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27.01.2026 Wohlen, Baugewerbe, SchuleBauen für die Zukunft
Erweiterung der Kanti Wohlen geplant
Zwar wurde das Siegerprojekt schon eine Woche zuvor bekannt gegeben. Trotzdem zog die Vernissage zur Ausstellung der Wettbewerbsbeiträge einiges an Publikum an. Sowohl bei den ...
Bauen für die Zukunft
Erweiterung der Kanti Wohlen geplant
Zwar wurde das Siegerprojekt schon eine Woche zuvor bekannt gegeben. Trotzdem zog die Vernissage zur Ausstellung der Wettbewerbsbeiträge einiges an Publikum an. Sowohl bei den Architekturbüros, die sich für den Auftrag interessierten – 29 haben am Wettbewerb teilgenommen. Aber auch Lehrpersonen der Kanti, Anwohner und Vertreter der Politik interessierten sich für das Projekt. --red
Vernissage zur Ausstellung der Wettbewerbsbeiträge für die Erweiterung der Kanti Wohlen
Die Kanti Wohlen wird fit gemacht für die Zukunft. Sie erhält nicht nur deutlich mehr Raum, sondern auch eine neue Identität. Die Schule wird zum Campus. Diese Grundidee hat auch die Jury überzeugt, der Entscheid fiel einstimmig.
Chregi Hansen
Der Sieger stand schon vorher fest. Das Projekt «Here Comes the Sun» von Franziska / Sebastian Müller Architekten GmbH hat den Wettbewerb für die geplante und notwendige Erweiterung der Kanti Wohlen gewonnen. An der Vernissage konnten aber nun alle 29 eingereichten Arbeiten studiert werden. Zudem begründete die Jury, warum sie so entschieden hat. Und wie es nun weitergeht.
Es braucht im ganzen Kanton mehr Schulraum. Denn die Zahl der Schüler und -schülerinnen nimmt stetig zu. «Aber an der Kanti Wohlen ist der Druck besonders gross», erklärt Michael Umbricht, der Generalsekretär des BKS. Mit aktuell 850 Schülern und Schülerinnen in 40 Abteilungen ist sie völlig überbelegt – ausgerichtet ist die Schule eigentlich für 33 Abteilungen. Die Platznot soll bald zu Ende sein. Die Planung sieht einen Ausbau auf 55 Abteilungen vor – mit der Möglichkeit, später auf 66 Abteilungen zu erhöhen. «Viele fragen sich vielleicht: Gibt es genügend Schüler für so viel Raum? Ich kann beruhigen: Die Abteilungen werden wir füllen. Wenn vielleicht auch nicht nur mit Freiämtern», erklärte der Generalsekretär weiter.
Überzeugende Grundidee
Mit dem Abschluss des Wettbewerbs ist ein wichtiger Schritt getan auf dem Weg zum Ausbau. Und die Verantwortlichen sind überzeugt, das richtige Projekt ausgesucht zu haben, wie Urs Heimgartner, Leiter Immobilien und Kantonsbaumeister, erklärt. «Die gestellte Aufgabe war nicht einfach. Umso erfreulicher war es, dass alle 29 eingereichten Projekte gute Ansätze enthielten», machte er deutlich. Natürlich gebe es in diesem Stadium der Planung noch keine Perfektion, denn dafür war die Zeit zu kurz. «Es geht vor allem um die Grundidee. Wie geht man mit dem Raum um? Wie integriert man das geschützte Hauptgebäude? Lässt sich der Bau ohne teure Provisorien realisieren?», nennt Heimgartner einige Beispiele. Dass alle 29 Beträge, darunter auch einige aus dem Ausland, für den Wettbewerb zugelassen werden konnten, spreche für die hohe Qualität der Arbeiten.
Jetzt folgt der Feinschliff
Das machte die Arbeit für die Jury nicht einfach. In einem ersten Schritt wurden die 29 Beiträge auf 9 reduziert, welche in die 2. Runde kamen. «Diese wurden nochmals auf Herz und Nieren geprüft», erklärt Heimgartner. Am Schluss entschied man sich, gleich sechs Beiträge mit einem Preis auszuzeichnen – «das ist aussergewöhnlich viel», weiss der Leiter Immobilien. Der Entscheid für den Sieger fiel dann allerdings einstimmig. «Jetzt muss weitergearbeitet werden und das Ganze noch verfeinert werden», betont Heimgartner. Und die Zeit drängt, schon Ende Jahr soll die Projektierung abgeschlossen sein, sodass der Grosse Rat nächstes Jahr über den Kredit entscheiden kann. «Ziel ist, dass wir 2029 mit dem Bau beginnen und der neue Campus 2023 bezugsbereit ist», macht der Kantonsbaumeister deutlich.
Schüler brachten wertvolle Inputs in die Diskussion
Die Jury habe sehr gute Arbeit geleistet, betont Architekt Bertram Ernst, der Mitglied des Preisgerichts war. Er freute sich besonders, dass auch Schüler und Schülerinnen in der Jury vertreten waren. Diesen Umstand hebt auch Rektor Matthias Angst hervor. «Sie waren zwar nicht stimmberechtigt, aber sie haben sich sehr gut eingebracht in die Diskussionen und auf manch wichtige Punkte aufmerksam gemacht», lobt er. Besonders war laut Matthias Angst auch die Teilnahme von Astrid Staufer in der Jury. Die frühere Wohler Kantischülerin und heutige preisgekrönte Architektin (Prix Meret Oppenheim) sass einst als Schülervertreterin in der Jury, als es in den 1980er-Jahren um den Kanti-Neubau ging. «Sie hat den ganzen Prozess schon mal mitgemacht, das war sehr wertvoll», so Angst.
Bertram Ernst lobt in seiner Laudatio die Grundidee des Siegerbeitrags. Dabei wurde nicht versucht, sich an den Bestandbau anzuschliessen, sondern es wurde ein eigenständiger, campusartiger Neubau entwickelt, der sich in seiner Form eher den benachbarten Industriebauten angleicht. Zwischen Alt und Neu entsteht ein zentraler Campusplatz, der als Herzstück der Anlage fungiert und einen identitätsstiftenden, kommunikativen Mittelpunkt für die gesamte Kantonsschule schafft. «Dieser Ansatz verleiht der Gesamtanlage eine hohe räumliche Klarheit», lobt Ernst. Innerhalb des Neubaus entstehen einzelne Strukturen, die gut miteinander verbunden sind. Durch die Setzung des Gebäudes entlang der Rigackerstrasse entfaltet sich ein grosser Freiraum Richtung Bünz, der sich vielfältig nutzen lässt. Allerdings sieht sie Jury gerade in der Planung des Aussenraums noch Schwächen im Projekt, die es jetzt auszumerzen gilt. «Hier ist noch mehr möglich», so der Laudator.
Schulbetrieb erfährt nur wenige Einschränkungen
Nicht nur optisch vermag der Siegerbeitrag zu überzeugen. Hervorgehoben wird auch die Umsetzung der Nachhaltigkeits-Anforderungen, insbesondere die ressourcenschonende Materialisierung. Zum Einsatz kommt viel Holz. Und besonders erfreulich: Das Projekt weist unterdurchschnittliche Gesamtkosten auf. «Die kompakte Bauweise sorgt dafür, dass dieser Beitrag zu den kostengünstigsten gehörte», so der Preisrichter. Insbesondere der gänzliche Verzicht auf Provisorien wirkt sich kostendämpfend aus. Das freut auch Rektor Matthias Angst. «Das Projekt lässt sich so umsetzen, dass der laufende Schulbetrieb nur wenig gestört wird», sagt er.
Insgesamt stellt «Here Comes the Sun» laut Jury «einen zukunftsweisenden Beitrag dar, der die Vision eines offenen, lernfördernden und nachhaltigen Schulcampus beispielhaft einlöst». Damit wird Schulraum für die Schule von morgen geschaffen. Schulraum, der bei den Besuchern der Vernissage auf viel Interesse stösst. Die Planer durften an diesem Abend viele Fragen beantworten. Und ganz viel Lob mit nach Hause nehmen.
Nun aber sind sie gefordert, das Projekt im Detail auszuarbeiten. Dabei geht es um sehr viel Geld. Die Kosten für den Neubau werden auf rund 200 Millionen Franken geschätzt, für die Sanierung des Altbaus werden wohl weitere 40 Millionen benötigt. Geld, dass der Grosse Rat erst noch bewilligen muss. Doch Kantonsbaumeister Urs Heimgartner ist überzeugt, dass das Parlament diesen Weg mitgehen wird. «Es handelt sich hier nicht bloss um ein Gebäude, sondern um ein Zukunftsprojekt», macht er deutlich.
Die Arbeiten werden im Foyer der Kanti präsentiert. Die Ausstellung ist an folgenden Tagen von 17 bis 19 Uhr geöffnet: 27., 28., 29. und 30. Januar. 4., 5. und 6. Februar. Dazu am Samstag, 31. Januar, von 9.30 bis 11.30 Uhr und am Montag, 9. Februar, von 16 bis 19 Uhr.






