Das Velo-Dilemma

Di, 13. Apr. 2021
Nachschub zu bekommen, sei schwierig, erzählt Adrian Nyffenegger. Seit November 2020 führt er in Muri das Velogeschäft Rad79. Er verkauft Fahrräder und repariert sie auch. Bilder: Susanne Schild / Sabrina Salm

In der Coronazeit ist die Nachfrage nach Velos stark gestiegen – auch in Muri

Seit dem letzten Jahr findet ein regelrechter Velo-Boom statt. Dass immer mehr Menschen ein Velo kaufen wollen, bestätigen auch die Veloverkäufer in Muri. Zweiräder gehen weg wie warme Weggli. Doch Lieferengpässe trüben die Euphorie der Händler und der künftigen Velobesitzer.

Sabrina Salm

Velofahren ist gut für die Gesundheit, schont die Umwelt und viele Menschen schätzen die Unabhängigkeit, die ein Velo bietet. Längst ist es nicht nur für sportliche Aktivitäten zu nutzen. Dank den E-Bikes kann jeder auf dem Zweirad auch steile Hänge mühelos hinauffahren. Seit einigen Jahren ist ein Velo-Boom in der Schweiz spürbar. Doch seit dem letzten Frühjahr ist die Nachfrage nach Velos exponentiell gestiegen.

Nicht genügend Ware vorhanden

«Die Pandemie hat viele Leute auf das Velo gebracht», sagt etwa Markus Huwiler, Inhaber von Huwiler-Sport in Muri. «Das ist eigentlich eine sehr schöne Entwicklung. Doch es ist schon derart schön, dass es eben nicht mehr schön ist.» Denn das Dilemma an der starken Nachfrage: Es ist nicht genügend Ware verfügbar.

Wer sein Wunschvelo möchte, dem empfiehlt Huwiler, so früh wie möglich zu bestellen. Hunderte Velos seien momentan in der Rückstandsliste. Bis zu zwei Jahre dauern die Lieferfristen. Die Kunden müssen sich in Geduld üben oder ihre Vorstellungen etwas öffnen. Alle Segmente von Kinder- über Jugend- und Erwachsenen-Velos, ob mit oder ohne Motor, seien betroffen. Gemischte Gefühle hat auch Adrian Nyffenegger, der Inhaber von Rad79 an der Dorfstrasse. Er freut sich über die grosse Beliebtheit der Velos. Doch auch er hat Engpässe beim Nachschub an neuen Zweirädern. Etwas entspannter ist Philipp Lötscher, der Inhaber der Lötscher Moto Velo GmbH an der Grindelstrasse. «Die Nachfrage ist aktuell sehr hoch», sagt Philipp Lötscher. «Glücklicherweise sind nächste Liefertermine für Mai dieses Jahres zugesagt.» Die Lieferschwierigkeiten, sowohl für Ersatzteile wie auch für bestimmte Modelle, seien jedoch auch für ihn ein Thema. Mehrere Gründe sind für diese Verzögerungen verantwortlich.


Nachfrage gross – Nachschub fehlt

Die Coronakrise ist gleichzeitig Fluch und Segen für die Velobranche – drei Velohändler erzählen

Alles fährt Velo. Schon seit einigen Jahren kann man einen Velo-Boom verzeichnen. Doch seit der Pandemie ist die Lust auf Zweiräder nochmals gestiegen. Und wegen der Krise stehen die Lieferungen für Velos und Zubehör vor grossen Herausforderungen.

Sabrina Salm

«Die zu Beginn dieses Jahres angelieferten Bikes sind sehr schnell verkauft worden», sagt Philipp Lötscher, Inhaber Lötscher Moto Velo GmbH in Muri. «Sie gingen weg wie warme Weggli.» Auch Adrian Nyffenegger von Rad79 merkt die extreme Nachfrage. «Definitiv, die Kunden wollen kaufen», sagt er, der im November 2020 seine Leidenschaft zum Beruf gemacht hat und in Muri ein Velogeschäft eröffnet hat. «Leider aber wollen sie in der Regel das, was nicht da ist.» Und auch Markus Huwiler, Geschäftsführer von Huwiler-Sport an der Aettenbergstrasse, meint zur hohen Nachfrage nach Velos: «Ein leidiges Thema. Wir könnten Velos am Laufmeter verkaufen, doch man bekommt fast keine mehr.»

Engpässe in allen Segmenten

Alle drei Velohändler sind sich einig, dass die Coronapandemie und die damit getroffenen Massnahmen im Lockdown zum Velo-Boom beigetragen haben. Auf dem Velo kommt man nicht so nah in Kontakt mit anderen Leuten und man bewegt sich draussen. Dank den E-Bikes kann praktisch jeder ohne Mühe einen Berg hochfahren und längere Touren meistern. «Speziell gefragt sind zurzeit E-Bikes», so Philipp Lötscher. «Die Entwicklung der Elektroantriebe für Bikes hat in den letzten Jahren einen technologischen Schub durchgemacht. So sind mit leistungsfähigeren Akkus immer grössere Reichweiten möglich.» Aber auch in anderen Segmenten kommt es zu Lieferengpässen. «Es erstreckt sich über alle Segmente. Vom motorisierten über das nicht motorisierte Velo zu Kinderbikes bis zu Jugendvelos, von günstig bis teuer», so Markus Huwiler.

Ein Rattenschwanz

«Auch die Lieferung von Ersatzteilen wird langsam, aber sicher happig», ergänzt Adrian Nyffenegger. Er merke das enorm. «Der Nachschub fehlt.» Es sei eben nicht nur abhängig von der Marke, sondern auch vom Rahmenbau. «Teile für das Velo zu bekommen, ist schier unmöglich», so Markus Huwiler. Über 90 Prozent der Velos werden in Asien produziert. Wegen der Coronakrise wurde weniger produziert. Das sei der Grund für die langen Lieferfristen. Diese hätten die Bestellbücher doppelt so voll gemacht, doch die Produktionskapazität könne man nicht so schnell herauffahren, weiss Markus Huwiler. Zwar läuft die asiatische Wirtschaft wieder. Doch es klemmt auch bei den Frachtschiffen. Transportkosten seien gestiegen. Markus Huwiler: «Die ganzen Lieferketten sind durch Corona durcheinandergeraten. Ein richtiger Rattenschwanz, der sich nachzieht.» Für Velos bedeutet das, bei jedem Verarbeitungsschritt dauert es länger. Es hängt irgendwie alles zusammen und am Ende der Kette sei der Verkäufer. Und nicht nur in der Schweiz, sondern auf der ganzen Welt werden Velos gebraucht. «Wir geben uns Mühe, dem Kunden sein Wunschvelo oder eine Alternative zu bieten.» Er rät solchen, die ein Velo möchten, es mit dem Verkäufer anzuschauen und schnell zu reservieren.

Das Dilemma in der Velobranche werde sich noch einige Zeit durchziehen, meint Adrian Nyffenegger. Und er prophezeit: «In ein bis zwei Jahren wird es dann vermutlich viele Occasionen auf dem Markt haben.»

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