Das Kloster und sein Wald
27.03.2026 MuriKloster – ist auch Forstgeschichte
Zum 1000-Jahr-Jubiläum ihres Klosters will die Ortsbürgergemeinde der Bevölkerung von Muri einen Skulpturenweg schenken. Das entsprechende Konzept hat Förster Linus Staubli erarbeitet. Der Weg führt von der ...
Kloster – ist auch Forstgeschichte
Zum 1000-Jahr-Jubiläum ihres Klosters will die Ortsbürgergemeinde der Bevölkerung von Muri einen Skulpturenweg schenken. Das entsprechende Konzept hat Förster Linus Staubli erarbeitet. Der Weg führt von der reformierten Kirche dem Weinberg und dem Waldrand entlang gen Süden und in einer Schlaufe im Wald zurück. An den Stationen wird allerlei Informatives geboten über das Kloster, das mit dem Wald eng verbunden war. --tst Cool. Modern. Erfrischend.
Zum Erholungskonzept Maiholzwald Muri steuert die Ortsbürgergemeinde einen Skulpturenweg bei
Im Maiholzwald sollen Interessierte künftig auf einem Rundweg einen Abriss über die Klostergeschichte erhalten. Der Fokus liegt dabei auf den Verbindungen zum Wald und zur Holzbearbeitung.
Thomas Stöckli
Es gilt als grösster Kuppelzentralbau der Schweiz, das Oktogon der Klosterkirche Muri. Die tragenden Elemente wurden aus Holz gefertigt. Doch wie kam das Bauholz dahin? Das soll der Skulpturenweg am Rand des Maiholzwalds künftig aufzeigen, vom stehenden Baum über den Holztransport mit Pferden und die verschiedenen Bearbeitungsschritte bis zum verbauten Balken. Oder bis zu den kunstvoll geschnitzten Verzierungen des Chorgestühls. Und nicht nur das: Thema sind allgemein die Zusammenhänge zwischen dem Kloster und dem ehemaligen Klosterwald.
Natur und Kultur
Vom Parkplatz der reformierten Kirche führt der durch Wegweiser ausgeschilderte Rundweg dem Rebberg entlang südwärts, vorbei am Merzenstein. «Diese Route ermöglicht den bestmöglichen Blick auf das Kloster», begründet Linus Staubli von WaldFokus, der in Absprache mit Forstbetriebsleiter Oliver Eichenberger für die Projektierung verantwortlich ist. Nach knapp 600 Metern knickt der Weg ostwärts ab, zur Douglasien-Allee und Richtung Quartier Fahrweid, zurück zum Ausgangspunkt. Nebst informativen Tafeln zu den Skulpturen werden den Ausflüglern via QR-Codes Audio-Dateien zugänglich gemacht.
Rund sieben bis zehn Holzskulpturen sollen am Rundweg platziert werden, je rund zwei Meter hoch und mehrheitlich mit der Kettensäge «geschnitzt». Wobei auch die Natur als «Künstlerin» vertreten sein wird: Zum Thema «Waldfrevel» sei etwa ein Wurzelstock vorgesehen, der «zunderobsi» aus dem Boden rage, so Staubli. Als weiteres Thema ist die Klostergründung durch Ita von Lothringen und ihren Ehemann, Graf Radbot, im Jahr 1027 angedacht. Zur damaligen Stiftung gehörten nebst der Pfarrkirche, Äckern und Wiesen eben auch Waldflächen. Und diese Waldflächen pflegte das Kloster auch, nicht zuletzt, um sich Bauholz für seine Weiterentwicklung zu sichern. Derweil wurden hier sonst die guten Landwirtschaftsböden schon im Spätmittelalter gerodet: «Das Oberfreiamt weist heute den geringsten Waldanteil im Aargau auf», so Linus Staubli.
Nachhaltig und regional
Thematisiert werden soll am Skulpturenweg auch die alte Tradition der Weinproduktion und des Weinhandels. Der Rebberg der Ortsbürgergemeinde wurde zwar erst 1971 angelegt. Das Kloster importierte allerdings Wein aus umliegenden Regionen und besass selbst verschiedene Weingüter, etwa im heutigen Bad Bellingen, Deutschland.
Mit dem Aufhebungsbeschluss des Grossen Rats endet 1841 die eigentliche Klostergeschichte, der Skulpturenweg wird diesem Schnitt ebenfalls eine Station widmen, um dann in die Gegenwart überzuleiten. Es geht um moderne Nachhaltigkeit – und die Vorreiterrolle der Klöster auf dem Weg dahin. Namentlich die Klöster waren es, die in langfristigem Fokus darauf achteten, für Bauholzreserven in unmittelbarer Nähe zu sorgen, um aufwendige und somit teure Transportwege möglichst kurz zu halten. Was damals logisch war, wird heute wieder vermehrt bewusst: Der Vorteil von regionalen Ressourcen. «Langfristig ist es am wirtschaftlichsten, nur diejenige Menge zu nutzen, die in einem Wald gesamthaft gesehen nachwächst», bringt Linus Staubli den Kern der nachhaltigen Holzproduktion auf den Punkt: «Es geht darum, vom Zins zu leben und nicht von der bestehenden Substanz.»
Wald der Zukunft
Nebst der Nutzung prägen auch andere Faktoren den Wald der Zukunft. Die Rede ist von Schädlingsdruck, allen voran sei hier der Borkenkäfer erwähnt, aber auch vom Klimawandel. Anstelle von Nadelbaum-Dominanz wird demnach heute ein artenreicher Mischwald angestrebt, wobei trockenheitsresistente Baumarten den Vorzug erhalten.
Das Erholungskonzept Maiholzwald plant eine Attraktivitätssteigerung am Waldrand, um andere Bereiche vom Naherholungsdruck zu entlasten. Es sieht neben dem Skulpturenweg der Ortsbürgergemeinde zwei weitere Massnahmen vor, die von der Einwohnergemeinde getragen werden: einen Erlebnispfad als Lernort Wald und Natur im Bereich des ehemaligen Pflanzgartens beim Forstwerkhof sowie einen Bereich für Aschebestattungen im Wald, gekennzeichnet durch einen Gedenkstein. Damit soll dem Bedürfnis aus der Murianer Bevölkerung entsprochen werden, in der Natur die letzte Ruhe finden zu dürfen.
Rund 177 000 Franken lässt sich Muri die verschiedenen Aufwertungsmassnahmen am Rand des Maiholzwalds kosten. Dazu kommen jährlich wiederkehrende Auslagen von knapp 15 000 Franken. Erklärtes Ziel ist es, die Projekte bis ins Klosterjubiläumsjahr 2027 umsetzen und der Bevölkerung übergeben zu können. Geschichte


