«Das Herz bleibt hier»
03.09.2024 Bremgarten«Auf einen Kaffee mit» Karin Koch Wick, Co-Präsidentin Mitte Aargau
Vor gut vier Monaten übernahm Karin Koch Wick gemeinsam mit Edith Saner das kantonale Mitte-Präsidium. Die Bremgarterin über ihren Start, die anstehenden Wahlen, politische ...
«Auf einen Kaffee mit» Karin Koch Wick, Co-Präsidentin Mitte Aargau
Vor gut vier Monaten übernahm Karin Koch Wick gemeinsam mit Edith Saner das kantonale Mitte-Präsidium. Die Bremgarterin über ihren Start, die anstehenden Wahlen, politische Rückschläge, ihre Tochter als Nachfolgerin, Zukunftsperspektiven und vieles mehr.
Marco Huwyler
Manches im Leben ändert sich rasch. Vor einem Jahr war Karin Koch Wick mitten im Stadtratswahlkampf. Nun weibeln Sie stattdessen als frischgebackene Mitte-Co-Präsidentin im ganzen Kanton um Stimmen für Ihre Partei.
Karin Koch Wick: Ja, das stimmt. Es ist einiges gegangen im letzten Jahr (lächelt). Aber ich bin die gleiche Karin geblieben, die mit Leidenschaft für ihre politischen Überzeugungen einsteht. Nun eben auf anderem Parkett.
Welcher Wahlkampf ist eigentlich anstrengender?
Aufgrund der persönlichen Betroffenheit und Emotionalität, die eine Kampfwahl in der Heimatstadt mit sich bringt, war das eindeutig der Stadtratswahlkampf. Natürlich bin ich jetzt als Co-Parteipräsidentin auch stark involviert in die Grossrats- und Regierungsratswahlen. Aber auf einer ganz anderen Ebene. Weniger im Fokus. Zudem war, als wir das Präsidium im Frühling übernommen haben, vieles schon aufgegleist. Das Parteiprogramm, die Schwerpunktthemen usw. Bei den grossen Parteien beginnt solcherlei mindestens ein Jahr vor der Wahl. Und: Die Mitte Aargau hat ein Sekretariat. Das bringt mir im Vergleich zu meinen vorigen Parteipräsidien ungewohnte Entlastung (lacht).
Was blieb und bleibt also zu tun?
Bezüglich Parteiwahlkampf waren es vor allem Koordinationsaufgaben. Vieles läuft sonst in den Bezirken. Deshalb bin ich momentan auch vor allem auf Bezirksebene engagiert (Koch Wick ist gleichzeitig Co-Präsidentin der Bezirkspartei, Anm. d. Red.). Plakate, Stände, Anlässe, Vorträge. Und primär muss ich natürlich auch schauen, dass ich selbst wieder in den Grossrat gewählt werde (lächelt).
Wie beurteilen Sie Ihre Chancen?
Sicherlich intakt. Es wird aber kein Selbstläufer. Wir sind 2020 nur knapp auf einen dritten Sitz gekommen. Deshalb ist es nicht gegeben, dass wir Bisherigen alle wiedergewählt werden. Aber natürlich bin ich optimistisch, dass wir eher zulegen als nachlassen.
Das Präsidium der Mitte Aargau haben Sie gemeinsam mit Edith Saner angetreten. Wie funktioniert diese Zusammenarbeit?
Bestens. Da kann ich nur schwärmen. Wir haben uns bereits vorher gut gekannt aus dem Grossen Rat und wussten, dass wir ähnlich ticken. Nun sind wir noch näher zusammengewachsen. Wir ergänzen uns hervorragend. Edith übernimmt innerhalb der Partei eher die Themen Gesundheit und Bildung. Ich mit meinem beruflichen Hintergrund Sicherheit und Justiz. Und für mich ist es natürlich ein Riesenvorteil, dass sie bisher bereits Vizepräsidentin war. Das vereinfacht vieles.
Wie oft sind Sie in Kontakt?
Täglich. Via Mails, Textnachrichten, telefonisch und, sooft es geht, auch persönlich. Kürzlich haben wir zueinander gesagt: Jetzt müssen wir nur endlich mal zu viert mit unseren Männern essen gehen. Das wäre nun einmal Zeit (schmunzelt).
Wie langfristig ist diese enge Zusammenarbeit eigentlich ausgelegt? Saner ist bereits sehr lange in der Politik.
Das wissen wir noch nicht. Für unsere Kantonspartei ist ein Co-Präsidium etwas Neues. Daher ist es auch ein Ausprobieren, wie sich das bewährt. Bisher sind die Erfahrungen richtig positiv. Mir gefällt das Amt und ich würde dieses gerne länger ausüben. Auch nach einem allfälligen Ausscheiden Ediths. Allenfalls dann mit jemand anderem an meiner Seite.
Gibt es für Karin Koch Wick also keine Rückkehr in die Bremgarter Lokalpolitik?
Das ist zum jetzigen Zeitpunkt noch völlig offen. Wenn ich etwas gelernt habe im letzten Jahr, dann, dass Politik nicht planbar ist.
Nun sind im Stadtrat aber bereits im nächsten Jahr Gesamterneuerungswahlen. Da machen Sie sich doch sicher Ihre Gedanken. Gibt es da noch keine Tendenz, ob Sie nochmals einen Anlauf wagen?
Nein, wirklich nicht. Die Ausgangslage ist ja noch völlig unklar. Zuerst muss man abwarten, wer wieder antritt und wie viele Sitze allenfalls frei werden. Dann, ob meine Partei überhaupt kandidiert. Das tun wir nur, wenn wir uns Chancen ausrechnen – die Nichtwahl im Vorjahr hat auch auf Parteiebene Spuren hinterlassen. Und falls ja, liegt es dann an der Parteileitung und -basis, zu entscheiden, wer der geeignetste Kandidat ist. Das muss nicht zwingend ich sein – selbst wenn ich nochmals Lust darauf hätte.
Apropos Parteileitung der Bremgarter Ortspartei. Hier übernahm mit Jacqueline Wick Ihre Tochter von ihrer Mutter. Wie kams eigentlich dazu?
Als sich das kantonale Co-Präsidium abzuzeichnen begann, war rasch klar, dass ich das Ortspräsidium abgeben würde. Die Suche nach einem Nachfolger lief eher harzig. Das habe ich auch zu Hause erzählt. Und dann hat Jacqueline gesagt: Warum habt ihr mich denn nicht gefragt?
Warum nicht?
Das habe ich mich dann auch gefragt (lacht). Schliesslich eignet sie sich mit ihrem Werdegang und ihren bisherigen Ämtern und Engagements wirklich gut. Und als ich Jacqueline fragte, ob sie das denn gerne machen würde, habe ich sofort einen Enthusiasmus dafür gespürt. Genau jenen braucht es auch. Dann haben wir den Vorschlag eingebracht. Und Jacqueline überzeugte schnell auch den Rest der Partei.
Führt die Tochter nahtlos die Arbeit ihrer Mutter weiter?
Inhaltlich sind wir sicher sehr ähnlich. Allenfalls ist die Gewichtung etwas anders. Sie legt den Fokus eher auf jüngere Themen. Das tut der Partei gut. Und charakterlich ist Jacqueline noch taffer als ich. Schneller entschlossen. Voll fokussiert auf ihren Weg und ihre Überzeugungen. Das kommt ihr sicher zugute.
Rund ein halbes Jahr ist diese Wachablösung nun her. Vermissen Sie die Lokalpolitik schon?
Ich bin ehrlich gesagt sehr froh, nun mal etwas Distanz zu haben. Es passt vom Zeitpunkt her ganz gut. Als nicht gewählte Stadtratskandidatin ständig ihren Senf dazuzugeben, fände ich nicht optimal. Aber ich verfolge das Geschehen im Städtli nach wie vor sehr genau. In der Zeitung – und am Familientisch. Was in Bremgarten passiert, interessiert und bewegt mich. Hier bleibt mein Herz, denn hier bin ich zu Hause. Aber ich bin jetzt einstweilen ein normales Parteimitglied und fühle mich sehr wohl damit.
Wie werden Sie eigentlich im Städtli wahrgenommen und angesprochen seit der Ersatzwahl im Vorjahr? Spürt man da noch etwas?
Ich werde noch oft darauf angesprochen. Meistens im Stil von: «Ich hoffe, du kommst wieder» (schmunzelt). Das Ganze ist also immer noch stark in den Köpfen. Für mich ist es aber abgehakt. Ich habe gemacht, was ich konnte. Und habe mich nun einer anderen politischen Aufgabe zugewandt, die bedeutsam ist und die mich erfüllt. Auch langfristig. Politik ist auf kantonaler Ebene anspruchsvoller, komplexer, verzwickter. Das macht es zwar schwieriger, aber auch sehr interessant.
Bezüglich Zukunft: Ein Stadtratsamt wäre das eine. Ein Kantonalpräsidium erwies sich aber schon oft auch als gutes Sprungbrett nach Bundesbern.
Das stimmt. Das ist eine Möglichkeit, die ich sicher nicht ausschliessen möchte. Aber nicht eine, die ich im Hinterkopf hatte, als ich das Amt übernahm. Im Moment habe ich einfach Freude an der Herausforderung als Co-Kantonalpräsidentin einer grossen Partei. Im Zusammenspiel mit meiner Funktion als Grossrätin kann ich dort viel bewegen. Darauf habe ich weiterhin grosse Lust. Und deshalb gilt es nun, den vollen Fokus darauf zu legen, auch weiterhin diese beiden Ämter ausüben zu dürfen. Alles andere wird die Zukunft weisen.
Zur Person
Karin Koch Wick ist 56 Jahre alt, Mutter von drei Kindern, Rechtsanwältin und ausgebildete Mediatorin. Seit 2019 ist sie Mitglied des Grossen Rates. Koch Wick ist Co-Präsidentin der Mitte des Bezirks Bremgarten und seit dem 23. April dieses Jahres Co-Präsidentin der Mitte Aargau. Aktuell ist sie zudem Vizepräsidentin des Stiftungsrates der St. Josef-Stiftung, Vorstandsmitglied des Freiämter Hauseigentümerverbands und Stiftungsrätin der Stiftung Reusstal. In Bremgarten ist Koch Wick seit über 30 Jahren politisch aktiv in zahlreichen verschiedenen Ämtern und Funktionen. Vergangenes Jahr kandidierte sie in der Ersatzwahl für ihren Parteikollegen Theo Rau für den Bremgarter Stadtrat und unterlag dort Stephan Troxler. --huy