Die zweite Kapelle ist an der Reihe

Di, 11. Mai. 2021
Kirchenpflege-Mitglied Iwan Wirth in der Maria-Hilf-Kapelle in Waltenschwil. In den nächsten Wochen wird diese restauriert. Bild: Annemarie Keusch

Gestern starteten die Renovationsarbeiten in der Maria-Hilf-Kapelle in Waltenschwil

Die letzte Gesamtrenovation ist gegen 60 Jahre her. Auch die letzte grosse Renovation liegt fast 40 Jahre zurück. Entsprechend gibt es Handlungsbedarf bei der Maria-Hilf-Kapelle in Waltenschwil. «Primär geht es darum, den Wert zu erhalten», sagt Kirchenpfleger Iwan Wirth. Gestern begann die Räumung der kleinen Kapelle.

Annemarie Keusch

Der Sandstein rund um die Fenster bröckelt langsam. Auch die Fensterfassung aus Stein hat gelitten. Es kam zu verschiedenen Abplatzungen, auch im Bereich der Türe. Das Muschelkalk-Imitat ist von Grünspan und Moos befallen. Kurzum, die Maria-Hilf-Kapelle in Waltenschwil ist renovationsbedürftig. Das sah auch Iwan Wirth, als er vor drei Jahren neu in die Kirchenpflege gewählt wurde und sich einen Überblick über den Zustand der Gebäulichkeiten verschaffte. «Diese Kapelle fiel auf, weil lange nichts daran gemacht wurde», sagt er. Aber auch an anderen Gebäuden erkannte Wirth Handlungsbedarf. Die Pilgerkapelle in Büelisacker wurde letztes Jahr sanft erneuert.

Jetzt ist die Maria-Hilf-Kapelle an der Reihe. Noch immer wird diese wöchentlich aktiv für ein Rosenkranzgebet genutzt. «Klar, die Leute sitzen bei diesen Gebeten nicht Schulter an Schulter in den Bänken, aber die Kapelle wird auf jeden Fall genutzt. Und für die Leute, die regelmässig dabei sind, ist das ein fester Bestandteil ihres Alltags», sagt der Kirchenpfleger. Aber nicht nur deshalb erachtet er die Renovation der Kapelle als sinnvoll. «Es wäre schade, wenn solche Gebäude nicht erhalten würden.»

Einiges an Eigenleistung

Nur, solche Renovationen kosten schnell viel Geld. Geld, das in der katholischen Kirchgemeinde Waltenschwil nicht im Überfluss vorhanden ist. «Wir wollen haushälterisch mit den Steuergeldern umgehen», betont Iwan Wirth, der in Waltenschwil aufgewachsen und Ortsbürger ist. Heisst, es geht in erster Linie um werterhaltende Eingriffe. «Der Erhalt der Substanz steht klar im Vordergrund», sagt Iwan Wirth. 32 000 Franken hat die Kirchgemeinde dafür bewilligt. Gestern starteten die Ausräumarbeiten, ab dem 17. Mai wird der Steinmetz an der Arbeit sein, nachher der Maler.

Eine Auffrischung erhalten aber nicht nur die Wände, sondern auch die Bänke. In Eigenleistung werden diese neu behandelt. Gleiches gilt für den Teppich, der von Wachsflecken befreit werden soll. «Es helfen verschiedene Leute mit», sagt Iwan Wirth. Er und die Ministranten bauen die Bänke ab, die Sakristaninnen sind fürs Lasieren und für den Teppich zuständig. Wirth, der als Betriebsmechaniker tätig ist, nimmt sich zudem dem Türschloss an, das nicht mehr gut schliesst. «Miteinander geht alles», sagt Wirth.

Nicht für allen Renovierungsbedarf reicht das Geld

Es sind die grundsätzlichen Dinge, die in der Maria-Hilf-Kapelle erneuert werden. Die letzte grosse Renovation der 1860 erbauten Kapelle erfolgte 1982. Es gibt aber auch Renovationsbedarf, der mit den aktuellen finanziellen Mitteln nicht getätigt werden kann. Der Altar müsste restauriert werden, Schnörkel sind abgebrochen, hinter der Maria-Statue hat sich Schimmel gebildet. «Der Schimmelbefall ist nicht schlimm und schadet der Statue nicht», betont Wirth. Prioritär seien diese Arbeiten nicht, «ausser es findet sich ein edler Spender», meint Iwan Wirth schmunzelnd.

«Gottesfürchtiger Waltenschwiler» als Retter

Denn diese Statue hat eine besondere Geschichte. Der Überlieferung zufolge ist sie dem Feuer entrissen worden. «Als 1529 in Wohlen, Villmergen, Göslikon und Niederwil alle Bilder und Altäre aus den Gotteshäusern gerissen wurden, soll ein gottesfürchtiger Waltenschwiler um den Preis einer Mass Wein ein hölzernes Marienbild vor der Vernichtung im Feuer gerettet haben.» So wurde es in der Geschichte der Kapelle aufgeschrieben. Diese Statue fand zuerst Platz am Wegkreuz nach Boswil. Die Denkmalpflege schätzt, dass die ab 1860 in der neuen Kapelle stehende Marienfigur aus dem 16. Jahrhundert sein soll. Damit dürfte es tatsächlich das Marienabbild sein, das seinerzeit den Bildersturm überlebte.

Nicht das Ende der Renovationsarbeiten

Innerhalb weniger Wochen wird die sanfte Renovation über die Bühne sein, wenn nichts Unvorhergesehenes passiert und das Wetter mitspielt. Dann sollten der Steinmetz und der Maler die Kapelle wieder auf Vordermann gebracht haben. Dafür ist wahre Baukunst gefragt. Warum, weiss Iwan Wirth: «Es braucht spezielle, mineralische Farbe, damit das Gebäude atmen kann.» Mit der Erneuerung der beiden Kapellen sind die Sanierungsarbeiten der Kirchgemeinde Waltenschwil noch nicht abgeschlossen.

Nachdem die Pfarrkirche vor zwei Jahren innen renoviert wurde, sei nun auch der Naturstein aussen sanierungsbedürftig. Auch das Kreuz auf dem Buneggli sei stark verwittert. Ebenso soll die Garage, samt Technikraum, beim Pfarrhaus bald angegangen werden. «Es gibt überall kleine Dinge zu tun», sagt Iwan Wirth. Eins nach dem anderen soll angegangen werden. Aktuell ist die Maria-Hilf-Kapelle an der Reihe.

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