Den Handballsport in Muri geprägt
24.06.2025 Muri, PorträtTausendsassa der Handballer
Felix Kleiner wird am Freitag aus dem Vorstand von TV Muri Handball verabschiedet
Zum konstanten Gedeihen des Handballsports in Muri hat keiner so nachhaltig beigetragen wie Felix Kleiner. Nach bald 50 Jahren zieht er ...
Tausendsassa der Handballer
Felix Kleiner wird am Freitag aus dem Vorstand von TV Muri Handball verabschiedet
Zum konstanten Gedeihen des Handballsports in Muri hat keiner so nachhaltig beigetragen wie Felix Kleiner. Nach bald 50 Jahren zieht er sich aus dem Vorstand zurück.
Thomas Stöckli
«Wenn du eine Persönlichkeit wie Felix im Vorstand hast, dann ist das Präsidentenamt ein ‹Schoggi-Job›.» Das sagt Christoph Allemann, der den TV Muri Handball bis 2023 während 14 Jahren präsidiert hat. «Ich konnte mich die ganze Amtszeit voll auf Felix mit seiner riesigen Erfahrung und seiner grossen Menschenkenntnis verlassen. Er unterstützte uns Vorstandsmitglieder in allen Belangen und arbeitete als vorbildlicher Teamplayer im Gremium mit», so Allemann. Dazu sei Kleiner im Vorstand immer die treibende Kraft gewesen, wenn es um Weiterentwicklungen ging – «und er engagierte sich immer aktiv in der Umsetzung dieser Projekte». Erwähnt sei etwa die Trainingshalle, die mit ihm im Lead realisiert werden konnte.
Verständnis für den Verein auf allen Ebenen
Seit 50 Jahren ist Kleiner im Verein aktiv, fast so lange engagiert er sich auch über die Mitgliedschaft hinaus. «Die Frage ist eigentlich: Was hat Felix Kleiner in dieser Zeit NICHT gemacht?», bringt es Res Käppeli, langjähriger Vorstandskollege, auf den Punkt. Die Antwort gibt er gleich selbst: «Er war nicht Präsident.» Ansonsten hat er sich im Vorstand als Kassier, Technischer Leiter, Sportchef sowie bis zuletzt als Verantwortlicher Breitensport und Technik engagiert und überdies für den Spielbetrieb Verantwortung getragen. Zudem hat er von 1977 bis 1981 auch noch als Spielertrainer geamtet.
Nun tritt Felix Kleiner aus dem Vorstand zurück. Die Fussstapfen, die er hinterlässt, sind riesig.
Felix Kleiner tritt nach einem halben Jahrhundert riesigen Engagements für den TV Muri Handball zurück
Seit fast 50 Jahren ist er die treibende Kraft, wenn es bei TV Muri Handball darum ging, Weiterentwicklungen anzustossen und umzusetzen. An der 54. Generalversammlung vom 27. Juni im Roos wird Felix Kleiner nun verabschiedet.
Thomas Stöckli
«Wenn einen das Handballfieber packt ...», sagt Felix Kleiner, angesprochen auf sein immenses Engagement für TV Muri Handball, und winkt ab. Den Satz vollendet er nicht – und öffnet damit Raum für Interpretationen: «…, macht man alles»? «…, ist nur das Beste gut genug»? Oder: «…, bleibt man dem Sport ewig treu»? Alle drei Aussagen dürften einen Teil der Realität abbilden, aber dem grossen Ganzen nicht annähernd gerecht werden. Von 1977 bis 1984 war er als Technischer Leiter für den Leistungssport, den Breitensport, die Frauen, die Junioren und den ganzen Spielbetrieb zuständig und darüber hinaus bis 1981 noch Spielertrainer der ersten Mannschaft. «Wie ich das geschafft habe, ist mir schleierhaft», sagt er rückblickend. In Spitzenzeiten habe sein «Hobby» einem 50-Prozent-Pensum entsprochen.
«Nebenprodukt» im Turnverein
Als Kleiner 1975 nach Muri zog, war er bereits mit besagtem Handballfieber infiziert. Angefangen hat er im Turnverein Seon. «Damals konnte man erst ab zwölf Jahren in die Jugi», blickt er zurück. Mit 16 wurde er als Aktivturner aufgenommen und mit 18 Jahren kam er zum Handball. Nach dem Umzug fand er in Muri dieselben Voraussetzungen vor: eine Handballriege, die bloss als Nebenprodukt im Turnverein geduldet war. «Man musste Turner sein, um mitspielen zu dürfen», veranschaulicht Kleiner.
Der Riege fehlte es 1975 an Struktur, an strategischer Führung. «Alles war nur provisorisch», so Kleiner, «und genau das hat mich gereizt.» Nicht mal ein Jahr sei er nur Turner und Handballer gewesen, eher er im 1976 neu gegründeten «Handball-Ausschuss» Verantwortung als Kassier übernehmen sollte: «Ich habe gesehen, dass da noch einige andere ‹verrückte Seelen› waren, die den Handball in Muri ebenfalls voranbringen wollten, mit den bescheidenen Mitteln, die uns zur Verfügung standen.»
Bescheidene Mittel? Auf Nachfrage wird Kleiner konkreter: «Wir hatten kaum Trainingsmöglichkeiten, und im Winter mussten wir die Heimspiele in Lenzburg und Wohlen austragen.» Durch den Bezug der Bachmattenhalle im Jahre 1978 wurde dann der Bedarf an Trainingskapazitäten bei Weitem gedeckt. Schliesslich stellte man damals nur zwei Aktiv- und zwei Junioren-Mannschaften.
Tiefe Kenntnisse in jedem Ressort
In dieser Zeit bekam die immer noch unselbstständige Riege ihr erstes Reglement und wurde zur offiziellen Untersektion. Wobei in diesem Prozess Fingerspitzengefühl gefragt war: «Die Turner hatten Angst, wir würden ihnen ihren Nachwuchs abspenstig machen», so Kleiner. Entsprechend riesig seien die Widerstände gewesen. Widerstände, die Kleiner als Vorstandsmitglied im Turnverein abzufedern vermochte. So legte er auch grossen Wert darauf, dass sich die Handballer an den Turner-Wettkämpfen und -Anlässen aktiv beteiligten. So gediehen die Turner ebenso wie die Handballer. Wobei es nicht immer nur nach oben ging. Von 1985 bis 1991 waren die Mitgliederzahlen bei den Handballern erstmals rückläufig, die sportlichen Erfolge blieben aus und Schlüsselspieler verliessen den Verein. Es sind just die sechs Jahre, in denen Kleiner nicht im Vorstand war.
Mit Felix Kleiner wieder als Verantwortlicher für den ganzen sportlichen Bereich sowie den Spielbetrieb und drei neuen Kräften im Vorstand gelang es in der Folge, das Steuer sukzessive herumzureissen. Einer dieser drei Neuen war Res Käppeli, der nach wie vor im Vorstand ist, und die Verdienste von Kleiner einzuschätzen vermag: «Durch seine tiefen Kenntnisse rund um jedes Ressort wusste er praktisch zu jedem Thema, wo die kritischen Punkte sind und sprach diese intern auch sehr präzise an.» Er habe Trainer rekrutiert, junge Talente zur Schiri-Ausbildung überzeugt. Kurz: «Felix war und ist die ‹Herz-Lungen-Maschine› des Vereins», so Res Käppeli.
Sowohl Leistung als auch Breite
Spätestens mit der Verpflichtung von Camil Festic – «ein grosser Glücksfall», so Felix Kleiner – setzten die Handballer aus dem Klosterdorf so richtig zum Höhenflug an. Von der zweiten Liga ging es bis in die Nationalliga B. «Das war der Moment, als aus dem Plauschhandball ein leistungsorientierter Verein wurde», ordnet Kleiner ein. Wobei es trotzdem gelungen sei, den Breitensport immer mitzuziehen. «Das war uns wichtig und das zieht sich wie ein roter Faden durch die ganzen Jahre.» Das und das Engagement, das Herzblut des langjährigen Funktionärs.
Christoph Allemann, langjähriger Präsident von TV Muri Handball, beschreibt es anschaulich: «Als ich im Juni 2009 Präsident wurde, hatte ich keine grosse Ahnung von Organisation und Abläufen im TV Muri Handball. Vorgängig zu meiner Wahl habe ich das auch Felix so mitgeteilt, worauf ersich einen langen Nachmittag Zeit nahm, um mich in die Details des Vereins einzuführen. Weil er alles – wirklich alles – über den Verein wusste, von Spielbetrieb, Finanzen, Hallenbelegungsplänen bis zu Infos über die einzelnen Mannschaften und Trainer, war es ausreichend, dass er allein mir diese Infos gab», veranschaulicht Allemann.
Infrastruktur und Organisation
«Allein hätte ich das nie geschafft», winkt Kleiner, angesprochen auf seine Verdienste, ab. «Ich hatte immer zwei drei andere Halbverrückte an meiner Seite.» «Halbverrückte», die wie er den Handball lebten. Er war es vielfach, der die Ideen einbrachte – und wenn sich kein anderer fand, halt auch die Umsetzung übernehmen musste. Um den Matchbesuch als Erlebnis aufzuwerten, wurde er zum Speaker, setzte sich für die Anschaffung einer Musikanlage und einen Bistrobetrieb an den Heimrunden ein. Und er liess sich nicht entmutigen, wenn er immer mal wieder als «Spinner» tituliert wurde. «Was zu den Anfangszeiten ‹handglismet› improvisiert wurde, ist heute alles durchorganisiert – und nicht mehr wegzudenken. «Was die Infrastruktur und die Organisation anbelangt würde ich behaupten, wir sind auf Erstliganiveau schweizweit federführend.»
Besonders stolz ist Felix Kleiner auf die Realisierung der Trainingshalle in Muri. Für sie hat er fast 25 Jahre langgekämpft. Seit Martin Pauli 2003 als zweiter Halbprofi das Traineramt von Camil Festic übernommen und den Leistungsgedanken weiter forciert hat. Schliesslich verlangt eine sportliche Weiterentwicklung nach einem höheren Trainingsaufwand. Und dafür sind Hallenplätze gefragt.
Treibende Kraft hinter der Trainingshalle
Nachdem die «Gmeind» die erhoffte Dreifachhalle im Badweiher zur Doppelhalle zusammengestrichen hatte und die Ansprüche der Vereine immer wieder vertröstet worden waren, brauchte es die Gründung einer vereinsübergreifenden Interessengemeinschaft und die überwältigende Unterstützung aus der Bevölkerung, um dem Anliegen den benötigten Nachdruck zu verleihen.
Endlich fanden die Handballer Gehör. Und Felix Kleiner durfte sich auch in der Baukommission einbringen. Vom Resultat ist er begeistert: «Die neue Trainingshalle gibt uns gewaltigen Schub», freut er sich und sprichtvon «tollen Rahmenbedingungen», nicht zuletzt auch in Bezug auf die Verwendung von Harz im Training, die klebrige Rückstände nach sich zieht, ab einem gewissen Niveau aber nicht wegzudenken ist.
Sukzessive Weiterentwicklung
Dieses Niveau hat TV Muri Handball definitiv: Seit 1996 ist die erste Männer-Mannschaft konstant mindestens in der 1. Liga. «Das hat sonst kein Verein unserer Grössenordnung geschafft», betont Kleiner. Manche Vereine, die in den 90ern ebenfalls auf dem Niveau spielten, gibt es heute gar nicht mehr. «Die Kunst ist es, sich sukzessive weiterzuentwickeln und sehr wichtig, eigenständig zu bleiben», nennt dernun zurücktretende Funktionär das Erfolgsrezept. Solch eine Weiterentwicklung steht nun bei den Mädchen an. In den nächsten sieben Jahren steht hier ein kompletter Neuaufbau an. «Das ist gut eingefädelt», zeigt sich Kleiner optimistisch, «und wir haben gute Leute, die mitziehen.»
An der Generalversammlung vom 27. Juni wird Felix Kleiner nun nach 49 Jahren Engagement aus dem Vorstand verabschiedet. Sein Herz schlägt weiterhin für den Sport und den Verein. «In gewissen Sachen wie dem Finanzwesen werde ich noch als Berater zur Verfügung stehen», versichert er, «sofern gewünscht», betont er. Und auch an der Statutenrevision, die nun zur Abstimmung kommt, hat er noch mitgewirkt. Über die Bücher muss der Verein bei den Finanzen im Jugendbereich. «Durch den steten Ausbau des Angebots sind wir da stark defizitär», so Kleiner. Zusätzlich zum Grundbeitrag soll neu ein Leistungsbeitrag erhoben werden, und zwar in Abstimmung mit Handball Wohlen und dem HC Mutschellen. Die drei Vereine stellen seit drei Jahren auf den höheren Junioren-Stufen je ein gemeinsames Inter-Team.
Zeit für sich selbst
Der Verein sei mit einem jungen Vorstand um Präsidentin Lucia Schroth und den erfahrenen Res Käppeli sowie Linus Staubli als Geschäftsstellenleiter im 25-Prozent-Pensum gut aufgestellt. Besagter Staubli, der selbst lange in der ersten und zweiten Mannschaft gespielt hat, sei für den Verein ein Glücksfall.
Wieso hängt er nicht noch ein Jahr an, um das halbe Jahrhundert komplett zu machen? Als die Halle fertiggestellt war, sei bei ihm Krebs im Dickdarm festgestellt worden, verrät Kleiner. Der wurde Ende Februar erfolgreich operiert. Letzte Woche war Kleiner allerdings bereits wieder im Spital. Diesmal, weil das künstliche Hüftgelenk sich selber ausgehängt hatte. Er werde nach dem Rücktritt wohl in ein Loch fallen, nimmt er an. Gleichzeitig freue er sich darauf, sich unbeschwert ein Spiel anschauen zu können. Und Zeit zu haben fürs Velound Skifahren, fürs Wandern und die zahlreichen Arbeiten, die in und ums Haus anfallen. «Im Verein und im Gönnerverein bleibe ich Mitglied», sagt Kleiner. «Einfach ohne ‹Ämtli›», schiebt er nach.