortag schon ein Ei gefärbt, um das Resultat zu zeigen. Rey ist in einem 30-Prozent-Pensum bei der Koordination Freiwilligenarbeit im Bezirk Muri angestellt. Sie zeigt, wie das Färben geht. «Das ist das Blatt einer Erdbeere.» Was auf Deutsch nicht verständlich ist, übersetzt sie auf Englisch. Und schnell füllt sich auch dieser Tisch. Ein Ei nach dem anderen wird mit Kräutern belegt, mit Strumpf umwickelt und zum Kochen in die Küche gebracht.
Verschiedene Freiwillige haben sich für diesen Nachmittag gemeldet. Sie zeigen das Eierfärben, beantworten Fragen, helfen fleissig mit. Im Einsatz sind auch Ursula Reys Mutter und ihre beiden Kinder. Und zwei Männer, die einst selbst während Monaten als Geflüchtete in der GOPS lebten. «Sie unterstützen mich etwa auch bei den Wanderungen», sagt Marianne Kürsteiner. Bis zu 30 Geflüchtete seien jeden Monat beim Ausflug dabei, als Nächstes steht jener zum Kinderweg in Benzenschwil an. «Ich würde mir wünschen, dass noch mehr Einheimische uns begleiten würden, weil nur so ein wirklicher Austausch entstehen kann.»
Auf dem Hof der Familie Küng
Ursula Rey weiss, wie wichtig Angebote wie das Eierfärben sind. «Nur so funktioniert Integration.» Es bringe Abwechslung in den Alltag, der sonst wenig Strukturen enthalte. «Nur dank dem Kontakt zur einheimischen Bevölkerung können die Geflüchteten wirklich ankommen.» Und nur so könne ein Miteinander der Kulturen, möglichst ohne Missverständnisse, überhaupt entstehen. «Für ein Zusammenleben, das für alle befriedigend ist», fasst es Ursula Rey zusammen.
100 farbige Eier entstehen an diesem Nachmittag. Auch die Schachteln malen die Kinder an. In der GOPS sind sie in den Ostertagen Farbtupfer, es gibt aber auch kulinarische Köstlichkeiten. Im Zuge dieses Projekts haben die Frauen und Kinder übrigens nicht nur das Eierfärben kennengelernt. Vor einem Monat waren sie auf dem Bauernhof der Familie Küng in Söriken zu Gast, um mehr über die Haltung der Tiere und die Arbeit auf dem Bauernhof zu erfahren. Es sind kleine Projekte, kleine Ausflüge, die ein grosses Miteinander überhaupt erst ermöglichen.
Wer die monatlichen Wanderungen begleiten will, meldet sich bei Marianne Kürsteiner, Tel. 078 644 78 43.