Ein Dorf hat positives Kopfweh
26.08.2025 Region Unterfreiamt, Hägglingen, Sport, MotorsportTöffli-Trophy in Hägglingen: Viele Zuschauer, eine grosse Party und 40 heulende Töffli-Motoren am Maiengrün
Das Maiengrün bebte. Was im letzten Jahr als mutiger Versuch begann, hat sich bereits jetzt zu einem Pflichttermin für alle ...
Töffli-Trophy in Hägglingen: Viele Zuschauer, eine grosse Party und 40 heulende Töffli-Motoren am Maiengrün
Das Maiengrün bebte. Was im letzten Jahr als mutiger Versuch begann, hat sich bereits jetzt zu einem Pflichttermin für alle Töffli- und Motorsportfans der Region entwickelt. Ganz Hägglingen feiert seine Töffli-Trophy.
Von einer verrückten Idee zum Publikumsmagneten. Vor einem Jahr hatten einige Mitglieder des Moto-Clubs Hägglingen die spontane Idee, rund um ihr traditionelles Vereinsfest noch ein zusätzliches Highlight zu schaffen. Mehr Motoren, mehr Action, mehr Spass – das war das Ziel. Mit der Premiere 2024 wagten sie den Sprung ins kalte Wasser. Das Resultat übertraf alle Erwartungen: 18 Teams und eine grosse Schar Zuschauer machten die Erstausgabe zu einem Erfolg.
Dieses Jahr wurde das Konzept deutlich ausgebaut. 40 Teams meldeten sich an. Und die Startplätze waren bereits zwei Wochen vor dem Rennen vergriffen. Das Fahrerlager platzte fast aus allen Nähten und wurde mit improvisierten Boxengassen erweitert. Präsident André Fischer schmunzelte: «Eigentlich wollten wir nur ein bisschen mehr Stimmung an unser Fest bringen. Mittlerweile ist das Ganze fast schon zu gross für uns geworden.»
Dass die Trophy ernst genommen wird, merkte man bereits am einwöchigen Aufbau. Schon am frühen Samstagmorgen, Punkt 8 Uhr, rollten die ersten Teams ins Fahrerlager. Mitgebracht wurde alles, was ein Rennstall eben braucht: Werkzeugkisten, Kühlschränke, Grills, Zelte und unzählige Benzinkanister.
Besonders eindrücklich: Die Anreise des Teams «Pitztaler BergBauerBuabn») – kurz «PBBB». Sie kamen aus Arzl im Pitztal. Mit einer Distanz von 190,3 Kilometern hatten sie den weitesten Weg hinter sich. Ihre Motivation: «Einfach Teil dieser verrückten, genialen Veranstaltung zu sein.»
«Marihuana gibt uns den Kick»
Auch der Humor fehlte nicht. Das Team «Di Grüene» etwa absolvierte das komplette Rennen mit einem (natürlich unechten) Joint im Mundwinkel. Einer der Fahrer meinte lachend: «Das Marihuana gibt uns den nötigen Kick fürs Rennen. Wir müssen nur noch die richtige Mischung finden – nicht, dass es nachher zu viel des Guten wird. »
Der Vormittag gehörte den Trainingsläufen. Die Teams brachten ihre teils bunt lackierten und aufwendig getunten Töffli auf die knapp einen Kilometer lange Strecke. Die Maschinen durften bis zu 80 ccm Leistung aufweisen, was bereits für ordentlich Geschwindigkeit sorgte.
Neben den klassischen Töffli traten auch Seitenwagen- und Enduro-Maschinen an. Gerade die spektakulären Überholmanöver der Enduros und die angebotenen Gastfahrten auf den Seitenwägen sorgten für staunende Gesichter am Streckenrand. Kinder wie Erwachsene bekamen so einen Eindruck, wie vielfältig und temporeich die kleine Trophy sein kann.
Um 13 Uhr stand das erste Highlight an – die grosse Teampräsentation. Die 40 Mannschaften versammelten sich mit ihren Grid-Girls und -Boys entlang der Strecke. Und wie schon im Vorjahr setzten die Fahrer auf kreative Outfits. Von Fuchs-Kostümen über Bienen, Flower-Power-Hippies bis hin zu pinken Tütüs war alles vertreten. «Die Tütüs sind aus einer verlorenen Wette entstanden», erklärte lachend ein Fahrer der «Cholbefrässer Gäng». «Wir haben sie getestet – die Aerodynamik ist besser, als man denkt.»
Kurz darauf ertönte der Knall: Der «LeMans»-Start war eröffnet. Dabei stehen die Fahrer zunächst auf der einen Seite der Strecke, während ihre Maschinen im Startbereich warten. Auf das Signal hin sprinten alle los, schwingen sich auf ihre Töffli und starten ins Rennen. Ein spektakulärer Anblick, als 40 Fahrer gleichzeitig losstürmten, um die kommenden 2,5 Stunden auf dem Rundkurs zu bestreiten.
Während anfangs alle Maschinen problemlos liefen, machten sich mit zunehmender Dauer die ersten Pannen bemerkbar. Im Fahrerlager wurde daraufhin fieberhaft geschraubt, gelötet, geflickt und getapt, um die Töffli wieder ins Rennen zu bringen. Egal ob Kolbenfresser, Kettenriss oder lockere Schrauben – jedes Team tat alles, damit das Töffli bis zum Ende durchhielt. Und tatsächlich schafften es alle Mannschaften, mindestens 50 Runden zu absolvieren.
Party bis in die Morgenstunden
Das Siegerteam «Meisterjäger.ch» glänzte mit unglaublichen 131 Runden. Doch nicht nur die reine Leistung zählte: Punkte gab es auch für die kreativsten Outfits, die Gestaltung der Boxen und die liebevoll dekorierten Töffli. Dank dieser Mischung kürte sich «Meisterjäger.ch» verdient zum Gesamtsieger der Trophy 2025.
Nach dem Zieleinlauf versammelten sich alle Teams und Zuschauer zur Siegerehrung. Unter tosendem Applaus dankte OK-Präsident Stephan Nauer den Fahrern und Fans: «Mein grösstes Ziel vor dem Rennen war, dass dieser Sanitätsstand da hinten leer bleibt. Ich habe den Fahrern gesagt: Wir wollen ein spannendes Rennen erleben, aber ohne Verletzte. Und genau so ist es gekommen. Danke, dass so viele den Weg hierher gefunden haben. Wir sehen uns nächstes Jahr wieder.»
Auch wenn das Rennen vorbei war, endete der Tag noch lange nicht. Im grossen Festzelt heizte die Band «Second First» den Besuchern kräftig ein. Bei gutem Essen, kühlen Getränken und einer grossen Tombola wurde ausgelassen gefeiert. Das Wetter spielte perfekt mit – laue Temperaturen liessen die Stimmung bis weit nach Mitternacht anhalten. Viele feierten noch bis in die frühen Morgenstunden, sodass am Sonntag nicht nur der Motorenlärm, sondern auch die lange Nacht für dröhnende Kopfschmerzen sorgte. Für Hägglingen und das Freiamt ist es positives Kopfweh. --nau