Das Herz im Wasser
04.04.2025 SportSchwimmen: Mit Hussain Adel ist ein ehemaliger Spitzenschwimmer jetzt Trainer beim SCRB
Hussain Adel ist in Kuwait aufgewachsen und hat in den USA studiert. Jetzt lebt er in Bremgarten. Durch den Sport will er Sprache und Kultur besser kennenlernen und sich so schnell wie ...
Schwimmen: Mit Hussain Adel ist ein ehemaliger Spitzenschwimmer jetzt Trainer beim SCRB
Hussain Adel ist in Kuwait aufgewachsen und hat in den USA studiert. Jetzt lebt er in Bremgarten. Durch den Sport will er Sprache und Kultur besser kennenlernen und sich so schnell wie möglich integrieren. Deshalb engagiert er sich als Trainer beim Schwimmclub Region Bremgarten SCRB.
Josip Lasic
Ein sympathischer junger Mann sitzt im Café «LieblingsEgge» in Bremgarten und geniesst das schöne Wetter in der Reussstadt. Auch die Nachbartische sind gut besetzt. Die Frühlingssonne hat die Menschen an die frische Luft gelockt. Sie geniessen ihre Getränke, ohne zu wissen, was für ein Spitzensportler nur wenige Zentimeter von ihnen entfernt sitzt.
Der sympathische junge Mann heisst Hussain Adel und ist ehemaliger Profi-Schwimmer. In seinem Lebenslauf stehen unter anderem Teilnahmen an den Asian Youth Games 2013 in China und an der Trofeo Settecolli in Italien im Jahr 2017. Letztere gilt als der älteste Schwimmwetkampf der Welt. Er gewann eine Silbermedaille in der Lagenstaffel an den Arabischen Junioren-Meisterschaften, war in der Golfregion über fünf Jahre einer der besten drei Schwimmer und absolvierte mehrere erfolgreiche Wettkämpfe im amerikanischen Universitätssport. Ursprünglich kommt der Sportler aus Kuwait.
Die Liebe hat ihn nach Bremgarten gebracht. Er ist seit zwei Jahren mit einer Schweizerin verheiratet, die er während seines Studiums in den USA kennengelernt hat. «Sie stammt ursprünglich aus dem Kanton Obwalden, hat aber lange in Zürich gelebt und ist vor rund drei Jahren nach Bremgarten gezogen. Jetzt leben wir hier zusammen.»
Er begeistert im ganzen Verein
Seit vergangenem Dezember ist Adel Teil des Trainerteams beim Schwimmclub Region Bremgarten. Für den Verein ein Glücksfall, dass sie einen Mann mit seiner Erfahrung für sich gewinnen konnten. SCRB-Präsidentin Kristina Weikum sagt: «Wir bekommen sehr positives Feedback. Mit seiner offenen Art und seiner Professionalität begeistert er alle von klein bis gross.» Der Athlet trainiert im Verein die Breitensport- und Wettkampfgruppen der Jugend sowie der Junioren. Ausserdem leitet er Schwimmkurse für Erwachsene. «Er ist sehr nett, offen und engagiert. Man spürt, dass ihm der Schwimmsport am Herzen liegt und er kann andere dafür begeistern und motivieren.»
Der 28-Jährige betrachtet sein Engagement beim SCRB als Gewinn für beide Seiten. «Ich möchte mich so schnell wie möglich integrieren. Deswegen bin ich mehreren Vereinen beigetreten. Unter anderem habe ich in Bremgarten das Rudern ausprobiert. Daneben habe ich mir Schwimmvereine in Zürich angesehen. Da ich aber in Bremgarten wohne, wollte ich meine Erfahrung im Schwimmsport in die Gemeinschaft einbringen, in der ich lebe. So kam ich zum SCRB.»
Allen Wünschen gerecht werden
Für Adel, der als Finanzanalyst bei General Motors arbeitet, ist der Sport der beste Weg, um Kontakte zu knüpfen und zu pflegen – und ebenso die Sprache besser zu lernen. Momentan kommuniziert er lieber auf englisch. «Aber es funktioniert immer besser auf deutsch. Am Anfang war es echt schwierig, sich zu verständigen. Ich konnte allein nicht mal einkaufen gehen.»
Dabei hat ihm besonders die Trainingsleitung bei den Kindern geholfen. «Mit ihnen konnte ich üben, auf deutsch zu kommunizieren, ohne dass ich besonders schwierige Wörter benötigt hätte. Es ging da mehr darum, zu zählen oder ihnen zu erklären, was für Trainingsutensilien wir benötigen. Das war für mich eine gute Übung.»
Er findet es spannend, den verschiedenen Gruppen im Verein gerecht zu werden. «Wir haben Jugendliche im Club, die sich für die Schweizer Meisterschaften qualifizieren wollen. Auf der anderen Seite gibt es Erwachsene, die schwimmen lernen wollen oder sich lediglich fit halten. Das Ziel ist, dass ich jedem das geben kann, was er braucht.»
Schwimmen statt boxen
Steht ihm dabei seine Profivergangenheit im Weg? Schliesslich ist er sich Spitzensport gewohnt und keinen Breitensport? «In jedem Bereich, in dem man ein Spezialist wird, muss man zuerst die anderen Phasen durchlaufen», sagt er. Adel erzählt, wie er als Kind in Kuwait zum Schwimmsport kam. Seine Eltern liessen ihn mehrere Sportarten ausprobieren. Am besten gefielen ihm Schwimmen und Boxen. «Nach dem Boxtraining hatte ich aber stets Schmerzen», sagt er lachend. «Also habe ich mich aufs Schwimmen fokussiert. Doch der Weg zum Spitzenathlet ist nicht leicht. Man muss sich täglich über seine Grenzen hinaus pushen. Ich hatte auch nicht immer Lust darauf. Doch irgendwann konnte ich mich immer besser darauf einlassen, weil ich wusste, dass der Erfolg umso schöner sein wird, wenn ich durchbeisse.»
Der Spitzensportler kann sich also in jeden Athleten einfühlen. Egal, welches Ziel dieser verfolgt. «Jeder möchte lieber Spass haben. Wenn ich eine Gruppe trainiere, die sich auf die Meisterschaft fokussiert, und daneben ist eine Gruppe, die gerade etwas Spielerisches macht, ist das eine Herausforderung. Diejenigen, die intensiv trainieren müssen, würden in dem Moment auch lieber spielen. Es liegt an mir als Trainer, ihnen klar zu machen, dass sie sich in dem Moment fokussieren müssen und nach den Wettkämpfen dann geniessen können.» Die Fähigkeit, sich anzupassen, sieht Adel als enorm wichtig in seiner Rolle als Trainer an. «Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Erfolg zu haben. Es gibt Athleten, die jahrelang stagnieren. Dann ändert man etwas an den Trainingsmethoden oder der Technik und sie machen einen grossen Sprung nach vorne. Der Schlüssel liegt darin, den richtigen Zugang zu jedem Einzelnen zu finden und verstehen, was er benötigt.»
Iron Man Triathlon als sportliches Ziel
Den richtigen Zugang musste er auch zu den Menschen in der Schweiz finden. Adel, der in diversen Staaten im arabischen Raum und danach in den USA gelebt hat, ist sich gewohnt, sich in ein neues Umfeld zu integrieren. Trotzdem war die Schweiz kulturell etwas komplett anderes. «Schweizer sind etwas verschlossener und zurückhaltender. In arabischen Staaten ist es beispielsweise gang und gäbe, über das Einkommen zu sprechen, während hierzulande darüber geschwiegen wird. In der Schweiz dauert es auch länger als in den USA, bis man Freunde findet. Ich bin jedoch ambitioniert, dazuzulernen. Ich möchte die Kultur und das Leben hier verstehen und neue Kontakte knüpfen. Man darf mich auch für privaten Schwimmunterricht anschreiben.»
Auch sportlich bleibt der Schwimmer ambitioniert. Er sagt, dass neben seiner Tätigkeit als Trainer und dem Berufsleben nicht mehr so viel Zeit für die Vorbereitung auf grosse internationale Wettkämpfe bleibt wie während seines Studiums. Dafür nimmt er im Juli am Iron Man Triathlon in Thun teil. «Meine Frau ist im Laufen und auf dem Fahrrad stärker und hilft mir bei der Vorbereitung.» Er hofft, dass seine Teilnahme dem Ansehen des SCRB nutzt. Hussain Adel hat den Verein bereits ins Herz geschlossen und hofft, dass er einige künftige Spitzenschwimmer ausbilden darf, die seinen Spuren folgen.