Die zelebrierte Vorfreude
21.11.2023 MuriAn der Weihnachtsausstellung im Museum Kloster Muri steht diesmal die Adventszeit im Fokus
Sie birgt die Traditionen, welche Weihnachten einläuten. Die diesjährige Weihnachtsausstellung im Museum Kloster Muri widmet sich der Adventszeit. Im Sinne der Reihe ...
An der Weihnachtsausstellung im Museum Kloster Muri steht diesmal die Adventszeit im Fokus
Sie birgt die Traditionen, welche Weihnachten einläuten. Die diesjährige Weihnachtsausstellung im Museum Kloster Muri widmet sich der Adventszeit. Im Sinne der Reihe «Wunderbare Weihnachtsbräuche aus aller Welt» werden Exponate aus verschiedenen Ländern geboten.
Thomas Stöckli
Es ist die Zeit des Wartens, ein Weg mit einem ganz klar definierten Ziel. Eine Zeit, in der man nicht alles sofort bekommt. In einer Gesellschaft, die sehr stark im Hier und Jetzt lebt, habe die Adventszeit etwas Antizyklisches, findet Rudolf Velhagen. Der promovierte Kunsthistoriker gestaltet als Gastkurator seit 2018 die Weihnachtsausstellungen von Murikultur im Museum Kloster Muri.
Die Reihe steht unter dem Titel «Wunderbare Weihnachtsbräuche aus aller Welt». Und dieses internationale Flair verströmt auch die diesjährige Ausstellung «Advent! Advent!», die am kommenden Sonntag eröffnet wird.
Wie ein Kaleidoskop
«Ich öffne als Kurator gerne Fenster», sagt Velhagen. Wie ein Kaleidoskop soll die Ausstellung unerwartete, vielfältige Einblicke ermöglichen. Einblicke primär in die Lenzburger Privatsammlung von Evelyne Gasser. Im ersten Raum ist es die Andersen-Vitrine, benannt nach dem dänischen Schriftsteller Hans Christian Andersen, welche die Aufmerksamkeit auf sich ziehen wird. «Die Schneekönigin» – ein äusserst seltenes Exemplar – ist eines der Highlights in diesem Teil der Ausstellung, in dem sich alles um Adventskalender dreht.
Es ist nur eines von verschiedenen Märchen, die auf Adventskalendern thematisiert wurden. Auch «Hänsel und Gretel», der «Froschkönig» und «Frau Holle» sind zu bestaunen. Dazu eine Auswahl an interaktiven Kalendern, die nicht nur konsumiert, sondern mit Ausschneide- und Aufklebemotiven gestaltet werden konnten. Es sind Objekte, die teilweise bescheiden anmuten, aber sichtlich mit Liebe zum Detail gestaltet sind. Velhagen spricht gar von «beseelten Objekten».
Chlaus-Bräuche in ihrer Vielfalt
Im zweiten Raum bekommt der Samichlaus in seinen verschiedenen Erscheinungsformen eine Bühne. In Holland bringen der «Sinterklaas» und sein treuer Begleiter, der «Zwarte Piet», die Geschenke traditionell mit dem Schiff aus Spanien. Kann man das in Zeiten, in denen Blackfacing als Form des Rassismus verpönt ist, noch zeigen? Ja, haben die Ausstellungsmacher entschieden. «Wichtig ist, dass man das einordnet», betont Velhagen.
Im selben Raum wird auch die Kommerzialisierung der «Santa»-Figur angesprochen, auf die Spitze getrieben in den USA durch Coca Cola. Hier wird der Geschenkebringer selbst zum Konsumenten, gönnt sich eine Pause vom Stress der Bescherung. Der Äbtekeller schliesslich vermittelt einen Einblick in die Tradition des Klausjagens. Möglich machen es die Leihgaben der St. Niklausengesellschaft Küssnacht am Rigi.
Und natürlich läuft die ganze Adventszeit auf den Höhepunkt hin, die Geburt Christi. Entsprechend prägt eine Krippenlandschaft den dritten Raum. Besonders stolz ist Velhagen, eine aus Zirbenholz geschnitzte, polychrom bemalte Giner-Krippe als Leihgabe erhalten zu haben. Die Manufaktur der Familie Giner gilt als bedeutendste ihrer Art in Österreich. Die Figuren sind ihrer Besitzerin Evelyne Gasser so wertvoll, dass sie darauf bestanden hat, sie heute Dienstag gemeinsam mit ihrem Sohn persönlich in Muri vorbeizubringen.
Vernissage am Sonntag
Im Sinne eines Brückenschlags in die Gegenwart werden die Besucherinnen und Besucher im Gang von floralen Kreationen der Meisterfloristin Myrta Frohofer empfangen. In Verbindung mit Fotos aus längst vergangenen Zeiten wird hier die Tradition der Adventskränze thematisiert. Das runde Gesteck als Symbol für die Unendlichkeit.
Velhagen und das Team von Murikultur sind bereits seit Montag am Einrichten der Ausstellung. Mit viel Liebe zum Detail werden die Exponate geordnet, arrangiert und schliesslich in den Vitrinen und an den Wänden effektvoll in Szene gesetzt. Am Sonntag muss alles bereit sein. Zur öffentlichen Vernissage sind dann ab 16 Uhr alle willkommen. Vormerken kann man sich den Adventsfenster-Anlass von Murikultur am 7. Dezember. Dann wird der Samichlaus vor Ort sein und Wunschzettel ans Christkind entgegennehmen.