Ein Ball mit bunten Aufzügen
06.02.2026 Muri, Turnen, Fasnacht100 Jahre Fantasienball des TV Muri
Seit genau 100 Jahren feiert der Turnverein Muri mit einem Ball die Fasnacht im Dorf und in der Region. Erwin Stöckli, der 1976 das erste Mal dabei war, erinnert sich an die Zeit, als der Anlass noch im «Adler»-Saal ...
100 Jahre Fantasienball des TV Muri
Seit genau 100 Jahren feiert der Turnverein Muri mit einem Ball die Fasnacht im Dorf und in der Region. Erwin Stöckli, der 1976 das erste Mal dabei war, erinnert sich an die Zeit, als der Anlass noch im «Adler»-Saal stattfand. Petra Bächler, die heute als OK-Präsidentin tätig ist, verrät, woher die immer fantasievollen Dekorations- und Motto-Ideen kommen.
Verena Anna Wigger
Links neben dem Restaurant Adler in Muri befand sich früher hinter einem grossen alten Kastanienbaum der ehemalige «Adler»-Saal. Legendär, werden die Kenner nun sagen. Ein Saal aus den Anfängen des letzten Jahrhunderts mit grossem Entree, imposantem Innenraum, Bühne, Seitenempore und verstecktem Bar-Raum. Dort feierten die Turner unter der Regie der Wirtsleute Familie Waltenspül Fasnacht.
Erwin Stöckli hat das miterlebt. Der heute 65-jährige ehemalige Aktuar und Fähnrich des TV Muri erinnert sich: «Der Saal war mit Tischen eingedeckt und die Leute sassen an den Tischen und assen ihr Bankett.» Eine Musik, die damals ein Vermögen gekostet habe, unterhielt die Gäste. «Es waren die ‹Gettys› aus Baden», erinnert sich Stöckli spontan. Der Turnverein erhielt den Eintritt und die Wirtsleute verdienten am Essen und an den Getränken. «Und weil sie zu wenig Personal fanden, haben die Turnenden serviert, und das ehrenamtlich», sagt er. Und dennoch sei es für alle aufgegangen. In den 80er-Jahren hätten ihnen die Wirtsleute erlaubt, die Bar in der Seitenempore zu führen. Auch eine legendäre Zeit, mit einem Raum und stets grossem Andrang.
Der Weg des Balls
Als der «Adler»-Saal abgerissen wurde, zog der Turnverein mit seinem Ball in den alten Festsaal. Damals ging man über eine Aussentreppe in den ersten Stock des Klosters. Stöckli weiss, dass dies nicht die Blütezeit des Turnerballs war. Erst als sich der Turnverein 1994 entschied, den Ball umzubenennen in «Fantasienball», kam die Wende. In der Zwischenzeit wurde der Festsaal renoviert und der Ball fand während zwei Jahren in der Bachmattenhalle statt.
Konzept hat sich bewährt
Mit einem Konzept, um den neuen Festsaal zu schonen, und viel Aufwand, um Sicherheit und Vergnügen für die Gäste zu gewährleisten, organisiert der Turnverein seither jedes Jahr den Ball mottogetreu. Da stand beispielsweise die Mühle des Moulin Rouge in der Halle oder der Eiffelturm im Klosterhof. Es ging aber auch unter Wasser, auf den Milky Way, ins Gemüse, zur Hüttengaudi oder nach Las Vegas. Über dreissig fantasievolle, farbige und schön illustrierte Mottos haben dem Ball den Namen und die treuen Gäste eingebracht, die er heute hat. «Wir haben den Ball auf einem hohen Level gehalten», das freut die OK-Präsidentin. Und es gibt Gäste, die von weit her kommen. Als Turner kennt man sich. «Es gibt sogar welche, die kommen einfach wegen der coolen Deko», das wissen die Turner zu schätzen. In den 100 Jahren gab es nur 2021 keinen Ball.
Bei all den treuen Fans und begeisterten Besuchern gibt es immer mal wieder die Situation, «dass wir die Halle sperren mussten wegen Überfüllung», erzählt die 31-jährige Bächler. Daher steht seit einigen Jahren im Klosterhof die Zeltstadt. Vor einigen Jahren fanden im Festsaal noch vier Bälle statt. Nach dem Gängeli-, dem Stiefeli- und dem FC-Ball waren auch die Turner dran. So wurden über eine Zeit hinweg die Zelte im Klosterhof gemeinsam angemietet. Die anderen Bälle haben sich aber verändert oder aufgehört, wissen die beiden.
In den Zelten und auf dem Platz besteht die Möglichkeit, sich abzukühlen. Petra Bächler offenbart: «Im Saal wird es gegen Mitternacht rund 40 Grad heiss.» Es gebe Guggenmusiken, die sich weigern, im Saal zu spielen. Die Bühne im Zelt sei daher eine gute Alternative, um aufzutreten und die fasnächtliche Fangemeinde anzuheizen.
100 aufs Loch und der Vorverkauf läuft
Einheizen werden am Jubiläumsball «Ufs Loch 100» elf Guggenmusiken, die dafür sorgen, dass die Besucher feiern. Auch in diesem Jahr wird die Dekoration eines der Highlights sein. Denn wie vor 100 Jahren lassen die Turner die goldene Zeit der Zwanzigerjahre aufleben. Mit Charlie Chaplin, Dick und Doof und wie sie alle heissen, wird gefeiert wie vor 100 Jahren. An dieser Dekoration arbeitet die Turnerfamilie seit Wochen. «Bei klirrender Kälte sind sogar die Farben eingefroren», verrät Bächler, und man musste sich zu helfen wissen, damit die Arbeiten nicht ins Stocken gerieten. Damit die Dekoration pünktlich zum Ball am Samstag, 14. Februar, um 20 Uhr im Festsaal in Muri montiert werden und die Fantasie der Besuchenden wiederum begeistern kann.
Gäste ab 35 haben freien Eintritt
Und noch etwas war den Turnern immer wichtig: die Sicherheit. Nach den Vorfällen in der Silvesternacht haben auch die Verantwortlichen im OK und im Turnverein diese nochmals überprüft. Dabei haben sie mit der Feuerwehr ihr Konzept kontrolliert und nochmals optimiert. «Wir waren schon gut vorbereitet, und so gab es wenig anzupassen», weiss Bächler.
Der Vorverkauf läuft bereits auf www.eventfrog.ch, Fantasienball 2026. Und noch etwas: Gäste ab 35 Jahren erhalten kostenlosen Zugang.

