Dem Ruf der Einsamkeit gefolgt
24.02.2026 Muri, KircheAnnemarie Kölliker, Sins, führte die rund 50 Besucher mit ihrem Reisevortrag in den hohen Norden
Im reformierten Kirchgemeindehaus in Muri nahm die erfahrene Reisejournalistin ihre Gäste mit auf drei Reisen in den Norden. Den Yukon-Fluss hoch, an der ...
Annemarie Kölliker, Sins, führte die rund 50 Besucher mit ihrem Reisevortrag in den hohen Norden
Im reformierten Kirchgemeindehaus in Muri nahm die erfahrene Reisejournalistin ihre Gäste mit auf drei Reisen in den Norden. Den Yukon-Fluss hoch, an der Küste Grönlands entlang und eine winterliche Reise nach Finnland standen auf dem Programm. Alle der Reisen bieten traumhafte Landschaften weg vom Massentourismus.
Verena Anna Wigger
Die Kontraste könnten schöner nicht sein. Statt überfüllter Plätze und verstopfter Strassen endlose Naturlandschaften mit Hügeln, Felsen und Natur pur, dazu das Lichtschauspiel der Natur im Norden. Sie sind die Grundsteine für einen interessanten Reisevortrag. Auch der Ruf, dass Annemarie Kölliker und Roberto Saibene erfahrene Reisejournalisten sind, hat zur Freude der Präsidentin des Reformierten Frauenvereins, Claudia Marfurt, zahlreiche Gäste zum Vortragsabend geführt. Die beiden Globetrotter sind bekannt, dass sie professionelle Reisevorträge bieten, ohne dem Kommerz zu verfallen.
Gruppenreise an den Yukon
Die Gruppe reiste via Tonbildschau dem Yukon-Fluss entlang. So, wie dies drei Jahre zuvor die beiden Journalisten mit ihrem Camper vom Pazifik bis an den Arktischen Ozean unternommen haben. Sie haben sich diese Destinationen ausgesucht, da sie noch ursprünglich erhalten seien. Dazu bieten die Rocky Mountains und der Klondike Highway beschwerliche, aber sehenswerte Landschaften. Denn hier handle es sich um eine Gegend, die vor allem durch den Goldrausch bekannt wurde. Davon zeugen heute noch grosse Steinmoränen, welche die Gegend prägen. Kölliker erzählt, dass es sich hier um eine wunderschöne Natur handelt. Dies widerspiegelt sich in den unwahrscheinlich vielen filigranen Blumen. Sie präsentieren sich in leuchtenden Farben und mannigfaltigen Formen, welche die Vegetation entlang des Flusses bereichern. Doch nur schön ist es nicht. Denn in der Region leben auch viele Bären, vor denen gelte es sich in Acht zu nehmen.
Fluss statt Strasse für den Transport
Sie erzählt, wie sie mit ihrem Allradcamper unterwegs über Schotterstrassen waren, manchmal sehr langsam. Denn die Schlaglöcher seien so zahlreich und gross gewesen, dass es für sie eine reine Überlebensstrategie gewesen sei. Das habe ihnen wiederum die Möglichkeit geboten, die schönen Wälder und Seen zu bestaunen. Und immer wieder den gewaltigen Fluss, der ein wichtiger Transportweg ist, in einem Land, das über keine Strassen verfügt. «Manchmal tobt er bedrohlich», berichtet Kölliker, als das Bild der Fünf-Finger-Stromschnellen zu sehen ist. Dort hätten viele Menschen ihr Leben gelassen, berichtet sie.
Es ging weiter auf der Reise und sie erreichten Dawson City. Die Stadt ist bekannt aus vielen Westernfilmen. Hier bestehen noch historische Bauten, wie die Bank in Dawson. Die Journalistin erzählt, dass hier während des Goldrausches Menschen im Winter bei minus 40 Grad ausgeharrt hätten.
Leckereien für die Bären
Unterwegs am Strassenrand ist ihnen eine Art Alpensüsskraut aufgefallen. Die Strassen seien gesäumt davon. Dieses Kraut mundet auch den Bären und daher könne man als Tourist immer wieder beobachten, wie die Tiere diese Leckerei verspeisen. Dass die Gegend ein Paradies für andere Lebewesen ist, zeigen Bilder von Füchsen, Schneehühnern, Bartgeiern und auch Mücken. Denn in dem Gebiet hat es zum Teil mehr Wasserflächen als Land. Und so erzählt Kölliker, dass sie sich manchmal nur ausgerüstet mit Bären- und Mückenspray aus dem Camper gewagt hätten.
Liebliche Landschaften, karges Grün
Je weiter sie in den Norden gekommen seien, umso einmaliger seien die Seen und ihre Spiegelbilder geworden. «Wir konnten uns kaum sattsehen», sagt sie. Hier hatten sie Kontakt zu einheimischen First-Nation-People, sie zeigten ihnen, wo ihre Probleme liegen. Kapitän Toni, ein Ureinwohner, habe sie mitgenommen. Sie durften einer traditionellen Vorführung beiwohnen. Auf dem Dempster Highway geht die Reise weiter, vorbei an endlosen abgebrannten Waldstücken und grünen, lieblichen Hügellandschaften. «Die Autobahn ist dort so wenig befahren, dass wir kurzerhand darauf geluncht haben», erzählt Kölliker den lachenden Zuhörerinnen und Zuhörern.
Dem Dempster Highway und dem Mackenzie River entlang führte sie ihr Weg. Der Mackenzie River ist der längste Fluss Kanadas. «Da Fähren günstiger sind als Brücken», gebe es hier einige davon, erklärte sie. Und hier sei es im Sommer 31 Grad heiss, und das bei 24 Stunden Sonnenschein.
Etwas eisiger ging es auf der zweiten Reise zu. Über 3000 Kilometer östlich führte diese entlang der Küste Grönlands. Und die dritte Reise führte sie ins winterliche Finnland. Auch hier folgten sie dem Ruf der Einsamkeit, abseits vom Massentourismus.

