Alle neune

Fr, 08. Okt. 2021
Sie glauben alle fest an die Zukunft des Kegelsports: (vorne, von links) Marcel Blaser, Verbandsmitglied, Erika Pfister, Vizepräsidentin, Roman Abt, Präsident, (hinten, von links) Reini Geissmann, Ehrenmitglied, und Vreni und Toni Gasser. Bild: Susanne Schild

Der Kegelverband Mittelaargau kämpft mit einem Mitgliederschwund. «Die Jungen kommen nicht nach und die Alten sterben weg», fasst Ehrenmitglied Reini Geissmann die Situation zusammen. Jetzt will man durch ein Seniorentraining in Besenbüren neue Mitglieder gewinnen. --sus


Kegeln wieder hip machen

Der Kegelverband Mittelaargau leidet an Mitgliederschwund

Um auf die Sportart aufmerksam zu machen und den sinkenden Mitgliederzahlen entgegenzuwirken, bietet der Verband neu ein Seniorentraining im Restaurant Frohsinn in Besenbüren an.

Susanne Schild

Alle neune nach Feierabend: Kegeln war für viele einmal das liebste Hobby. Heute dagegen droht es als Volkssport zu verschwinden. Die Zahl der Kegler ist stark zurückgegangen. «Zwar zählt unser Verband noch 145 Mitglieder, aber die Tendenz ist abnehmend», erklärt Roman Abt, Präsident des Kegelverbandes Mittelaargau.

«Vielleicht hat es auch etwas mit Zeitgeist zu tun», spekuliert Verbandsmitglied Marcel Blaser. 1978 wurde er in Basel Schweizer Meister. In den Siebzigerjahren sei Kegeln eine beliebte Möglichkeit gewesen, Sport und Geselligkeit zu verbinden. Heute jedoch seien die Gaststätten mit Kegelbahnen alt geworden. Gerade junge Menschen könnten mit dem Kegelsport kaum noch etwas anfangen, führt er weiter aus. «Die Konkurrenz durch die Bowling-Bahnen ist gross», ist auch Roman Abt überzeugt. Ausserdem würden immer mehr Kegelbahnen wegen mangelnder Nachfrage verschwinden.

Der Nachwuchs bleibt aus

«Viele wollen sich nicht mehr an einen Verein binden. Sie wollen keine Verpflichtungen mehr eingehen und sich nicht mehr engagieren», so Blaser weiter. Daher werde es immer schwieriger, Leute für den Vorstand zu finden. «Der Kegelverband Kanton Zürich und die Sektion Talschaft wurden beispielsweise letztes Jahr aufgelöst, weil man keinen Vorstand mehr bilden konnte», ergänzt der Präsident. «Die Jugend kommt nicht nach und die Alten sterben aus», beschreibt der 91-jährige Reini Geissmann die Situation. Er ist Gründungsmitglied des Verbands und seit 1988 Ehrenmitglied. Und genau deshalb drohe der Volkssport zu verschwinden. «Kegeln ist total überaltert. Deshalb muss es uns gelingen, wieder mehr Jüngere zu motivieren, sich für den Sport zu engagieren», fordert Marcel Blaser. Der alteingesessene Kegler ist von den Vorteilen der Sportart überzeugt. «Kegeln fördert die Kameradschaft und die Geselligkeit.» «Auch die Konzentration und die Fitness werden gefördert», so Erika Pfister, Vizepräsidentin. «Kegeln ist ein Breitensport, der von Männern und Frauen bis ins hohe Alter praktiziert werden kann», so Roman Abt.

Die richtige Technik ist entscheidend

Im Kegeln gibt es zwei verschiedene Kugelgrössen. Man bezeichnet diese als Kugelgrösse 24 und 25. Die 24 wiegt neun Kilogramm und die 25 bringt zehn Kilogramm auf die Waage. Wenn auf zwei Bahnen gespielt wird, dann spielt ein Kegler zweimal 50 Würfe hintereinander. «Dafür ist schon eine gewisse Fitness nötig», sagt Erika Pfister. Das Glück spiele nur eine kleine Rolle, fährt sie fort. «Vier ‹Babeli› hintereinander sind durchaus realistisch. Zehn hingegen wären eine Spitzenleistung, da muss dann schon das Glück dabei sein», räumt sie ein. «Wichtig ist vor allem, dass die Technik beherrscht wird, und dafür muss man einfach trainieren», weiss die Vizepräsidentin. Alles sei eine Sache des richtigen Gefühls, ist auch Roman Abt überzeugt. Das sei wie beim Schiessen, wo der Abschuss stimmen müsse. «Beim Kegeln ist das der Zeitpunkt, an dem die Kugel losgelassen werden muss. Auch das Tempo und die Handtechnik müssen stimmen. Alles muss im Einklang sein», sagt der Präsident. «Dann klappt es mit ‹allen neunen› oder dem ‹Babeli›, wie der Volltreffer auch bezeichnet wird.»

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Wer Kegeln intensiv betreibt, nimmt ein- bis zweimal in der Woche an einem Wettkampf teil. Eine Meisterschaft geht über zwei Wochen. In der Regel werden zehn Meisterschaften pro Jahr ausgetragen. Auf der Jahresrangliste werden alle Meisterschaftsresultate zusammengezählt. Als Auszeichnung erhält man eine Kranzkarte. «Die Kegeleuphorie im Wettkampf ist speziell», weiss Marcel Blaser. Man komme regelrecht in ein Fieber. «Früher gab es noch das ‹Gabenkegeln›. Da hat der Sieger eine Sau gewonnen», erinnert sich Reini Geissmann zurück. Für die Zukunft haben sie dennoch Hoffnung. «Wir versuchen alles, um die Sportart am Leben zu erhalten.» Sportarten wie Tischtennis oder Handball hätten ähnliche Probleme. «Alle Vereine verlieren Mitglieder. Viele interessierten sich mehr für Computerspiele als für Vereinssport», sagt Marcel Blaser. Er sieht durchaus noch Chancen für das Kegeln als Volkssport. «Wenn wir Kegeln wieder hip machen wollen, müssen wir frischen Wind in den Sport bringen. Wir müssen uns dem Zeitgeist und den Trends anpassen», ist Blaser überzeugt.

Um die Sportart wieder ins Gespräch zu bringen, hat der Verband jetzt ein Seniorentraining im Gasthof Frohsinn ins Leben gerufen. «Wir müssen einfach einen Weg finden, dass das Kegeln nicht verschwindet. Damit es auch noch viele weitere Jahre heissen wird ‹Gut Holz›», so Roman Abt abschliessend.


Seniorentraining

Das Seniorentraining findet jeweils dienstags ab 14 Uhr auf frisch geputzten und gewachsten Kegelbahnen im Gasthof Frohsinn in Besenbüren statt.

Programm: 30 Wurf auf der linken Bahn und 30 Wurf auf der rechten Bahn. Das Programm kann wiederholt werden. Nach dem Training wird die Kameradschaft gepflegt, sodass der Nachmittag wie früher ein Zusammentreffen mit sportlichem Charakter sein wird. Anmeldung und weitere Informationen unter Telefon 079 801 15 80. --sus

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