Austausch über kulturelle Grenzen
30.01.2026 Kultur, Essen und Trinken, MuriNiederschwelliger Treffpunkt
Leute kennenlernen und Einblick in verschiedene Kulturen erhalten. Diese Chance bietet sich wöchentlich im neuen Treffpunkt MuriMundo. Gestartet wurde mit einem Spielenachmittag, diesen Samstag steht ein Erzählcafé auf dem ...
Niederschwelliger Treffpunkt
Leute kennenlernen und Einblick in verschiedene Kulturen erhalten. Diese Chance bietet sich wöchentlich im neuen Treffpunkt MuriMundo. Gestartet wurde mit einem Spielenachmittag, diesen Samstag steht ein Erzählcafé auf dem Programm. --tst
Der Treffpunkt MuriMundo bringt Menschen aus Muri und aus aller Welt miteinander ins Gespräch
Mitreden, zuhören und mitgestalten – das macht der neue Treffpunkt MuriMundo möglich, für Menschen aus Muri und aus aller Welt. Zum Auftakt wurde im Gemeinschaftszentrum gespielt, diesen Samstag folgt ein Erzählcafé.
Thomas Stöckli
«Ein Treffpunkt für alle, das hat in der Region noch gefehlt», sagt Ursula Rey von der Regionalen Integrationsfachstelle (RIF) für Migration, Integration und Freiwilligenarbeit im Oberen Freiamt. In Sins existiert solch ein wöchentlicher Treff bereits seit einigen Monaten, dort unter dem Namen «Kune» – dem Begriff für «gemeinsam» in der weltverbindenden Plansprache Esperanto – donnerstags, alternierend als Bildungs- und Frauentanz-Angebot, im Kulturhaus Küngsmatt. Muri hat nun ebenfalls einen ähnlichen Treff bekommen, jeweils samstags von 16 bis 18 Uhr im Gemeinschaftszentrum (GZ) an der Bahnhofstrasse 9. Das Angebot MuriMundo ist bewusst niederschwellig: «Es soll sich niemand gehindert fühlen, hereinzukommen.»
Kontakte knüpfen
Der Name «MuriMundo» ist Programm: Angesprochen sind Menschen aus Muri und aus aller Welt. Mit oder ohne Migrationserfahrung sollen sie sich austauschen können, wobei jedes Mal ein anderes Thema im Zentrum steht. Getragen wird das Angebot primär von der RIF Oberes Freiamt und vom Kantonalen Integrationsprogramm (KIP), dazu leisten die Kirchen und das Netzwerk Asyl Unterstützungsbeiträge.
Eröffnet wurde die Veranstaltungsreihe mit einem Spielnachmittag. «Das hilft, schnell in Kontakt zu kommen», begründet Marianne Kürsteiner die Programmwahl. An den drei Spieltischen mischten sich Farsi- und Kurdischsprechende, Leute mit Suaheli und Französisch, Arabisch und Portugiesisch als Muttersprache. Und natürlich Schweizerdeutsch. Mit erstaunlicher Disziplin hielten sich die Anwesenden an die «Spielregel», sich ausschliesslich in deutscher Sprache zu verständigen. Nur in Ausnahmefällen wurde mal auf Englisch ausgewichen.
Es geht nicht darum, perfekt zu sprechen, sondern sich gegenseitig zu verstehen und sich verständlich machen zu können. Beim «Eile mit Weile» ergab sich unter anderem ein Gespräch über Sitzbänke, beim «Uno» darum, wie die Regeln je nach Spielrunde anders ausgelegt werden, und beim Memory zeigten schon die Kinder grossen Ehrgeiz.
Lebendiges Miteinander
Das Organisationsteam von MuriMundo besteht derzeit aus Marianne Kürsteiner, Justin Bigirimana und Martin Ellenberger, weitere Helferinnen und Helfer unterstützen sie punktuell. Bei der Premiere war die Nachfrage noch nicht so gross, wie sie sich erhofft hatten. Immerhin: Zu den 15 Spielenden, die sich pünktlich eingefunden hatten, gesellten sich eine Stunde später noch eine Handvoll Frauen dazu, die temporär in der geschützten Operationsstelle des Spitals Muri einquartiert sind. Weitere bekundeten ihr Interesse, indem sie vorbeischauten und sich ein Flugblatt mitgeben liessen.
«Besonders erfreulich war die sehr durchmischte Zusammensetzung der Teilnehmenden», hebt Marianne Kürsteiner in ihrer Premieren-Bilanz das Positive hervor: «Menschen aus Muri trafen auf Migrantinnen und Migranten – sowohl solche, die bereits länger hier leben, als auch Menschen, die sich noch in einer Such- und Orientierungsphase befinden.» Genau dieser Austausch war spürbar und lebendig. Ergänzend zu den Deutschstunden, die viele Integrationswillige besuchen, ermöglicht MuriMundo den sozialen Austausch.
Thema Reisen am Samstag
Diesen Samstag geht es nun mit einem Erzählcafé zum Thema Reisen weiter. «Ausgangspunkt ist die Frage, welche Bedeutung Reisen im Leben haben – als Ferienerfahrung, als beruflicher Schritt oder als Aufbruch in ein fremdes Land», führt Marianne Kürsteiner aus. Den Auftakt bildet eine persönliche Erzählung von ihr. Danach werden sich die Teilnehmenden in kleinen Gruppen austauschen, zusammengesetzt nach unterschiedlichen Deutschniveaus. «Erzählt wird nacheinander, ohne Unterbrechen oder Korrigieren», so Kürsteiner. «Niemand ist verpflichtet, etwas zu sagen. Der Fokus liegt bewusst auf dem Zuhören und auf persönlichen Erfahrungen.» Nach einer Pause biete sich in individuellen Gesprächen Gelegenheit, an den einen oder anderen Punkt anzuknüpfen. «Ziel ist es, Begegnung zu ermöglichen und Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen miteinander ins Gespräch zu bringen», sagt Marianne Kürsteiner.
An weiteren Ideen mangelt es Muri-Mundo nicht. So kann etwa über den Alltag in der Schweiz diskutiert werden, über Musik, Filme oder Bücher. Angedacht ist ferner eine Sprachenrunde, an der bestimmte Wörter oder Sätze in die jeweiligen Sprachen der Anwesenden übersetzt werden sollen, im Sinne der gegenseitigen Verständigung. Weiter sind die Teilnehmenden aufgefordert, selber Vorschläge einzubringen. So hat eine junge Frau bereits kulturspezifische Tänze vorgeschlagen. Schnell wird klar: Der gegenseitige Austausch ist für alle Beteiligten ein Gewinn. «Ziel von MuriMundo ist es, dass sich die Teilnehmenden als Teil der Gemeinschaft und nicht nur als Gäste verstehen», betont Marianne Kürsteiner. «Sie sollen Ideen einbringen, Verantwortung übernehmen und aktiv mitgestalten können.»




