Auch bei Sturm ein ruhiger Pol

Fr, 10. Jul. 2020
Betriebskommissionspräsidentin Milly Stöckli übergibt dem Jubilar Sepp Troxler (links) ein Präsent. Das freut auch seinen langjährigen Chef, den pensionierten Förster Beat Bossert (Dritter von links), und seinen neuen Chef Oliver Eichenberger (rechts). Bild: Annemarie Keusch

Sepp Troxler feiert sein 30-Jahr-Jubiläum

Er war der Einzige, der sich vor 30 Jahren für die Stelle als Forstwart beim Murianer Staatswald bewarb – und das als Nichtberufsmann. Doch Sepp Troxler blieb und fand Gefallen an der Arbeit im Wald.

Die Aufmerksamkeit sucht er nicht. Und er mag sie auch nicht. Dass sich an diesem Tag alles um ihn drehte, ihm alle gratulierten und lobende Worte über ihn geäussert wurden, das ist nicht Sepp Troxlers Ziel. Viel lieber ist er der Schaffer, der ruhige Maschinist, der leidenschaftliche Forstwart mit ganz viel Herzblut.

Seit drei Jahrzehnten wirkt er im Murianer Wald, angefangen im Staatswald, mittlerweile beim daraus gewordenen Forstbetrieb Region Muri. Dass jemand so lange diesen Knochenjob macht, ist selten. Entsprechend entkam er einer grossen Würdigung nicht. --ake


Auch bei Sturm ein ruhiger Pol

Seit 30 Jahren arbeitet Sepp Troxler im Wald

Er war der erste Mitarbeiter, den Förster Beat Bossert einstellte – damals noch im Staatswald Revier Muri. Mittlerweile ist daraus der Forstbetrieb Region Muri geworden. Seit 30 Jahren gehört Sepp Troxler zu den Mitarbeitenden. Seine ruhige Art wird von allen geschätzt.

Annemarie Keusch

«Die Bäume fallen immer noch auf den Boden», sagt Sepp Troxler und schmunzelt. «Das ist das Einzige, was noch gleich ist wie am Anfang.» Sein Beruf hat sich in den letzten 30 Jahren stark verändert. Troxler machte alle Veränderungen mit, bildete sich weiter. Zur Tätigkeit im damaligen Staatswald Revier Muri kam er, ohne eine Forstwartausbildung vorweisen zu können. «Es meldete sich kein Berufsmann, als wir vor 30 Jahren Verstärkung brauchten», erinnert sich Beat Bossert.

In 29,5 von Troxlers 30 Jahren im Murianer Wald war Bossert sein Chef. Verstärkung brauchte das Forstteam damals als Folge des Jahrhundertsturms Vivian. «Diesen erlebte er nur beim Aufräumen, es sollten leider weitere folgen, die Sepp hautnah mitansehen musste», blickte Bossert zurück.

Lieber den Spatz in der Hand

Eingestellt wurde Troxler auch ohne Ausbildung. Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach, dachte sich Bossert damals. Und er wusste: «Mit Bauersleuten ist man in der Regel gut bedient. Das hat sich auch in diesem Beispiel bewahrheitet.» Und Troxler bildete sich schnell weiter, besuchte Holzerkurse und wurde Maschinist. «Mittlerweile macht er manch einem etwas vor, der die Berufslehre absolvierte», ist Bossert überzeugt.

Doppelbelastung mit Landwirtschafstbetrieb zu Hause

Krank sei Sepp Troxler in all den Jahren praktisch nie gewesen. Abnützungserscheinungen mit Schulteroperation als Folge bezeichnet Bossert nach drei Jahrzehnten im Wald als Bagetelle. «Denn nach wie vor – auch mit der Modernisierung und Digitalisierung – ist Forstwart ein Knochenjob.» Bei Troxler kommt hinzu, dass sein Arbeitstag nicht beendet ist, wenn alle nach Hause gehen. Zu Hause wartet der Landwirtschaftsbetrieb und viel Arbeit. «Diese Doppelbelastung meistert er vorbildlich.»

Bossert betonte, wie wichtig langjährige Mitarbeitende sind. Troxler ist nicht der einzige, der in junger Vergangenheit ein hohes Arbeitsjubiläum feiern konnte. «Sie sind das Kapital eines Betriebs und zu ihnen gilt es Sorge zu tragen», mahnte der mittlerweile pensionierte Förster. Und er weiss, dass der Forst aktuell in einer ganz schwierigen Situation steckt. «Irgendwie geht es aber immer vorwärts, das beweist etwa ein Blick auf die Flächen, die vor 21 Jahren von Lothar zerstört wurden. Dort sind die Pflanzen und Bäume wieder im Wachstum.» Er wünsche Sepp Troxler und dem ganzen Team, dass sie den Blick für diese Schönheiten ihres Berufs nicht verlieren.

Leidenschaft und Genauigkeit

Glückwünsche für die Zukunft und dankende Worte für die langjährige Tätigkeit brachte auch Betriebskomissionspräsidentin Milly Stöckli mit. «Du hast vieles miterlebt, Stürme, wie Vivian, Lothar oder Burglinde, aber auch die Ausbreitung des Borkenkäfers.» Über all die Jahre sei er von schwerwiegenden Unfällen verschont geblieben. «Du bist ein loyaler Mitarbeiter, der immer nur positiv auffällt», lobte sie. Im Team und in der Betriebskommission werde seine ruhige Art sehr geschätzt.

Auch Oliver Eichenberger, der als neuer Betriebsleiter des Forstbetriebs Region Muri Nachfolger von Beat Bossert wurde, weiss Sepp Troxlers langjährige Treue zu schätzen. «Es ist eine riesige Leistung, drei Jahrzehnte im Wald zu arbeiten.» Troxler tue dies mit grosser Leidenschaft und Genauigkeit. «Kontrollieren muss man gar nichts, wenn er es gemacht hat.» Aber, auch diese Medaille habe eine negative Seite. «Bis zu seiner Pensionierung bleiben nur noch neun Jahre übrig», sagt Eichenberger und schmunzelt. Milly Stöckli formuliert es positiver: «Das 35-Jahr-Jubiläum können wir noch feiern, wenn er bleibt.»

Jubilar selber fasst sich kurz

Eichenberger ist sicher, die Herausforderungen und allgemein die Arbeit gehen Troxler in den neun Jahren bis zur Pensionierung nicht aus. Und was sagt Sepp Troxler selber? Ihm ist die viele Aufmerksamkeit nicht wirklich angenehm. Entsprechend fasst er sich kurz: «Vielen Dank. Ich bin froh, hier arbeiten zu können.»

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