Dringend Trommler gesucht
13.01.2026 MuriDie Neuenburger Tambouren treten an der kommenden Fasnacht kaum auf
Sie sind zu acht. «Eher wenig», sagen Roger Wäger und Leo Zimmermann. Beide gehören seit rund 30 Jahren den Neuenburger Tambouren an. Weil nun zwei Mitglieder kürzertreten, ...
Die Neuenburger Tambouren treten an der kommenden Fasnacht kaum auf
Sie sind zu acht. «Eher wenig», sagen Roger Wäger und Leo Zimmermann. Beide gehören seit rund 30 Jahren den Neuenburger Tambouren an. Weil nun zwei Mitglieder kürzertreten, fällt die kommende Fasnacht für die Trommler quasi ins Wasser. «Wir brauchen neue Leute, sonst wird es schwierig», sagen sie.
Annemarie Keusch
Eine Fasnacht ohne Tambouren? Schwer vorstellbar. Gerade wenn man an die Tagwache in den Stadtteilen denkt. Trommler und Kinder ziehen durch die Gassen, wecken zur Fasnacht. Aber auch sonst. «Wir sind an allen Anlässen dabei», sagt Leo Zimmermann. In den Beizen, an den Réunionen, bei «Schnetz ond Plonder» auf dem Klosterhof. Zumindest im Stadtteil Neuenburg wird die kommende Fasnacht aber ruhiger. Die Tambouren sind einzig an der Tagwache dabei. «Vielleicht noch an der Réunion, um nicht ganz in Vergessenheit zu geraten», sagt Leo Zimmermann. Weitere Auftritte aber wird es nicht geben. «Wir sind zu wenige», sagt Roger Wäger. «Das tut weh, natürlich.»
Dabei blicken die Neuenburger Tambouren auf eine tolle letzte Fasnacht zurück. Der Umzug, ihr vielseits gerühmter Auftritt an den Réunionen, der Umzug. «Auch die Kameradschaft, es war eine super Zeit», blickt Leo Zimmermann zurück. Eine Zeit, die nun aber droht, zu Ende zu gehen. Mit ihren acht Mitgliedern sind die Neuenburger Tambouren personell eher am unteren Limit. Nun kommt hinzu, dass zwei Mitglieder kürzertreten. «Zwei gelernte Tambouren, die tragend waren und sind», weiss Roger Wäger. Was vor allem deshalb schwer wiegt, weil es an Nachwuchs mangelt. «Wir haben immer wieder probiert, Leute für uns zu gewinnen, oft vergeblich», sagt Leo Zimmermann.
Geselligkeit ist ihnen wichtig
Die Tambouren haben auch im Stadtteil Neuenburg eine lange Tradition. Seit über 75 Jahren gestalten sie die Fasnacht in enger Zusammenarbeit mit der Fasnachtsgesellschaft mit. Sie sind im Stadtteil verankert, überhaupt an der ganzen Fasnacht im Dorf. «An Auftrittsmöglichkeiten mangelt es nicht», sagt Roger Wäger. Alleine dieses Jahr kamen drei Anfragen hinzu. Allesamt mussten die Tambouren sie ablehnen. «Natürlich fiel uns das nicht leicht.» Aber es ist die aktuelle Realität. Auftreten mit noch weniger Leuten, das kam nicht infrage. «Und wenn wir auftreten, dann wollen wir das richtig und gut tun.» Aber nicht perfekt. «Schliesslich ist es Fasnacht.»
Roger Wäger und Leo Zimmermann sind die Urgesteine der Neuenburger Tambouren. Rund 30 Jahre lang sind beide schon dabei, haben so manche Geschichte miterlebt, viele gemütliche Stunden miteinander verbracht. «Genau das macht es aus. Der Jüngste ist unter 30, der Älteste über 60-jährig. Das Miteinander und der Zusammenhalt funktionieren bestens.» Umso schwieriger ist es, der aktuellen Realität ins Auge zu blicken. «Ja, es ist eine schwierige Phase», gestehen die beiden. Solche gab es bereits in der Vergangenheit. Es ist nicht das erste Mal, dass die Tambouren ein Jahr aussetzen müssen. Dennoch betonen sie: «Finden wir keine neuen Mitglieder, dann geht es wohl nicht weiter.» Eine Auflösung sei zwar aktuell kein Thema. «Aber wir brauchen dringend neue Trommler.»
Wie jedes andere Instrument
Taktgefühl und vor allem Freude, das seien die Voraussetzungen, um ein guter Tambour zu werden. «Vorkenntnisse braucht es nicht», sagt Leo Zimmermann. Natürlich seien auch Leute willkommen, die bereits Trommel-Erfahrung haben. «Noch so gerne, aber es ist keine Voraussetzung.» Auch wenn das Ganze nicht so einfach sei, wie es sich Aussenstehende vielleicht vorstellen. «Man kann es lernen, wie jedes andere Instrument auch.» Die Proben starten jeweils nach den Herbstferien und finden bis zur Fasnacht wöchentlich statt. Hinzu kommen vereinsinterne Anlässe, Ausflüge. «Wir haben es gern gemütlich», verraten die beiden. Intensiv ist es nur in der Fasnachtszeit.
Alle sind willkommen
Nicht aber in jener, die bevorsteht. Entsprechend speziell fühlt es sich für Roger Wäger und Leo Zimmermann an. «Die Vorfreude ist noch nicht da, kommt aber sicher noch», sagt Wäger, der wegen einer Schulteroperation sowieso aussetzen muss. «Positiv gesehen haben wir nun die Möglichkeit, die Fasnacht von einer anderen Seite zu erleben.» Aber es wäre ihnen noch so recht, wenn es 2027 wieder anders ist. «Wir sind überzeugt, dass es Leute in und um Muri gibt, die Spass am Trommeln haben und zu uns passen», sagt Leo Zimmermann. Willkommen seien alle – jung, älter, Mann, Frau. Freude an der Fasnacht, Freude am Trommeln und Freude an der Geselligkeit sind die einzigen Voraussetzungen.
Mehr Informationen und Kontakt: www.fgn-muridorf.ch/tambouren/

