Am Ende abgeschüttelt
21.04.2026 Sport, HandballHandball, Männer, Aufstiegsspiele zur 1. Liga: SG Möhlin Fricktal – SG Wohlen Mutschellen 29:32 (14:14)
Der Grundstein ist gelegt. Die SG Wohlen Mutschellen zeigt eine starke Teamleistung und spielt gegen einen aufmüpfigen Gegner konzentriert. ...
Handball, Männer, Aufstiegsspiele zur 1. Liga: SG Möhlin Fricktal – SG Wohlen Mutschellen 29:32 (14:14)
Der Grundstein ist gelegt. Die SG Wohlen Mutschellen zeigt eine starke Teamleistung und spielt gegen einen aufmüpfigen Gegner konzentriert. «Das war geil und macht Lust auf das Rückspiel», sagt Joshua Schmid.
Stefan Sprenger
Es ist die heikelste Phase des Spiels für die SG Wohlen Mutschellen. Kurz nach der Pause zittern die rund 100 mitgereisten Freiämter Fans. Innert 17 Sekunden kassiert die SG Wohlen Mutschellen gleich zwei Strafen. Spielmacher Amer Zildzic und Flügelspieler Ivan Milicevic müssen beide für zwei Minuten auf der Bank Platz nehmen. Die SG Möhlin Fricktal nutzt diese Gelegenheit. Das Heimteam erzielt drei Tore in Serie, verwandelt den 17:18-Rückstand innert zwei Minuten in einen 20:18-Vorsprung. Doch die SG Wohlen Mutschellen hält dagegen. Und dreht auf. Nur fünf Minuten später zimmert Flügelspieler Michel Loretan den Ball in den Winkel. 22:24. «Es war ein ebenbürtiger Gegner», sagt der 24-Jährige aus Widen. «Aber wir haben Charakter gezeigt. Jeder hat gekämpft, mit Willen, mit Leidenschaft. Wir hatten eine tolle Stimmung. Und wir sind als Team einheitlich aufgetreten. Auch die Spieler, die von der Bank gekommen sind», sagt Loretan weiter.
Keine One-Man-Show, sondern als Team überzeugt
So wie er selbst beispielsweise – oder auch der junge Colin Wyss. Der Mutscheller mit Jahrgang 2007 zeigt sein grosses Potenzial und wirbelt nach seiner Einwechslung die Abwehr der Fricktaler ordentlich durch.
Einen absolut herausragenden Spieler hat die SG Wohlen Mutschellen am ersten Aufstiegsmatch aber nicht. Es ist keine One-Man-Show, sondern eine geschlossene Mannschaftsleistung. Der erfahrene Amer Zildzic zieht die Fäden, Elias Matrascia bringt unheimlich viel Schnelligkeit und Joshua Schmid – der Kreisläufer, der einst im Rückraum spielte – bringt die Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor. Sie alle erzielen sechs Tore. Auch Flügel-Routinier Ivan Milicevic (vier Tore), der schnörkellose Michel Loretan (3) oder der ultra-agile Björn Staubli (3) tragen in der Offensive dazu bei, dass die Freiämter gegen eine robuste Abwehr der Fricktaler – die mit einigen NLB-Akteuren antreten – am Ende ordentliche 32 Tore erzielen.
Lange im Gleichschritt
In der Abwehr sind die Freiämter ebenfalls gut organisiert. Der grösste Makel: In der ersten Halbzeit kassiert man zu viele Tore von den Aussenpositionen. Etwas, worauf das Team gemäss Trainer Alex Milosevic eigentlich seinen Fokus legen sollte (siehe Kasten). Weil die beiden Torhüter Dario Koch und Janis Weber zu Beginn nicht im Betriebsmodus sind und während 30 Minuten nur zwei Paraden schaffen, steht es zur Pause 14:14. Koch dreht dann im zweiten Durchgang auf, zeigt acht Paraden und erreicht eine Abwehrquote von 35 Prozent.
Man hat ohnehin das Gefühl, dass die Überlegenheit der SG Wohlen Mutschellen immer stärker wird, je länger die Partie dauert. Die SG Möhlin Fricktal hat selten den Lead in diesem Spiel, doch sie lässt sich lange Zeit nicht distanzieren. 5:5, 10:10, 15:15, 20:20 – es geht stets im Gleichschritt. Doch in der Schlussphase schüttelt man die Fricktaler ab. Eine Minute vor Schluss gibt es die höchste Führung in jenem Match (28:32). Die SG Möhlin Fricktal erzielt noch ein Tor zum 29:32-Endstand. Es war ein erkämpfter Sieg gegen einen für 2.-Liga-Verhältnisse sehr starken Gegner. Die Freiämter müssen sich den Aufstieg hart verdienen. Das gilt auch für den kommenden Samstag (20 Uhr, Hofmatten Wohlen). Im Rückspiel will man den Deckel draufmachen und nach zwei Jahren in die 1. Liga zurückkehren. Der 22-jährige Wohler Joshua Schmid sagt: «Es war ein geiles Spiel mit toller Unterstützung von den Fans und von der Bank. Es war aber auch richtig streng, diese Fricktaler sind nicht leicht zu knacken. Dieser Match macht aber viel Lust auf mehr. Und der Job ist noch nicht erledigt. Wir müssen am nächsten Samstag unbedingt nochmals so auftreten, dann kommt es gut.»
Das sagt der Trainer
Alex Milosevic, der vor wenigen Tagen seinen 60. Geburtstag feierte, zeigt sich zufrieden. «Von allen 2.-Liga-Gegnern, die möglich waren in den Aufstiegsspielen, ist die SG Möhlin Fricktal der beste. Sie haben ein gutes Tempo, eine starke Deckung und effiziente Flügelspieler. Wir hatten sie meist im Griff», so Milosevic. Man habe den Gegner im Vorfeld analysiert und sich speziell auf seine Stärke auf den Aussenpositionen vorbereitet. «Im ersten Durchgang haben wir die Vorgabe aber ungenügend umgesetzt, zu viele Tore vom Flügel erhalten.» Es ist der einzige Fakt, der ihn nervt.
Nun hat die SG Wohlen Mutschellen dank dem 29:32-Auswärtssieg ein kleines Polster für das Rückspiel. «Mit einem Tor zu gewinnen, lautete der Auftrag. Das haben wir erfüllt. Wir gehen auch ins Rückspiel mit der Einstellung, dass wir den Gegner schlagen wollen. Wenn wir zweimal gewinnen, steigen wir auf. So einfach ist das.» --spr


