Adieu Graf Dracula
06.02.2026 Sport, HandballDaphne Gautschi über ihre Zeit in Rumänien und ihren Wechsel zurück nach Frankreich
Seit dieser Saison spielt Daphne Gautschi in Rumänien. Obwohl ihr das Leben und die Liga dort gefallen, verlässt sie SCM Râmnicu Vâlcea zum Saisonende ...
Daphne Gautschi über ihre Zeit in Rumänien und ihren Wechsel zurück nach Frankreich
Seit dieser Saison spielt Daphne Gautschi in Rumänien. Obwohl ihr das Leben und die Liga dort gefallen, verlässt sie SCM Râmnicu Vâlcea zum Saisonende und kehrt nach Frankreich zurück. Sie erzählt warum.
Josip Lasic
Daphne Gautschi geniesst ihre Zeit in Rumänien. Am vergangenen spielfreien Wochenende besuchte sie mit ihrem Freund, dem Ex-Fussballer Kevin Goettling, die Stadt Brasov. In der Nähe liegt das Schloss Bran, bekannt als Schloss des Grafen Dracula. «Es ist ein spannendes Land. Ich erlebe hier ein kleines Abenteuer», sagt die Handballerin. Seit dieser Saison spielt die Murianerin für den Verein SCM Râmnicu Vâlcea. Allein das Leben in der 100 000-Seelen-Stadt Râmnicu Vâlcea ist eine besondere Erfahrung. Der Ort hat keinen Autobahnanschluss, weshalb die Fahrt nach Brasov rund vier Stunden dauerte, obwohl die beiden Städte nur etwa 180 Kilometer voneinander entfernt sind. «Das ist man als Schweizer nicht gewohnt. Bei uns ist man nach so langer Fahrt im Ausland. Hier dauert jede Auswärtsfahrt so lange und führt über teils schlechte Landstrassen.»
Erfahrung, die ihr niemand nehmen kann
Trotzdem bereut sie den Wechsel in die rumänische Liga nicht. Ihr Verein ist Rekordmeister und das sportliche Aushängeschild der Stadt. Die Konkurrenz ist allerdings ebenfalls stark. «Das Niveau in der Meisterschaft ist hoch. Die Trainings sind gut und ich verstehe mich super mit meinen Teamkolleginnen. Aber ich erlebe Höhen und Tiefen, was meine Spielzeit betrifft.» Deshalb hat sie sich entschieden, zur kommenden Saison nach Frankreich zurückzukehren. Nachdem sie bereits bei Metz Handball und Handball Plan-de-Cuques gespielt hat, hat sie jetzt einen Vertrag bei Toulon Métropole Var Handball unterschrieben. «Ich wollte zu einem Verein, bei dem ich eine grössere Rolle spiele. Râmnicu Vâlcea hat bereits einige Spielerinnen für die kommende Saison verpflichtet. Mein Eindruck ist, dass ich nicht in die Pläne des Trainers passe. Daher der Wechsel.»
Die 25-Jährige wäre aber gern in Rumänien geblieben. «Ich habe mich nach anderen Vereinen umgesehen, aber nichts Passendes gefunden. Es wäre schön gewesen, weiterhin in dieser Liga zu spielen.» An das Leben im osteuropäischen Staat hat sie sich schon gewöhnt. Da Rumänisch zu den romanischen Sprachen gehört, kann sich Gautschi, die fliessend Französisch spricht, mittlerweile auch einigermassen in der Landessprache verständigen. «Für den Alltag reicht es. Und im Training wird ja Englisch gesprochen.»
Sie schätzt auch die Lebenserfahrung, die sie dort sammelt. «Es ist ein interessantes Land. Rund um Râmnicu Vâlcea gibt es viel Natur. Dort kann man Bären in freier Wildbahn sehen. In Rumänien ist ausserdem die Schere zwischen Arm und Reich riesig. Es existiert sozusagen keine Mittelschicht. Auf der Strasse sieht man modernste Autos neben Pferdekutschen fahren. Auch im Handball gibt es Kurioses.» Sie erzählt, dass ihr Team kürzlich in einer Halle auf Tüchern spielen musste, weil der Boden nass war. «Zwischendurch kam eine Frau, wischte etwas drüber, schaute, ob die Tücher richtig liegen, und es ging weiter. Solche Erlebnisse sind faszinierend. Dieses Abenteuer kann mir niemand nehmen, und vielleicht ergibt sich eines Tages die Gelegenheit, wieder in Rumänien zu spielen.»
Zurück an der Côte d’Azur
In der kommenden Saison geht es aber zurück nach Frankreich. Toulon liegt an der Côte d’Azur, ebenso wie Plande-Cuques, wo Gautschi vor ihrem Rumänien-Wechsel gespielt hat. «Das Leben in Südfrankreich ist sehr schön. Ich habe es schon während meiner Zeit bei Plan-de-Cuques genossen. Kevin war jetzt viel bei mir in Rumänien als Unterstützung. In Frankreich wird er wieder arbeiten können. Und das Projekt, das der Verein in Toulon hat, überzeugt mich. Diese Saison hatte der Verein finanzielle Probleme, weshalb ihnen fünf Punkte abgezogen wurden. Ohne diesen Abzug gäbe es die Möglichkeit, nächste Saison international mitzuspielen. Aber so habe ich immerhin ein Ziel, wenn ich beim Team bin.»
Noch ist es aber nicht so weit. Die Meisterschaft in Rumänien dauert bis Ende Mai. SCM Râmnicu Vâlcea liegt momentan auf Rang 4. «In der Vorrunde haben wir einige Spiele knapp verloren. Das hat uns Punkte gekostet. Schön wäre es, wenn wir die Saison trotzdem noch unter den besten drei beenden könnten. Ich werde mit dem Team kämpfen, dass wir in der Rückrunde den Rückstand noch aufholen.»

