Defilee der vierbeinigen Missen
03.04.2024 MuriDie Schönsten gekürt
Die Viehschau des Braunviehzuchtvereins Freiamt in Muri weckte Erinnerungen
Aus 103 Tieren wurden am Ostermontag die Missen des Freiamts gewählt und dabei Zuchterfolge gefeiert.
...Die Schönsten gekürt
Die Viehschau des Braunviehzuchtvereins Freiamt in Muri weckte Erinnerungen
Aus 103 Tieren wurden am Ostermontag die Missen des Freiamts gewählt und dabei Zuchterfolge gefeiert.
Thomas Stöckli
Die Familie Müller hat ihren Wilihof herausgeputzt. Dicht gedrängt stehen die Besucher um den Platz, auf dem die Rinder und gestandenen Kühe im Kreis geführt werden. Einige mit stoischer Eleganz, andere versuchen mit frechen Sprüngen auszubrechen, während sich die Gemütlichsten mit gutem Zureden allein nicht vom Fleck rühren. Hier braucht es ein Ziehen am Halfter oder einen Klaps aufs Hinterteil.
Zehn Jahre ist es her, seit der Braunviehzuchtverein Freiamt sein Zehn-Jahr-Jubiläum mit einer grossen Viehausstellung in Birri gefeiert hat. Am Ostermontag wurde nun zum 20. Geburtstag in Muri an diesen Erfolg angeknüpft. Die Landwirte nutzen die Gelegenheit, fachsimpeln mit bestem Blick am Zaun oder gemütlich in der zur Festwirtschaft aufgerüsteten Remise direkt daneben. Die Kühe stehen an der Viehschau im Zentrum, ihnen gehört die Aufmerksamkeit, sie werden gestylt und im besten Licht präsentiert. Aber nicht nur sie. Der Anlass dient dem Austausch und der Geselligkeit. Die Zeiten, in denen jede Gemeinde ihren eigenen Zuchtverein hatte und landauf, landab Viehschauen stattfinden, sind zwar längst vorbei. Und doch vermag sich kaum jemand dem nostalgischen Charme dieser Veranstaltung zu entziehen.
Mit einer Viehschau hat der Braunviehzuchtverein Freiamt sein 20-jähriges Bestehen gefeiert
Alle zehn Jahre eine Viehschau. Diesen Rhythmus zieht der Braunviehzuchtverein Freiamt durch. Der zweite runde Geburtstag wurde am Ostermontag auf dem Wilihof in Muri gefeiert.
Thomas Stöckli
Schon vor der Mittagspause sind die ersten Missen gekürt. Von «starkem Fundament» und «sehr guter Euteranlage» war über den Lautsprecher die Jurorenwertung zu hören, als sich die schönsten Rinder aus den drei vorgängig jurierten Abteilungen nach dem finalen Defilee im Strohring der Ausmarchung stellten. Das Rennen machte schliesslich die Nummer 4: Anabelle aus dem Stall von Hanspeter Huber, Boswil, Präsident des Braunviehzuchtvereins Freiamt. Den nächsten Nachwuchspreis, jenen der «Miss Erstmelk», angelte sich Jonda aus dem Stall von Adrian Würsch, Anglikon.
Quantität und Qualität
103 Tiere waren auf dem Wilihof, ausgangs Muri gegen Boswil gelegen, zur Jubiläumsschau aufgefahren worden. «Wir sind positiv überrascht», so der Präsident des Zuchtvereins, der heuer sein 20-jähriges Bestehen feiert. Und damit meint Huber nicht nur die Quantität: «Für eine Vereinsschau ist die Qualität sehr hoch», hielt er fest.
Bevor sich die Kandidatinnen der Jurierung stellen, wird nichts dem Zufall überlassen. Das reicht von der Schur des Fells bis zum letzten Schliff unmittelbar vor dem Auftritt. Hier wird noch ein Hinterteil abgewischt, da noch ein Schwanz mit der Bürste aufgebauscht. Die Prozedur, am Halfter durch den Ring geführt zu werden, ist für die Kühe ungewohnt. Entsprechend nervös agieren sie. Manchen kann es nicht schnell genug gehen, während andere sich nicht vom Fleck rühren wollen.
Fokus auf Euter und Format
Beim Aufstellen achten die Vorführenden, dass ihr Tier gerade steht, lassen es je nachdem noch einen Schritt nach vorn oder nach hinten machen, korrigieren die Beinstellung, um ihr Tier mit geradem Rücken in möglichst vorteilhafter Pose zu demonstrieren. Der Kennerblick erfasst das Format, die obere Linie, den Winkel des Sprunggelenks sowie den besonders wichtigen Euterbereich. Hier sind Breite und straffe Aufhängung sowie Drüsigkeit gefragt. Am meisten überzeugt hat da offenbar die Kuh Bella. Damit ging nach dem «Miss Rind»- auch der Schöneuter-Preis an den Landwirtschaftsbetrieb des Präsidenten des Braunviehzuchtvereins Freiamt.
Nicht nur fürs Auge
Ebenfalls zwei Auszeichnungen durften Paul und Ursula Strebel aus Boswil feiern. Ihre Alissa wurde mit dem Titel «Miss Genetics» ausgezeichnet, Latina zur «Miss Freiamt» gekürt. Im Betriebscup, in dem es darum geht, drei Kühe zu präsentieren, die nicht nur schön, sondern auch möglichst einheitlich daherkommen, hatte schliesslich Thomas Wetzstein, Buttwil, die Nase vorn.
Mit elf Tieren stellten sich auch die Gastgeber Susanne und Hanspeter Müller der Konkurrenz. Dies obwohl auf ihrem Wilihof der Fokus mehr auf der Lebensleistung als auf der Schönheit liegt. «Das ist unsere Betriebsspezialität», sagt Hanspeter Müller. Passend zum 20-Jahr-Jubiläum des Braunviehzuchtvereins durfte er sich über seine 20. Kuh mit einer Lebensleistung von über 100 000 Litern Milch freuen.
Geselligkeit ist auch wichtig
Dass die Jubiläumsschau auf dem Wilihof in Muri durchgeführt werden durfte, bezeichnet Hanspeter Huber als Glücksfall: «Er ist sehr gut gelegen und bietet eine ideale Infrastruktur – auch für die Festwirtschaft.»
Vom grossen Aufwand, der mit der Gastgeberrolle verbunden ist, liessen sich Susanne und Hanspeter Müller nicht abschrecken: «Es ist uns eine Ehre und eine Bereicherung», halten sie fest. Damit der Braunviehzuchtverein seine Gäste im Warmen bewirten kann, haben sie den ganzen Maschinenpark aus der Remise ausgeräumt. «Zumindest haben wir so wieder mal aufgeräumt», sagt Susanne Müller und lacht.
Gelacht wird auch an den Festbänken viel. Nicht alle sind primär wegen der Kühe hier. Viele schätzen den Austausch über landwirtschaftliche und andere Themen. Oder schlicht das gemütliche Beisammensein.