Doppelt gezuckert im Quadrat
27.01.2026 MuriEhnert vs. Ehnert schenken sich im Cabarena nichts
In «Zweikampfhasen» liefern sich Jennifer und Michael Ehnert einen wortgewaltigen, umwerfend lustigen Rosenkrieg. 18 Ehejahre bieten den Stoff, aus dem ihre Gags sind. Doch so lustvoll streiten kann wohl nur, ...
Ehnert vs. Ehnert schenken sich im Cabarena nichts
In «Zweikampfhasen» liefern sich Jennifer und Michael Ehnert einen wortgewaltigen, umwerfend lustigen Rosenkrieg. 18 Ehejahre bieten den Stoff, aus dem ihre Gags sind. Doch so lustvoll streiten kann wohl nur, wer sich liebt.
«Etwa 50 Prozent», sagt Michael Ehnert und meint damit, wie viel tatsächlich Erlebtes jeweils in ihre zweistündigen Bühnenprogramme fliesse. Denn diese drehen sich bisher allesamt um eins: sie selbst beziehungsweise ihre Ehe. «Aber wir sagen nicht, welche 50 Prozent das sind.»
So sind sie, die Ehnerts. Lassen das Publikum gerne im Ungewissen darüber, wie ehrlich und ernst sie es meinen. Und genau das ist zum Totlachen. Als eines der «drei letzten Ehepaare der Welt» streiten sie sich in «Zweikampfhasen» durch den Abend, schlüpfen laufend in andere Rollen und begegnen sich dabei immer wieder neu. Meistens tatsächlich als Ehepaar Ehnert, dann plötzlich ist er der philosophierende Gynäkologe oder der schwule Schauspielkollege, der seiner «doppelt gezuckerten Süssigkeit im Quadrat» dringend rät, ihren Taugenichts von Ehemann schleunigst zu entsorgen, während sie sich als herrlich anzügliche Urologin nun wirklich keine Gemeinheit verklemmt.
Das ist aber noch lange kein Grund, Mitleid zu haben. Die beiden wissen schon, wie sie es ihrem Gegenüber wieder heimzahlen. Denn schlagfertig sind sie, die Ehnerts. Selbst wenn sie vor lauter temporeichem Text mal den Faden verlieren oder ein Handy im Publikum klingelt. «Sind Sie das erste Mal im Theater?», frotzelt Michael Ehnert und will gleich selbst rangehen. Das kollektive Gelächter darauf hat auch etwas Befreiendes. «Zum Glück wars nicht meins», werden sich die meisten gedacht haben. Auch wenn es manchmal so klingen mag: Sie meinen es nicht böse – weder mit dem Handyopfer im Publikum noch mit sich selbst. Doch die Ehnerts sprechen einfach gnadenlos alles an, was eine Ehe ausmacht. Vor allem natürlich die wunden Punkte. So regt sich Michael lautstark darüber auf, dass seine Frau dauernd das Gefühl hat, sich für das Falsche entschieden zu haben, ihn partout nie ausreden lässt und immer recht hat. «Einen Schritt zurück machst du ja nur, um Anlauf zu holen», beschwert er sich. Während sie sich darüber beklagt, dass er kaum vom Handy lassen kann, wichtigtuerisch den Veganer gibt und ihr zu wenig Aufmerksamkeit schenkt. Dass er in der Küche ein Bild von ihr aufgehängt und mit der Widmung «Mitarbeiterin des Monats» versehen hat, will sie als Kompliment nicht gelten lassen.
Ein Nackenhieb am andern
So verteilen sich die beiden während zwei äusserst vergnüglichen Stunden, in denen sich das Publikum immer wieder ein ganz kleines bisschen ertappt fühlt, einen verbalen Nackenhieb am andern. Und man beginnt zunehmend zu lieben, wie sich die beiden hassen in dieser «Mischung aus Comedy, Theater, Kabarett und …», sagt Michael Ehnert zum Einstieg. «… und Sexualkunde», ergänzt seine Frau Jennifer.
So kann man das natürlich auch sehen. Vor allem aber ist es unterhaltsam, was die beiden seit nun 15 Jahren gemeinsam auf der Bühne treiben. Auf die Frage, was es brauche, dass man sich so lange in der Öffentlichkeit streiten könne, ohne dass das Privatleben darunter leide, antwortete Michael Ehnert einmal: «Offene Ohren, offene Augen und ein offenes Herz.» Und Jennifer ergänzte: «Man muss sich lieben.» Vielleicht ist es aber auch das, was der Titel ihres neusten Programms verspricht: «Wir müssen reden.» --red

