«Die Menge ist das Problem»
16.08.2024 Region UnterfreiamtAuf dem Hallwilersee gelten verschärfte Regeln fürs Stand-up-Paddling
Die Beliebtheit der aufblasbaren Boards (SUP) scheint keine Grenzen zu kennen. So waren auch an diesem Wochenende wieder Hunderte davon auf dem Hallwilersee. Sind die neuen Regeln den Nutzern ...
Auf dem Hallwilersee gelten verschärfte Regeln fürs Stand-up-Paddling
Die Beliebtheit der aufblasbaren Boards (SUP) scheint keine Grenzen zu kennen. So waren auch an diesem Wochenende wieder Hunderte davon auf dem Hallwilersee. Sind die neuen Regeln den Nutzern bekannt und werden sie auch befolgt? Ein Augenschein zeigt Erstaunliches.
Henrik und Elena aus Olten haben sich zusammen mit ihren Kollegen ein herrliches Plätzchen am Weg zwischen den beiden Seehotels Delphin und Seerose ergattert. «Ja, wir haben von den Neuerungen gehört und wir finden sie gut», sagt Elena, während Henrik eines der beiden Boards aufpumpt, die sie mitgebracht haben. «Sie sind sinnvoll, und bei so vielen Nutzern auf dem See braucht es einfach Regeln», meint sie weiter.
SUP sollen gemäss Vorgaben beschriftet sein, und die Nutzer müssen eine Schwimmhilfe dabei haben, wenn sie sich weiter als 300 Meter vom Ufer entfernen. Auch die Vorfahrtsregeln auf dem See sowie die für SUP verbotenen Schutzzonen sollten den Paddlern bekannt sein, und auf Alkohol sei ebenfalls zu verzichten. «Alles kein Problem für uns», betont Henrik, während er die Pumpe an seinen Kollegen weitergibt.
So klingt es fast überall. Die Leute verstehen, dass es Regeln braucht, und halten sie nach eigenen Aussagen auch weitgehend ein. Der eine oder die andere zwinkert bei der Frage nach dem Alkohol zwar, und auch die Frage, wer das alles denn genau kontrollieren soll, wird einige Male gestellt. Aber die grosse Mehrheit legt auch bei diesem Thema die gutschweizerische Rücksichtnahme an den Tag.
Überall liegen Boards herum
Den Einstieg ins Wasser haben einzelne Badis für SUP ebenfalls speziell geregelt, damit sie sich nicht mit den Schwimmern ins Gehege kommen. In Aesch wird dazu der bestehende Schiffsteg genutzt, in der Seerose in Meisterschwanden wurde extra für die Stand-up-Paddler ein neuer Steg gebaut. Dort gibt es auch grosse Rechen, um die Boards an Land platzsparend zu deponieren. Doch die reichen bei Weitem nicht aus, an diesem Tag sind es über 100 SUP auf dem Rasen, und etliche sind noch im Wasser.
«Das Problem ist weniger das Einhalten der Regeln, sondern eher die schiere Menge der Boards», sagt denn auch Yusef, der an diesem Tag den Spin-out-Shop in der Badi Seerose betreut. Schaut man herum, sieht man alle paar Meter ein oder mehrere Boards in der Wiese liegen, und jedes belegt etwa 2 Quadratmeter Fläche. «Auch der Rasen leidet unter der Flut der Boards», sagt er weiter und zeigt auf braune Flecken im sonst sattgrünen Rasen der Anlage. Am meisten aber stört ihn, dass immer mehr Leute die Sportgeräte zweckentfremden. «Was heisst denn ‹stand up› auf Deutsch?», fragt er lächelnd. «Es ist wirklich ein tolles Gerät, aber zu viele nutzen es als Luftmatratze oder als Party-Insel, rauchen und hören Musik da draussen», sagt er und kann seinen Unmut darüber nur schwer verbergen.
Mit Standaktionen das richtige Verhalten erklären
Und tatsächlich: Beim Blick auf den See hinaus sind die Menschen, die ihr SUP liegend oder sitzend nutzen, haushoch in der Überzahl – und damit nicht im Sinne des Erfinders unterwegs.
Die Gemeinden am Hallwilersee haben auf die Problematik reagiert. Kürzlich führten die Regionalpolizei Lenzburg sowie die Hallwilersee-Ranger eine Standaktion mit zwei Standorten am Hallwilersee durch mit dem Ziel, die SUPler für korrektes Verhalten auf dem See und Rücksichtnahme gegenüber der Natur zu sensibilisieren. Und die geltenden Regeln bekannter zu machen. Denn viele betreiben diesen Sport zwar mit Begeisterung, im Bereich der Pflichten aber bestehen einige Wissenslücken bei den Wassersportlern. Und dass der Hallwilersee nicht nur ein tolles Naherholungsgebiet ist, sondern auch Naturschutz- und Uferschutzzonen aufweist, ist vielen, zumindest den auswärtigen Besuchern, nicht bekannt.
Merkblatt erhältlich
Darum wurde auch ein Merkblatt entworfen, welches die wichtigsten Regeln enthält. Dazu gehört etwa, nicht allein zu paddeln und die Tour gut zu planen. Ab 300 Metern Entfernung vom Ufer sowie auf Flüssen muss zudem eine Schwimmhilfe mitgeführt werden. Bei Nebel, Dämmerung und Nacht braucht es ein gut sichtbares weisses Rundumlicht auf dem SUP. Dieses sollte zudem mit Name, Adresse und Telefonnummer gekennzeichnet sein. Bereiche mit Badenden sollen gemieden werden, Kursschiffe, Segelboote und Berufsfischer haben Vortritt. Anlegestellen, Hafeneinfahrten und Fahrwege der Kursschiffe sind freizuhalten. Bei Sturmwarnung (oranges Blinklicht) ist das Wasser sofort zu verlassen. Vor und während des Paddelns sollte man auch auf Alkohol verzichten. Auf der Rückseite des Merkblatts sind zudem die Schutzzonen eingezeichnet, welche nicht befahren werden dürfen. Zu Schilfgürteln und Wasservögeln muss man immer 25 Meter Abstand halten. --pf/chh
Das Merkblatt findet man beispielsweise unter www.hallwilersee-ranger.ch.