Ausgelassenheit ist angesagt
10.02.2026 Muri, Fasnacht, ButtwilDie Macht übergeben
Bei der Schlüsselübergabe an die Städte in Muri und Buttwil waren rund 450 Fasnächtler mit dabei
Laut eigenen Aussagen waren die Lehrlinge am Werk. Hierbei handelt es sich um frisch gewählte ...
Die Macht übergeben
Bei der Schlüsselübergabe an die Städte in Muri und Buttwil waren rund 450 Fasnächtler mit dabei
Laut eigenen Aussagen waren die Lehrlinge am Werk. Hierbei handelt es sich um frisch gewählte Gemeinderäte. Da die Städte die ihnen gestellten Aufgaben erfüllten, dürfen diese nun die Fasnacht gestalten.
Verena Anna Wigger
Diesmal waren alle Fasnächtler. Die drei neu gewählten Gemeinderäte und Vertreter ihrer Dörfer sind eingefleischte Fasnächtler. Anita Thielken, Vizeammann aus Buttwil, sagt: «Schön, dass das Amt auch solche Aufgaben mit sich bringt.» Sie ist das erste Mal auf dem Klosterhof dabei und hofft, dass diese Kultur noch lange erhalten bleibt. In jungen Jahren war sie selbst Mitglied einer Guggenmusik. Ihre beiden Kollegen aus Muri kannte sie bis anhin nicht, doch bei der zeremoniellen Aufgabe finden sie sich auf Anhieb. Die Gemeinderäte Jörg Weiss und Herbert Meier kennen die Fasnacht in Muri. Meier ist langjähriger Stadtrat in Neuenburg und Weiss grosszügiger Unterstützer des Wiener Stadtrats und «Co-Wirt» vom «Rütli», welches auch am kommenden Fasnachtsmontag öffnen wird.
Eine neue Erfahrung
Weiss ist überzeugt, dass die Städte in der fünften Jahreszeit das richten, was sie noch nicht erledigen konnten. Daher kamen Meier und Weiss mit dem L gekennzeichnet. «So kann nichts schiefgehen und wir machen, was wir können», nimmt er sich aus der Verantwortung. Auf die Schlüsselübergabe haben sie sich gut vorbereitet. Weiss sagt: «Meine Sitzungen finden jetzt in der Beiz statt», dort werde er seinen Urlaub geniessen. Anita Thielken hat sich vorgenommen, die Zeit zu nutzen: «Der nächste Wahlkampf kommt bald, ich gehe mal auf Stimmenfang.» Anders Meier, er ist auch noch Stadtrat im Amt und hilft dort seinen Kollegen, er meint das ebenfalls ernst. Und zeigt das bereits an diesem Abend. Alle drei bereiten sich auf Aschermittwoch vor, dann müssen sie wieder an die Arbeit.
Närrisches Treiben in der fünften Jahreszeit im Klosterdorf würdig eröffnet
Mit fasnächtlichen Klängen, viel Raum für Spielen, Konfettischlachten und gemütlichem Sein wurde die diesjährige fünfte Jahreszeit eröffnet. Die Stiefeliryter und Gängeli-Musik heizten mit den Klängen den zahlreichen Besuchern ein.
Verena Anna Wigger
Pünktlich an diesem herrlichen Samstagnachmittag bevölkern bunt gekleidete und überglückliche Kinder und ihre Eltern den Klosterhof. Sie bringen sackweise Konfettis mit und eine Mini-Konfetti-Kanone trägt zur Freude aller bei. Wie es in Muri üblich ist, kommt man fantasievoll verkleidet und geschminkt. Die Kinder tollen herum und die Erwachsenen unterhalten sich in Gruppen und flanieren über den Platz.
Das bunte Treiben ist die Vorfreude darauf, dass die fünfte Jahreszeit endlich wieder beginnt. «Ich bin glücklich, dass es losgeht», sagt Schultheissin Daniela die Fröstlige aus Wien. Sie und ihre Stadtratskollegen wollen in dieser Jahreszeit den Wienern einheizen, damit diese eben nicht frösteln. Jede Stadt hat auf dem Klosterhof einen Stand, an dem sie ihr Motto präsentieren und die Gäste mit warmen Würsten, Käseschnitten und Suppe verpflegen oder mit warmen Getränken bewirten. Die Neuenburger campieren standesgemäss und machen Werbung für ihre Campingplätze. Als Freizeitparadies sind die Adelburger dafür zuständig, dass ihre «Freizeitsportler» genügend trinken. Anders geht es auf der Blüemlisalp der Hohen-Wiener zu. Sie verwöhnen die Gäste mit warmem Käsebrot. Auch die Adelburger Tambouren sind dafür besorgt, dass die hungrigen Fasnächtler genügend warme Würste erhalten. Während im Hintergrund immer wieder kakofonische Klänge zu hören sind.
In ihrer Präsentation erweisen sich die Lehrlinge als Profis. Jörg Weiss erklärt in Reimform, dass es nach fünf Wochen Strapazen nun endlich Zeit sei, sich etwas zu erholen, und so übergeben sie die Macht gerne an die Städte. Doch zuerst lud er die Schultheissinnen und Schultheisse zum Limbo-Tanz ein. Er gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass sie fit für ihr Amt und sicherlich noch nüchtern seien. Die erste Hürdenhöhe hiess «halber Schlüssel». «Dann zerbrechen wir sie halt, wenn ihr das nicht schafft», erklärt er trocken. Und fügt hinzu, dass je tiefer sie kommen, um so weniger Beton benötige die Gemeinde bei der Baustelle an der SBB-Unterführung der Zürcherstrasse. Mit erstaunlichen Methoden, jedoch recht souverän, schaffen die Schultheissinnen und Schultheisse die beiden Höhen. Doch das Publikum fordert mehr. Worauf sich Weiss zu einer Prognose bezüglich Stangenhöhe hinreissen lässt und verkündet: «Dies wird auch der künftige Steuerfuss der Gemeinde werden.» Zwar ist nicht ganz klar, warum sich die Gemeinde so freut. Denn wer genau hinsieht, hätte erkannt, dass 120 Zentimeter angezeigt werden. Wenig überraschend schaffen die fitten Führungskräfte auch die vom Publikum geforderte Höhe und erhalten ihre Schlüssel ausgehändigt. Ausgelassen feiern die wieder eingesetzten Magistraten ihre Macht mit den vielen Besuchern. Dies unterstützt durch die Melodien von «Blächreiz», den Adelburger Tambouren und den beiden lokalen Guggenmusiken.





