CHLOSCHTER GEISCHT

Fr, 04. Jun. 2021

Leicht verdauliche Kost war der Film «Je ne te voyais pas» im Kino Mansarde nicht. Wenn der Täter eines Raubüberfalls seinem Opfer gegenübersitzt und dieses erzählt, was das Delikt auch über zwei Jahrzehnte später noch in ihm auslöst und mit ihm macht, dann nimmt das einen mit. Dann beschäftigt das einen, auch auf dem Nachhauseweg vom Kino oder in den nächsten Tagen. Nicht nur nachdenklich, sondern durchaus auch lustig, ohne aber die Ernsthaftigkeit zu verlieren, zeigte sich Marcel Ruf, Direktor der Justizvollzugsanstalt Lenzburg, der zusammen mit dem reformierten Pfarrer und Gefängnisseelsorger Hansueli Hauenstein vom Mansarde-Team eingeladen wurde. «Ich sitze seit 20 Jahren in Lenzburg», stellte er sich dem Publikum vor. Natürlich nicht in einer Zelle.


Im Zentrum des Gesprächs zwischen Ruf und Hauenstein stand die restaurative Justiz, die Täter und Opfer in einen Dialog bringen will. Ruf befürwortet es, wenn dieses Projekt ausgeweitet wird, etwa in andere Justizvollzugsanstalten. Augenzwinkernd meint er: «Wir können auch alle Männer bis zum 50. Lebensjahr einsperren. Dann hätten wir quasi keine Kriminalfälle. Mit weniger Testosteron sind wir eigentlich ganz pflegeleicht.» Alle Männer bis zum 50. Lebensjahr einsperren? Natürlich meint das Marcel Ruf nicht wirklich ernst. Vielmehr müssten Möglichkeiten gefunden werden, um Delikte – oder bei schon Verurteilten Rückfälle – zu vermeiden. Die restaurative Justiz ist ein möglicher Weg.


Bei den Bienen von Philipp Heller am Waldrand von Muri staunten die Besucher über allerlei, was der Berufsimker ihnen zu erzählen wusste. Mutige von ihnen steckten gar die Hand in die honigtriefenden Waben mitsamt Bienen hinein, um von dem süssen Saft zu kosten. «Die sind ganz friedlich», beruhigt Philipp Heller die Frauen und Männer. «Ob er denn gar nie gestochen werde?», wollten die Gäste vom Murianer wissen. «Oh doch, immer wieder mal», gibt Heller zu. «Und das tut nach wie vor höllisch weh.» An das gewöhne man sich wohl nie. Jedoch schwille die Einstichstelle nach den Jahren nicht mehr so extrem an.


Die mögliche Fusion zwischen den Gemeinden Boswil und Bünzen ist das grosse Thema in den beiden Dörfern. Am Dienstagabend sagten die Stimmbürger an beiden «Gmeinden» knapp Ja zur Genehmigung des Kredits für die vertiefte Prüfung eines Zusammenschlusses. Ein Stimmbürger aus Boswil liess sich von dieser möglichen Fusion inspirieren, auch bei der vielleicht nicht ganz ernst gemeinten Suche nach einem Namen für die fusionierte Gemeinde. «Aus Boswil und Bünzen würde ganz einfach Bonzen. Die Schlagzeilen in den Zeitungen wären uns gewiss.»


Apropos Schlagzeilen. Diese sieht auch der Boswiler Vizeammann kommen. Als Finanzverantwortlicher präsentierte er die Rechnung, die entgegen dem Budget positiv ausfiel. Gut 7,2 Millionen Franken beträgt neu das Eigenkapital der Einwohnergemeinde. «Rein theoretisch könnten wir es so machen, dass alle einmalig keine Steuern zahlen.» Da hätte der Kanton wohl deutlich etwas dagegen. Und die Frage der Sinnhaftigkeit ist auch gegeben. «Schlagzeilen gäbe es sicher», meinte Dolder. ake/sab

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