Frauenfussball, EM in der Schweiz: Alayah Pilgrim bringt durch ihr entscheidendes Tor die Fussballnation zum Ausrasten
Sie kommt rein, sieht ihre Chance und trifft. Die Freiämterin Alayah Pilgrim erzielt das entscheidende 2:0 im so wichtigen Spiel gegen Island. ...
Frauenfussball, EM in der Schweiz: Alayah Pilgrim bringt durch ihr entscheidendes Tor die Fussballnation zum Ausrasten
Sie kommt rein, sieht ihre Chance und trifft. Die Freiämterin Alayah Pilgrim erzielt das entscheidende 2:0 im so wichtigen Spiel gegen Island. «Ein Moment, den ich nie mehr vergessen werde», sagt die 22-Jährige. Nun will die Nati in den Viertelfinal einziehen und Geschichte schreiben.
Stefan Sprenger
Sie hat es «manifestiert», wie Alayah Pilgrim nach dem Spiel sagt. Das Tor, der Jubel, die Emotionen, all das hat sie sich gedanklich ausgemalt – und es wurde Realität. Sie erzielt das 2:0 in der 90. Minute. Die Entscheidung in diesem so wichtigen Spiel an der Heim-EM. Das Wankdorf in Bern explodiert. 29 658 Fans jubeln im Stadion, gegen 800 000 schauen live beim Schweizer Fernsehen zu. Mittendrin: Matchwinnerin Alayah Pilgrim aus Muri. Wie hat es sich angefühlt? «Ich wusste nach dem Tor gar nicht, wo ich hinlaufen sollte zum Jubeln. Es waren so viele Emotionen auf einmal. Das ganze Stadion feierte laut. Es war ein einzigartiger Moment, den ich nie mehr vergessen werde», sagt sie gegenüber dieser Zeitung.
Pilgrim: «Fans waren unglaublich»
An der Eckfahne kommt das Team nach dem 2:0 zusammen. Schreie, Jubel, überall lachende Gesichter. Alayah Pilgrim geht dabei fast unter, bahnt sich ihren Weg aus der Traube, führt mit Assistgeberin Leila Wandeler ein kleines Tänzchen auf, «weil wir uns beide gerne bewegen und tanzen», wie Pilgrim erzählt.
Es sind Momente für die Ewigkeit. Denn dieses Tor und dieser Erfolg der Nati an der Heim-EM markieren den bisherigen Höhepunkt in Pilgrims Karriere. Das 2:0 gegen Island ist überhaupt erst der zweite Sieg der Schweiz an einer EM-Endrunde.
Stürmerin Pilgrim erzählt: «Ich bin unglaublich stolz, dass ich dem Team helfen konnte. Diesen Sieg haben wir uns verdient. Ich bin überglücklich, dass es geklappt hat. Das war enorm wichtig. Und es freut mich auch sehr für unsere Fans, die wiederum unglaublich waren.»
Das gab es selbst bei den Männern noch nie
Ein Beispiel ist der neue Fanmarsch-Rekord, der am Sonntag in Bern aufgestellt wurde. 12 000 Fans aus der Schweiz und 2000 Anhängerinnen der isländischen Elf pilgern zu Fuss ins Stadion. Einen solchen Fanmarsch gab es noch nie in der Schweiz – auch nicht für die Männer-Nati. Mit dabei war auch die Familie von Alayah Pilgrim. «12 000 Menschen in Rot singen voller Freude. Wow. Einfach der Wahnsinn. Diese Unterstützung für unser Frauenteam ist riesig», sagt Mutter Tanja Pilgrim.
Viele Menschen aus Muri dabei
Sie wusste am Nachmittag noch nicht, dass sie am Abend vor Stolz explodieren wird. «Als sie eingewechselt wurde, bringt sie gleich Energie rein. Und dann das Tor. Wir, Familie und Freunde, haben nur noch geschrien vor Freude, uns umarmt, und schliesslich springt Alayah noch über die Bande zu uns und hat sich feiern lassen. Ich spürte ihre Erleichterung. Und ich selbst habe vor Freude gezittert», sagt die Mutter. Tanja Pilgrim erwähnt, dass sie sehr viele Menschen aus Muri am Spiel angetroffen hat. «Es ist schon sehr speziell, dass unser Dorf gleich zwei Nationalspielerinnen hat.»
Alles oder nichts am Donnerstag
Neben Offensivspielerin Pilgrim ist auch Innenverteidigerin Julia Stierli auf dem Platz. Beim Startspiel gegen Norwegen (1:2) erzielt sie unglücklich ein Eigentor. Gegen Island spielt Stierli erneut von Anfang an – und wird in der 56. Minute durch Ana-Maria Crnogorcevic ersetzt.
Am Donnerstag (21 Uhr) geht es für die Schweizerinnen im dritten und letzten Spiel der Vorrunde um alles oder nichts. In Genf heisst der Gegner Finnland. Ein Unentschieden reicht zum erstmaligen Viertelfinal-Einzug an einer Frauen-EM. «Wir schauen vorwärts, bereiten uns professionell auf dieses Spiel vor. Wir wollen in die K.o.- Phase», sagt Alayah Pilgrim. Sie und die Nati wollen Geschichte schreiben.
Küng und San im Einsaz
Während das Schweizer Frauen-Nationalteam mit den beiden Murianerinnern Julia Stierli und Alayah Pilgrim bereits zwei Gruppenspiele absolviert hat, kamen auch zwei weitere Freiämter zum Einsatz an der Heim-Europameisterschaft. Das Spiel zwischen Belgien und Italien (0:1) wurde von der Schweizer Schiedsrichterin Désirée Grundbacher geleitet. Mit dabei war auch Susanne Küng (Merenschwand/Wohlen) vom FC Muri als Schiedsrichterassistentin sowie Fedayi San vom FC Tägerig als VAR. Morgen Mittwoch wird das Schiri-Team mit den Freiämtern das Spiel zwischen Frankreich und Wales leiten. --red