Die Macherin
25.07.2025 Wohlen, GewerbeSommerserie «Meine eigene Chefin»: Die Wohlerin Vanessa Hunkeler-Bolliger ist Geschäftsführerin der Refline AG
Sie wuchs in einem Unternehmer-Haushalt auf – und das prägte sie. Die Wohlerin Vanessa Hunkeler-Bolliger ist CEO der Refline AG, ...
Sommerserie «Meine eigene Chefin»: Die Wohlerin Vanessa Hunkeler-Bolliger ist Geschäftsführerin der Refline AG
Sie wuchs in einem Unternehmer-Haushalt auf – und das prägte sie. Die Wohlerin Vanessa Hunkeler-Bolliger ist CEO der Refline AG, einer der führenden Firmen in der Schweiz, die Software für E-Recruiting anbieten. «Es war nie ein Lebensziel von mir, in die berufliche Selbstständigkeit zu wechseln. Aber es hat sich sehr gelohnt», sagt die 40-Jährige.
Stefan Sprenger
Schon als Kind hat sie in den Ferien im Familienbetrieb mitgeholfen und angepackt. Was es heisst, einen Betrieb zu führen, hat sie schon früh miterlebt. «Das hat geprägt. Das Arbeits-Ethos, der leidenschaftliche Einsatz meiner Eltern, daran kann ich mich noch gut erinnern», sagt Vanessa Hunkeler-Bolliger. Das Malergeschäft Bolliger AG existiert noch heute in Wohlen, ihr Vater ist nach wie vor Geschäftsführer. Die Wohlerin wohnt inzwischen mit ihrer Familie in Waltenschwil.
30 000 Benutzer auf Knopfdruck
Sie selbst ist auch CEO und Geschäftsführerin geworden – wie ihr Vater. «Das hat sich so entwickelt», lacht die zweifache Mutter. Hunkeler-Bolliger leitet die Firma Refline AG mit den Standorten in Hünenberg und Zürich. Das Unternehmen bietet eine Softwarelösung für die Personalrekrutierung. Der gesamte Rekrutierungsprozess wird dadurch vereinfacht, beschleunigt und qualitativ verbessert: Bewerbungen gelangen mit wenigen Klicks direkt zum Unternehmen. Stellenausschreibungen lassen sich mit nur einem Klick auf der unternehmenseigenen Karriereseite und auf über 200 Jobbörsen veröffentlichen.
«Effizienz und Kompetenz auf Knopfdruck», steht auf der Homepage der Refline AG. «Wir haben rund 30 000 Benutzer in der Schweiz, aus allen Bereichen, von kleinen KMUs bis hin zu ganzen Kantonalverwaltungen», erklärt Hunkeler-Bolliger.
Die Firmengeschichte der Refline AG beginnt im Freiamt. Die in Muri bestens bekannte Marlies Laubacher gründet 2004 in Muri das Unternehmen. Damals entstand die erste Version der E-Recruiting-Cloud-Software – die seither stetig weiterentwickelt wurde. Ende 2014 wurde die Lösung samt Namensrechten an die Abraxas Informatik AG verkauft und dort als Business Unit «Refline» integriert.
Neustart lanciert
Nun kommt Vanessa Hunkeler-Bolliger ins Spiel. Die Wohlerin studierte einst internationale Beziehungen in Genf, wollte in Richtung Diplomatie gehen. «Aber ich merkte schnell, dass die Privatwirtschaft mir mehr zusagt.» Sie war in leitender Funktion bei einem Personaldienstleister tätig – und kannte «Refline» als Nutzerin. Als sie 2015 die ausgeschriebene Stelle entdeckt, bewirbt sie sich. «Das Produkt gefiel mir schon immer und ich habe richtiggehend Feuer gefangen dafür», erklärt sie. Hunkeler kriegt den Job. Gründerin und Geschäftsführerin Marlies Laubacher tritt ab, Vanessa Hunkeler-Bolliger übernimmt.
2019 kauft sie gemeinsam mit zwei Partnern die Refline-Software-Lösung im Zuge eines «Management-Buy-outs» raus, nimmt alle Mitarbeiter und Kunden mit – und seither ist die Refline AG wieder selbstständig. Und so auch sie, die fortan als selbstständige Geschäftsführerin die Verantwortung für das Unternehmen mit zwölf Mitarbeitern trägt. Sie baute das Unternehmen neu auf, lancierte einen Neustart. Hunkeler-Bolliger suchte passende Büroräume, führte neue Tools ein, definierte Prozesse neu, setzte eine neue Marketingstrategie inklusive neuer Homepage um und entwickelte das Team. «Es war echtes Start-up-Feeling – mit dem Vorteil, bereits eine funktionierende Software und einen bestehenden Kundenstamm zu haben», erklärt sie.
Sie lebt für ihre Firma und ihre Vision
Als Boss hat sie viele Vorteile. «Ich konnte aus Überzeugung vieles bewegen. Wenn man Geschäftsführerin eines kleinen Unternehmens ist, dann sind die Prozesse kurz, die Entscheide können schnell umgesetzt werden und es braucht nicht monatelange Diskussionen. Man kann seine eigenen Werte einbringen und leben. Kurz gesagt: Man hält das Steuer in der Hand.» Der Vorteil der Refline AG sind auch jene schnell umsetzbaren Entscheidungen. «Da wir die Softwareentwicklung bei uns im Haus haben, können wir flexibel und schnell auf neue Anforderungen oder Kundenwünsche reagieren.»
Im Gespräch mit Vanessa Hunkeler-Bolliger spürt man ihren riesigen Antrieb, ihre Führungsqualitäten und ihren Unternehmergeist. Sie lebt für ihre Firma und ihre Vision. Etwas, das sie wohl in ihrer Kindheit schon gelernt hat – weil sie eben aus einer Unternehmerfamilie stammt.
Auch die Schwester geht ihren eigenen Weg
Sie ist nicht das einzige Kind der Familie Bolliger. «Meine jüngere Schwester Angie ist voller kreativer Ideen, ich bin eher die, die strukturiert denkt, schnell den Überblick gewinnt und organisiert – so sieht es jedenfalls unsere Mutter.» Ihre Schwester heisst Angela Santana, lebt in New York und ist international als Künstlerin tätig. Ihre Werke stellt sie auf der ganzen Welt aus. «Schon als Kind war sie immer am Zeichnen. Sie lebt bis heute ihren Traum. Ich bewundere Angie», sagt die grosse Schwester Vanessa.
Vanessa Hunkeler-Bolliger ist eher die Unternehmerin, wenn man es so ausdrücken will. Sie setzt sich Ziele und strebt nach diesen. Sie hat zwei Kinder, ist verheiratet, hat ein Haus mit Garten. Waltenschwil statt New York. Und auch wenn die beiden Schwestern sehr unterschiedlich sind, so haben sie eines gemeinsam: Sie sind zielstrebig, ehrgeizig und erfolgreich in dem, was sie tun. Hunkeler-Bolliger sagt: «Unsere Eltern haben uns immer unseren Weg gehen lassen. Das war sehr angenehm.» Und es scheint sich ausgezahlt zu haben angesichts der erfolgreichen Kinder.
Mit viel Herzblut
Und Vanessa Hunkeler-Bolliger geht stets neue Ziele an. «Im letzten Jahr haben wir eine zweite E-Recruiting-Lösung speziell für KMUs lanciert – eine moderne Self-Service-Software, mit der sich unkompliziert und ohne lange Einführungsphase direkt starten lässt. Dies ermöglicht nun auch kleineren Unternehmen einen einfachen Einstieg in professionelles Bewerbermanagement.» Ihr Unternehmergeist und ihre Führungsstärken in Ehren – aber sieht sie auch negative Aspekte, weil sie ihr eigener Boss ist? «Als angestellte Mitarbeiterin wäre es wohl bequemer. Als Geschäftsführerin ist es zeitintensiver, man trägt viel Verantwortung und investiert viel Herzblut. Aber am Ende ist es das, was ich will.»