Anfrage aus China erhalten
14.04.2026 Muri, Musik5. Auflage von «The Muri Competition» ist gut gestartet
Zum fünften Mal sind die weltbesten Studenten der Oboe und des Fagotts nach Muri gekommen. «The Muri Competition» (TMC) hat wiederum 100 von ihnen empfangen. Aber auch vor dem Contest macht ...
5. Auflage von «The Muri Competition» ist gut gestartet
Zum fünften Mal sind die weltbesten Studenten der Oboe und des Fagotts nach Muri gekommen. «The Muri Competition» (TMC) hat wiederum 100 von ihnen empfangen. Aber auch vor dem Contest macht die Weltlage nicht halt. Dazu macht sich das OK Gedanken über die Nachfolgeregelung.
Verena Anna Wigger
Das Kommen und Gehen von Helfern und Studenten im Büro von TMC ist gross. Dennoch läuft der Betrieb neben der Bogenhalle ruhig. In diesen Wochen empfängt Muri zum fünften Mal die weltbesten Studenten der Oboe und des Fagotts. Rund 350 junge Musikerinnen und Musiker haben ihre zwei Stücke eingereicht. 100 von ihnen haben sich damit für den Final im Freiämter Klosterdorf qualifiziert. Der Wettbewerb hat sich seit seinem Beginn 2013 zu einer Marke in der klassischen Musik entwickelt. Dies zeige zum einen der Umstand, dass die weltweit namhaftesten Juroren im Bereich Oboe und Fagott in Muri sind, sagt Gesamtleiter Renato Bizzotto. Zum anderen seien ehemalige Teilnehmende und Gewinner des Freiämter Wettbewerbs heute als Professoren weltweit tätig.
Ein weiterer Umstand, der zeigt, welchen Stellenwert der Wettbewerb in der Welt der klassischen Musik hat, ist die Anfrage aus der Volksrepublik China. Renato Bizzotto und sein Team wurden angefragt, ob sie den Wettbewerb dort durchführen würden. Der Gründer und Initiator erlebt, dass der Musikanlass «eine Marke und ein ‹place to be› ist», wie Bizzotto sagt. Auch wenn er sich die Umsetzung in Asien nicht vorstellen kann.
Ein langjähriges Team, das trägt
Sein Team und er haben in den vergangenen Ausführungen darauf hingearbeitet, dass der Contest diese Stellung erhielt. «Mein Ziel war es, Muri weltberühmt zu machen», sagt er. Das sei nun eingetreten.
Auch die diesjährige Ausgabe sei gut gestartet. «Die Studenten sind erschienen», sagt Bizzotto, und die Eröffnung sei im Beisein von Gemeindepräsident Hans-Peter Budmiger durchgeführt worden. Von all den selektionierten Studenten mussten sich drei entschuldigen. Einer ist zwar in Muri, wird aber aus gesundheitlichen Gründen nicht spielen können. Auch das zeigt auf, was der Wettbewerb für die weltbesten Studenten bedeutet.
Wie abgestimmt die Organisation funktioniert, zeigt sich an Situationen, die auftreten. Mit einem der Studenten musste sein Verhalten besprochen werden. Jolanda Covo konnte Gesamtleiter Renato Bizzotto aber informieren, dass alles geregelt sei. Dies schätzt er und er lobt auch gleich Projektkoordinator Peter Müller, dank dessen umsichtiger Arbeit die Organisation rundlaufe. Oder die beiden «Urmurianer» Marcel Laubacher und Willi Meier, welche immer wieder tatkräftig mithelfen.
Nachfolgeregelung im Auge
Sie alle würden dafür schauen, dass der Anlass reibungslos funktioniere. Doch ihnen ist auch bewusst, «wir gehen alle ins Rentenalter». So werde in den kommenden Jahren die Nachfolgeregelung zentral sein. «Es ist ein bezahltes Hobby», erklärt er. Neu arbeitet Stephi Keusch in der Administration und André Heller im Marketing und in der Kommunikation. «Ich schaue immer wieder, ob wir frisch pensionierte Murianerinnen und Murianer für unser OK gewinnen können», sagt Bizzotto. Er habe gute Erfahrungen damit gemacht. Dazu komme, dass sie dies alle im Ehrenamt machen. «Denn eine Anstellung können wir uns nicht leisten», ist sich Bizzotto bewusst. Doch aktuell läuft es und sie sind gut gestartet mit den Vorträgen der Vorrunde. Ab und an sitze er rein und höre zu, sagt Bizzotto, der eben aus einem Vortrag kommt.
Leonardo Bizzotto mit im Wettbewerb
Dies macht er auch beim Spiel seines Sohnes Leonardo Bizzotto. Der 26-jährige Fagottist spielt im Wettbewerb mit. Da sich die Studenten anonym bewerben, freut sich Bizzotto, dass Leo in der Vorrunde spielt. Noch mehr freut den Vater, dass sein Sohn seinen Weg macht. «Ich weiss nicht, wo er steht», sagt er über die Arbeit seines Sohnes. Doch dieser Weg gehe weiter. Leo habe sich für den Halbfinal qualifiziert, teilt der stolze Vater mit. Leonardo Bizzotto spielt seinen Halbfinal heute Dienstag um 15.10 Uhr im Pflegidachsaal.
Zu den Studenten habe er ansonsten wenig Kontakt. Höchstens zu den Kollegen seines Sohnes. Er weiss aus eigener Erfahrung, dass man als Musiker vielfach vorspiele. «Auch nach dem 30. Mal muss man immer noch daran glauben», sagt er. Ein guter Musiker sei ein Medium. «Musiker sein ist eine ständige Selbstkritik.»
Mitten im Gespräch ist Renato Bizzotto tief berührt. Einer der Studenten sei auf ihn zugekommen und habe sich entschuldigt, was sein Land den Menschen im Nachbarstaat antue. Dabei handle es sich um einen russischen Studenten. Es sei eine unglaubliche Begegnung gewesen, sagt er. Bizzotto kennt selbst Musiker aus der Ukraine und Russland. Nicht darüber sprechen zu können, das bewege in dieser Zeit, berühre tief, das erlebt er selbst. Musik sei auch Botschafter, sagt er, «eine ganze Generation von Musikern leidet».
Anonymer Modus ermögliche Transparenz
Alle Studenten reichen zwei Aufnahmen ein, auf denen sie ein Stück spielen. Je zwei Juroren für Oboe und Fagott werden die Aufnahmen anonym vorgespielt. Beim Wettbewerb sind jeweils sieben Juroren tätig. Nicht gestattet sei es, seine eigenen Studenten zu bewerten. «Jeder muss für sich bewerten», sagt er. Es gebe unterschiedliche Interpretationen und Geschmäcker. «Punkte werden nicht diskutiert», das ist ihm wichtig. Renato Bizzotto ist während des Wettbewerbs als Schiedsrichter unterwegs.
«Das, was wir machen, ist einzigartig», weiss der künstlerische Leiter. Es komme mehr einem Festival mit Wettbewerb nahe. Die Studenten werden privat bei Gastfamilien untergebracht. Auch hier stösst das OK an Grenzen. Viele der langjährigen Gastgeber seien ins Alter gekommen. «Sie haben die Energie nicht mehr», weiss Bizzotto, das spüre das OK. Sie mussten in diesem Jahr 20 Studenten in Boswil im Künstlerhaus unterbringen. Doch der Familienanschluss gebe den zum Teil sehr jungen Studenten eine zusätzliche Bereicherung. Die Vorrunde schliesst heute ab. Am Freitag, 17. April, findet der Halbfinal statt. Hier kann man kostenlos dabei sein.
Finales Konzert im Festsaal
Für den Final vom Sonntag, 19. April, habe es noch wenige freie Tickets. Doch zuvor gibt es in der zweiten Woche weitere Höhepunkte. Dazu gehört eine Fachausstellung für Oboe und Fagott. Hier werden 14 hochkarätige Aussteller ihre Instrumente präsentieren. Dazu bietet TMC Meisterkurse für die Studenten an. Der Abschluss des Wettbewerbs findet am Samstag mit den Halbfinals statt. Am späteren Sonntagnachmittag finden die Finalkonzerte für Oboe und Fagott statt. Sie werden von der Argovia Philharmonic unter der Leitung von Georg Köhler begleitet. Für die Abschlusskonzerte hat es noch Tickets, welche über die Website gekauft werden können.
Konzertzeiten und Tickets: www.the-muri-competition.ch

