Die Altstadt wird transparenter
24.02.2026 BremgartenDie neuen Gebäudebeschriftungen sind informativ und dekorativ
Der Startschuss für den Ersatz der in die Jahre gekommenen, zum Teil kaum mehr lesbaren Beschriftungen der zahlreichen historischen Gebäude fiel 2022 im Rahmen des Gesamtprojektes ...
Die neuen Gebäudebeschriftungen sind informativ und dekorativ
Der Startschuss für den Ersatz der in die Jahre gekommenen, zum Teil kaum mehr lesbaren Beschriftungen der zahlreichen historischen Gebäude fiel 2022 im Rahmen des Gesamtprojektes «Info-Gardening».
Walter Minder
Die historische Altstadt von Bremgarten wird nicht nur während den bekannten Märkten stark besucht, sie ist auch aus nationaler Sicht ein touristisches Highlight. Damit kommt der informativen Besucherführung durch die markanten, zum Teil engen Gässchen ein wichtiger Stellenwert zu. Die bisherigen, 2006 angebrachten Gebäudebeschriftungen wurden nicht nur ersetzt, sondern mit Kosten von rund 150 000 Franken auch durch neue ergänzt.
Jonas Kallenbach von der kantonalen Denkmalpflege, der am Samstag an der Einweihung der neuen Beschriftungen von Stadträtin Claudia Bamert bei der Begrüssung der geladenen Gäste im alten Zeughaus spontan zum «Reiseführer» ernannt worden war: «Auf den 54 roten Tafeln erhalten Besucherinnen und Besucher beim Rundgang durch die Altstadt detaillierte Informationen zum jeweiligen historischen Gebäude.» Erweitert wurde der Rundgang in Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege durch zehn orangefarbene Schrifttafeln, welche die Gebäude in den Kontext mit ihrer Umgebung einbinden und aufzeigen, wie historische Liegenschaften erhalten und gepflegt werden.
Zeugen unserer Zeit
Dann folgte die Gruppe dem versierten «Stadtführer» via Schellenhausstrasse und Rechengasse hinab zum von 1556 bis 1559 erbauten Spittelturm. «Die Bewohnenden kennen viele historische Zeugnisse und wissen, dass sie in einem ausgesprochen schönen Städtchen wohnen, welches trotz seiner langen Geschichte lebendig geblieben ist.» Kallenbach wies darauf hin, dass in Altstadthäusern oft ein grosses Potenzial an historischer Bausubstanz steckt. So konnte bei verschiedenen Liegenschaften eruiert werden, dass das Mauerwerk deutlich jünger ist als der Dachstock, dass also bereits im Mittelalter nachhaltig gebaut worden ist. Ziel der Denkmalpflege bei Renovationen ist es, Altes zu bewahren und mit Neuem passend zu ergänzen.
Zwischen 1560 und 1570 wurden im Auftrag der Stadt sieben steinerne Brunnen erstellt, um die Wasserversorgung für die Bewohnenden sicherzustellen. Beim Zeughausbrunnen betonte Denkmalpfleger Kallenbach die Wichtigkeit der Brunnen, ist doch die Stadt Bremgarten seit ihrer Gründung auf eine künstliche Wasserversorgung angewiesen. «Damals waren die Häuser noch nicht an die Wasserversorgung angebunden, das Wasser holte man sich an den öffentlichen Brunnen, die auch als Tränke für Pferde und Vieh dienten.»
In der Sternengasse erfuhren die Teilnehmenden, dass der einst starke Anstieg etwas reduziert wurde, indem das untere Strassenstück angehoben und das obere abgesenkt wurde. Darum konnten im unteren Teil auch Kellerräume beispielsweise für gewerbliche Nutzung umgebaut werden, wobei Bremgarten als Städtchen über die schönste Kopfstein-Strassenpflästerung im Aargau verfügt. Am Schluss der informativen und trotz aufgespannter Regenschirme spannenden Führung beim Schlössli warf Jonas Kallenbach einen kurzen Blick in die Zukunft. «Die Geschichte der Altstadt ist noch nicht fertig geschrieben, es gibt noch viel zu entdecken und viele historische Gebäude zu beschriften.»
Gemütlicher Abschluss im Zeughaussaal
Nach dem wetterbedingt eher ungemütlichen Rundgang mit jeweils kurzem Blick auf die neuen Beschriftungstafeln – wiederholt war zu hören: «Sobald das Wetter besser ist, nehme ich mir dann die nötige Zeit dafür» – traf man sich im Zeughaussaal, wo Stadträtin Bamert unterstrich, dass die neue Beschriftung ein Gemeinschaftswerk der Gemeinde und der kantonalen Denkmalpflege ist. «Wir haben zusammen etwas Bestehendes noch besser gemacht.» Jede Tafel ist für sie eine historische Stimme des Städtchens und sie lud dazu ein, bei einem gemütlichen Gang durch die Altstadt einen vertieften Einblick in deren Geschichte zu gewinnen.
Bamert machte zudem darauf aufmerksam, dass viele der roten Tafeln mit einem QR-Code versehen sind, der einen virtuellen Blick in das entsprechende Gebäude ermöglicht, beispielsweise in den Gerichtssaal. «Das Herz von Bremgarten besteht nämlich nicht nur aus historischen Gebäudemauern, sondern auch aus den Geschichten, die in ihnen verborgen und sichtbar geworden sind.»
Jürg Brühlmann, Inhaber und Geschäftsführer der mit der Realisation der neuen Informationstafeln beauftragten Lenzburger Springform AG: «Eine Beschriftung wie in Bremgarten bringt neues Leben in die historische Altstadt. Und dank der Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege entstand eine Brücke zwischen gestern und heute.»
Weitere digitale Projekte folgen
Allein schon die Formgebung der Tafeln sei ein langer Prozess gewesen – die Verbindung zwischen der Zeitreise der Denkmalpflege und den architektonischen Eckpunkten der historischen Gebäude eine Herausforderung. Er freut sich derweil schon auf die nächsten, digitalen Projekte, mit denen Bremgarten in Zukunft weitere Schritte in Sachen Attraktivität ins Auge fassen wird. «Heute feiern wir die Einweihung der neuen Altstadt-Beschriftung, aber es gibt noch viele Geschichten zu entdecken.»

