Chef im Hintergrund

Fr, 22. Okt. 2021
Der Dienstälteste im Vorstand: Mark Döbeli. Bild: zg

Ringen, Nationalliga A: Kriessern – Freiamt (Sa, 20 Uhr) – der stille Schaffer Mark Döbeli im Fokus

Aus dem Tennis ins Ringen. Aus Mellingen ins Freiamt. Mark Döbeli gehört seit fast zehn Jahren zu den prägendsten Figuren der Ringerstaffel Freiamt. Der Dienstälteste im Vorstand ist ein stiller Schaffer im Hintergrund. Der 47-Jährige aus Boswil sagt: «Die Ringerstaffel ist wie ein Kleinunternehmen. Und es gibt viel zu tun.»

Stefan Sprenger

Es ist faszinierend, wie man so viel Arbeit erledigen kann – und trotzdem kaum Aufmerksamkeit erhält. Mark Döbeli ist ein Vereinsheld, ein «Chrampfer». Aktuell ist er Aktuar, Vizepräsident, Sponsoring-Chef, Webmaster und für alles zuständig bei der RS Freiamt in Sache Büroarbeit oder wenn Technik im Spiel ist. «Die Ringer sind nicht so PC-Freaks. Ich schon», lacht Döbeli. Er sei gerne im Hintergrund. «Da bin ich gerne.»

«So hat alles angefangen»

Vor zehn Jahren geht er einfach so mal an einen Ringerkampf. Die damalige Freundin des Olympiaringers Reto Bucher war die Nachbarin von Döbeli. Sie nahm ihn mit an einen Heimkampf in Muri. «So hat alles angefangen», erklärt er. Und so hat er die Menschen bei der RS Freiamt kennengelernt. Als Aktuar wurde er in den Vorstand «gelockt». Doch nur Protokolle zu schreiben, ist nicht so sein Ding. «Ich habe schnell gemerkt, dass die Ringerstaffel Freiamt wie ein Kleinunternehmen funktioniert. Ich habe mich dessen dann angenommen», meint er augenzwinkernd. Unter dem damaligen Präsidenten Ralf Bucher genoss er freie Hand und stellte vieles auf die Beine.

Heute – fast zehn Jahre später – ist er nicht mehr wegzudenken aus dem Verein. RS-Freiamt-Präsident Nicola Küng meint: «Er leistet hervorragende Arbeit im Hintergrund. Ohne Mark könnten wir vieles nicht so umsetzen, wie wir uns das vorstellen. Er nimmt mir sehr viel Arbeit ab.» Küng wird gefragt, was Döbeli alles so erledigt. Er macht rund ein Dutzend Beispiele, sagt dann aber lachend: «Ich habe bestimmt etwas vergessen.»

Mark Döbeli bringt Ordnung in die Excel-Tabellen (der Sponsoren und Mitglieder), erledigt alle administrativen Arbeiten, macht die Ringerzeitung, kümmert sich um die Pressearbeit, kreiert eine tolle Homepage und betreut diese. Er sorgt dafür, dass an den Heimkämpfen die Technik einwandfrei funktioniert und die Sponsoren auch im besten Licht präsentiert werden. Er ist EDV-Experte, hat an den Heimkämpfen immer einen Ersatzbeamer dabei, gibt die Resultate im Liveticker ein und ist immer glücklich, wenn die Kampfuhr nicht stehen bleibt.

«Es macht Spass in diesem tollen Verein»

Viel Aufwand für eine einzelne Person. Doch Döbeli macht das enorm gern. Er meint dazu: «Die RS Freiamt ist in der Nationalliga A. Der Verein hat auch einen professionellen Auftritt abseits der Matte verdient. Und mir macht es Spass in diesem tollen Verein.» Mittlerweile ist alles einheitlich, alles geordnet. Es ist wohl nicht vermessen, wenn man sagt, dass die RS Freiamt zu den bestorganisierten Vereinen der Region gehört.

Früher ein talentierter Tennisspieler

Erstaunlich: Döbeli ist weder Ringer noch im Freiamt aufgewachsen. Er stammt aus Wohlenschwil – und orientierte sich immer in Richtung Mellingen und Baden. Als Jugendspieler spielte er Tennis. Er war sogar ein ziemlich grosses Talent und im Kader der Aargauer Auswahl. «Aber wenn ich zu viel trainieren musste, verlor ich schnell die Freude.» So ist er auch heute noch ein «Spasstennisspieler», wie er es beschreibt – und Mitglied beim Tennisclub Muri. Übrigens ist er auch dort in der Spielkommission und als Juniorentrainer tätig.

Die Region Freiamt kennt der Mann mit Jahrgang 1974 aber schon länger. Und das nicht wegen des Ringens. In der Robatech in Muri feiert er bald sein 25-Jahr-Jubiläum. Dort lernte er auch seine heutige Frau kennen: Jasmin Döbeli (früher Rey). Sie ist die Zwillingsschwester von Jenny Strebel, der Frau von Pascal Strebel, dem Teamcaptain der RS Freiamt. Apropos Strebel: So richtig wahrgenommen hat man Mark Döbeli im Vorfeld der Olympischen Spiele 2012 in London. Pascal Strebel nahm an Olympia teil – und Döbeli organisierte enorm viel im Hintergrund für den Ringer (und seinen heutigen Schwager). «Dieses Engagement öffnete mir viele Türen im Verein und machte vieles einfacher», erklärt Döbeli.

«Zu 100 Prozent Freiämter»

Mark Döbeli (der übrigens nicht mit Schwinger-Eidgenosse Andreas Döbeli verwandt ist) ist fast an jedem Kampf der Ringerstaffel Freiamt dabei. Und das seit zehn Jahren. Und so wurde er irgendwie auch zum Ringerexperten. Zumindest ein bisschen. Seine Einschätzung der aktuellen Form der Mannschaft ist erwähnenswert: «Ich habe das Gefühl, die RS Freiamt ist so stark wie selten zuvor. Das Kader ist breit. Im Vergleich zu früher könnte man auch Ausfälle besser wegstecken. Es wird enorm stark gearbeitet, und das schon seit Jahren. Das zeigen die jungen Ringer, die schon früh eine sagenhafte Qualität haben.» Zum Thema Meistertitel meint er: «Der Titel geht über Willisau. Aber wir wollen diesen Pokal unbedingt wieder.» Der Halbfinaleinzug ist gebucht. Am 20. November geht es los – der Gegner ist noch nicht klar.

Was klar ist: Döbeli will irgendwann in den nächsten Jahren etwas kürzer treten bei der RS Freiamt. Präsident Nicola Küng meint zwar: «Ich hoffe, er bleibt dem Verein noch sehr lange erhalten.» Doch Döbeli, der den Verein auf vielen Ebenen professioneller gemacht hat, meint: «Bis 2022 mache ich sicher. Dann ist es langsam Zeit, dass jüngeres Blut in den Vorstand kommt.»

Man kann wohl trotzdem sicher sein, dass Döbeli nicht ganz abtritt. Mit dem Freiamt und der Ringerstaffel wird er auf ewig verbunden bleiben. Passend sagt er auch: «Ich bin zwar nicht von hier, aber ich fühle mich zu hundert Prozent als Freiämter.»

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